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Die Gegenwehr wird immer geringer

Rathauserstürmung Die Gegenwehr wird immer geringer

So einfach wie gestern hatten es die Narren in Neustadt noch nie. Ein Sturm war gar nicht nötig, um das Rathaus zu übernehmen - ein Windhauch reichte völlig aus.

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Ein Angriff mit Konfetti ist bei einer Verteidigung mit Rosen äußerst wirksam. Nach der Übernahme des Rathauses tanzte je eine Garde der karnevalstreibenden Vereine – hier ist es die Prinzengarde des VfL.

Neustadt. Ist die Kasse so klamm, dass sich die Stadt nicht einmal mehr einen einzigen Schuss leisten kann? Oder hatte Hauptmann Andreas Gnau als er zu den Narren überlief mit einem Akt der Sabotage die Bürgerwehr lahm gelegt? Eine Antwort auf die Fragen gab es gestern nicht. Fakt ist jedoch, dass die Gardisten - denen im vergangenen Jahr noch die Schüsse rationiert wurden - diesmal vor einem verschlossenen Schrank standen, gar nicht erst an ihre Gewehre kamen und sich letztendlich mit Rosen „bewaffneten“, um das historische Rathaus zu verteidigen. Deren Stängel hatten zwar wenigstens Dornen, doch auf deren Einsatz verzichteten die Gardisten dann wenigstens konsequenterweise und versuchten, zumindest die weiblichen Narren mit Blumen und Romantik von der Erstürmung der Neustädter Machtzentrale abzuhalten.

Die Bemühungen waren jedoch vergeblich: Zunächst nahmen die Narren den Marktplatz ein, dann die Treppe und letztendlich auch den Saal des historischen Rathauses. Die Gegenwehr war gering - besonders beim Bürgermeister, der scheinbar alle Kraft in den Wahlkampf gestreckt hatte und gestern eher nebenbei die goldenen Schlüssel zur Stadt an die beiden Prinzenpaare übergab.

Nachwuchs-Prinzenpaar wiederholt seine Kritik

Nichtsdestotrotz ging es am Rosenmontag in Neustadt einmal mehr äußerst lustig zu. Besonders unterhaltsam war die Rede von Sven Kutzer und Nina Weissbecker, dem Nachwuchs-Prinzenpaar des Jugendblasorchesters. „Kein Karussell beim Nikolaus- und Weihnachtsmarkt stand, was nicht nur ich sehr schade fand“, wiederholte der Prinz seine Kritik aus dem vergangenen Jahr. Und seine Prinzessin fügte hinzu, die Erwachsenen müssten sich daran ja nicht stören: Bei ihnen drehe sich ohnehin alles, wenn sich nach dem Feiern nach Hause gingen.

Ansonsten setzte es noch ein paar Seitenhiebe: Jörg Nothvogel, der für den gesundheitlich angeschlagenen VfL-Sitzungspräsidenten Michael Launer einsprang, wünschte sich, dass es jedes Jahr Bürgermeisterwahlen gibt: „Im Wahljahr ei der daus, da geht der Bürgermeister auch mal wieder aus.“

Felicitas Trebes-Börner (St. Maria) erinnerte noch einmal daran, dass Groll mit 2222 Stimmen wiedergewählt wurde und somit wohl der Obernarr sei. Zudem freute sie sich, dass der VfL für sein Prinzenpaar auf Mitglieder ihres Vereins und von Kolping zurückgegriffen habe. Dessen Sitzungspräsident, Andreas Gnau, widmete sich noch einmal der mangelnden Gegenwehr: „Lasst die Waffen lieber schweigen - vor so viel Kampfeswille kann ich mich nur verneigen.“

Doch wahrscheinlich konnten die Angreifer froh sein über die friedfertige Bürgerwehr: Schließlich hatte die Grippe die Schar der Narren erheblich dezimiert, wie Michaela Gies vom Frauenverein festhielt.

Und dann gab es noch einmal Schelte für den Bürgermeister von Prinz Michael (Ebel), der an an der Seite von Prinzessin Daniela II. (Korell) verkündete, ein Sieg sei mit Freigetränken zu feiern - dies möge sich Groll für die Zukunft merken. Danach ging‘s ins Rathaus, um den Sieg zu begießen - mit Freigetränken, die allerdings nicht die Narren sondern die Stadt bereitgestellt hatte.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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