Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Die Entsorgungswut ist ein Problem

Kleidersammlung Die Entsorgungswut ist ein Problem

Im vergangenen Jahr sammelten die Kolpingfamilien im Bezirk Oberhessen 35,6 Tonnen Kleidung und Schuhe für den guten Zweck ein - das sind zehn Tonnen weniger als im Jahr 2012.

Voriger Artikel
Neuer Musikschulleiter gibt Gastspiel
Nächster Artikel
Gericht sieht keine Rechte verletzt

Mitglieder der Kolpingfamilien sammeln auch in diesem Jahr wieder gebrauchte Kleidung und Schuhe ein.

Quelle: Archivfoto

Ostkreis. Die Zeiten, in denen die Kolpingfamilien die gesammelten Kleider am Bahnhof Kirchhain sammelten und in Waggons abtransportierten, sind lange vorbei, sagt Birgit Gruß, die Vorsitzende der Kolpingfamilie Kirchhain, die gemeinsam mit der Kolping­familie Anzefahr derzeit den Bezirksvorstand inne hat.

Denn die Sammelergebnisse nehmen von Jahr zu Jahr weiter ab: 2012 kamen im Bezirk Oberhessen noch 46 Tonnen zusammen, ein Jahr später waren es 43,5 Tonnen, im vergangenen Jahr nur noch 35,6 Tonnen. In der gesamten Diözese waren es im Jahr 2012 noch 274 Tonnen, nach dem Tiefpunkt 2013 mit 217 Tonnen waren es dann im vergangenen Jahr 236 Tonnen. „Das Verhalten der Menschen hat sich geändert. Sie sammeln ihre alte Kleidung und Schuhe nicht mehr das ganze Jahr über, um es dann bei uns abzugeben, sondern entsorgen die Sachen sofort - es gibt ja genügend Sammelstellen.“

Sammelaktion am 25. April

Daher appelliert sie nun an ihre Mitmenschen, die Altkleider für den guten Zweck zu stiften: „Es gibt ein gutes Gefühl, einen sozialen Verband zu unterstützen, der einen guten Zweck verfolgt - und sich auch noch die Mühe macht, die gefüllten Säcke vor den Haustüren abzu­holen.“ Dauerhaft Container aufzustellen, komme indes nicht in Frage. „Die meisten Gemeinden nehmen dafür Miete - und das passt einfach nicht“, erklärt Gruß.

Die gesammelten Kleidungsstücke kommen in eine Sortieranlage, wo sie in tragbar und nicht mehr tragbar aufgeteilt werden. Tragbare Stücke werden verkauft. Nicht mehr tragbare Sachen werden geschreddert und zu Dämm- und Putzmaterial für die Autoindustrie verarbeitet. Der Erlös kommt dann der „Aktion Brasilien“ und Projekten zugute, die unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ laufen. Im vergangenen Jahr flossen die Gelder zum Beispiel in verschiedene Kurse, in denen Jugendliche in Belo Horizonte auf das Berufsleben vorbereitet werden. Zudem wurde ein Bus für Burundi unterstützt, der als „Haus der Ideen auf Rädern“ in dem zentralafrikanischen Staat unterwegs ist.

Säcke werden verteilt oder liegen in den Kirchen aus

Die Vorbereitungen für die Kleider- und Schuhsammlung von Kolpingfamilie, verschiedenen Pfarreien im Bistum Fulda, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung laufen auf Hochtouren. In einigen Orten verteilen die Kolpingfamilien die leeren Sammelsäcke, in manchen Dörfern legen sie diese aber auch nur in den Kirchen aus. Am 25. April fahren Helfer durch die Straßen und sammeln die Säcke wieder ein - diese müssen um 8 Uhr gefüllt an den Straßen stehen. Ausnahmen sind Niederwald, Schönbach, Betziesdorf, Langenstein, Großseelheim und Kleinseelheim - dort gilt es für die Bürger, die gefüllten Säcke an der Kirche abzuliefern, wo die Mitglieder von Kolpingfamilien aus anderen Orten sie abholen. „Wenn Unklarheiten bestehen sollten, können die Menschen in den katholischen Dörfern einfach in der Kirche nachfragen“, sagt Birgit Gruß und freut sich, dass sich wieder zahlreiche Ehrenamtler gefunden haben, die sich engagieren wollen - und vor allem, dass verschiedene Firmen Lastwagen für den Transport der gespendeten Kleidung zur Verfügung stellen.

Bei einer Wahl vor wenigen Tagen wurde Birgit Gruß zur stellvertretenden Diözesanvorsitzenden gewählt.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr