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"Die Gruppe und die Aktivität beruhigen"

Hilfsangebote "Die Gruppe und die Aktivität beruhigen"

"Wer sich bewegt, muss sich konzentrieren", sagt Ingelore Falkenberg und betont, dass Sport für Demenzkranke gleich mehrere Vorteile hat: Sie trainieren sowohl den Körper als auch den Geist.

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Unter Anleitung von Ingelore Falkenberg (Mitte) trainieren Hedwig Föth (links) und Maria Gockel ihre Oberkörper. Foto: Florian Lerchbacher

Quelle: Florian Lerchbacher

Mardorf. Und der Geist steht bei den Treffen der „MoMent!-Gruppe“ („Motion- und Mentaltraining“) besonders im Vordergrund. Die Teilnehmer, die montags zwischen 10.30 und 12 Uhr im Mardorfer Schwesternhaus beim Bürgerverein zusammenkommen, vergnügen sich bei einer Mischung aus Sport und Gehirnjogging: Sie machen kleinere Mobilitätsübungen - vornehmlich im Sitzen, da die Teilnehmerinnen zwischen 80 und 90 Jahre alt sind.

Zudem bieten die drei Anleiterinnen Gedächtnistraining an: „Es geht um Abwechslung, Freude und Anregungen. Ich bringe gerne die Elemente des Alltags ein, zum Beispiel Themen wie die Jahreszeiten, Blumen oder Tiere“, erklärt Ingelore Falkenberg, Heilerziehungspflegerin in Rente. Ziel ist es, Alltagsfähigkeiten zu bewahren, damit ein selbstbestimmtes Leben noch lange möglich ist.

„Für alle Menschen ist Bewegung wichtig. So wird die Muskulatur gekräftigt, was mehr Sicherheit im Alltag gibt“, betont sie und fügt hinzu, dass so auch die Konzentrationsfähigkeit gefördert werde: „Bewegung und Gehirn gehören unmittelbar zusammen.“

Wer fehlt wird angerufen

Noch dazu kommen die Teilnehmerinnen in den Genuss eines liebevollen, geduldigen Umgangs: Wer zu Beginn der Übungseinheit fehlt, wird rasch angerufen. Für Falkenberg selbstverständlich: Es sei schließlich gut zu wissen, ob sie verhindert seien, sich nicht motivieren können oder den Termin einfach nur vergessen haben - was bei Demenzerkrankten schlicht keine Seltenheit ist.

Bis zu sieben Seniorinnen nehmen teil. Am liebsten wäre den Anleiterinnen jedoch, die Zahl würde noch steigen: „Das ist besser fürs Erleben. Je mehr Teilnehmer, desto lebendiger und vielfältiger ist es“, sagt Falkenberg. Es gebe dann mehr Interpretationen von Themen und vor allem mehr Gespräche: „Und Interaktion ist wichtig. Noch dazu lassen sich die neuen Teilnehmer in eine größere Gruppe leicht integrieren.“

Beim Besuch dieser Zeitung geht es während des Mentaltrainings dann auch um die Oberhessische Presse. „150 Jahre alt ist sie geworden“, betont Maria Gockel und witzelt: „So lange bin ich auch schon fast Leserin.“ Mit der Lektüre der Zeitung fange ihr Tag an, stellt die Mardorferin heraus und ergänzt, dass sie auf den Ortsdiener Karl nicht verzichten könne. Auf den Sportteil indes schon.

"Ein bisschen Blödsinn machen tut gut"

„Ein bisschen Blödsinn machen tut gut“, wirft die Erfurtshäuserin Hedwig Föth ein, während die Frauen auch gegenüber dem ungewohnten Gast Stück für Stück auftauen und letztendlich zugeben, dass auch Männer ihre Gruppe bereichern würden - natürlich erst nach einer genauen Prüfung. Doch die ist einigermaßen leicht zu bewältigen: Einfach offen und freundlich sein und mitmachen. Der Verfasser dieser Zeilen jedenfalls darf wiederkommen.

Da waren sich die Frauen einig - um gleich auch potenziellen neuen Teilnehmern Mut zu machen: „Am Anfang habe ich mich nicht getraut, hierher zu kommen. Ich hatte richtig Angst. Aber es ist schön hier und macht Spaß“, berichtet Föth. Die Gemeinschaft sei hervorragend und die Stimmung unter den „MoMentlern“, die aus verschiedenen Dörfern kommen, immer gut. „Bei Menschen mit schwerer Demenz ist oftmals am Anfang eine gewisse Unruhe zu spüren. Sie fragen sich, was sie hier machen und wollen nach Hause - aber das legt sich meistens: Die Aktivitäten und die Gemeinschaft beruhigen“, unterstreicht Falkenberg und lädt ebenfalls zur Teilnahme ein: „Sport und Spaß - das ist ein guter Wochenanfang.“

  • Die MoMent!-Gruppe trifft sich montags von 10.30 bis 12 Uhr im ehemaligen Schwesternhaus in Mardorf. Es sind noch Plätze frei. Ein Probebesuch ist möglich. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 06429/8291541. Die Teilnahme ist durch die Pflegekassen als bezuschussungsfähige Leistung anerkannt.

von Florian Lerchbacher

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