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Die Entscheidungsträgerin fehlt

Netzwerk Die Entscheidungsträgerin fehlt

Noch ist nicht klar, wer das geplante Netzwerk für ehrenamtliche Angebote für Flüchtlinge in der künftigen Erstaufnahmeeinrichtung koordinieren soll.

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In der kommenden Woche erreichen die ersten Flüchtlinge die neue Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt.Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. 200 bis 300 Flüchtlinge ziehen in der kommenden Woche in die Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne ein. Bis Herbst wird sich diese Zahl auf mehr als 700 erhöhen. Das bedeutet eine besondere Herausforderung für die Bürger, die Flüchtlingen ehrenamtlich verschiedene Angebote machen wollen. Der Landkreis und die Stadt Neustadt planen daher, ein Netzwerk zu gründen.

Claus Schäfer, der Leiter des Büros für Integration, und Bürgermeister Thomas Groll setzten sich aus diesem Grund nun mit 45 Bürgern aus Neustadt und den Nachbarkommunen zusammen. Noch stehen sie mit dem Netzwerk ganz am Anfang. Bei diesem zweiten Treffen ging es um erste konkrete Überlegungen, welche Angebote Vereine, Personen oder Gruppen den Flüchtlingen außerhalb der Einrichtung unterbreiten können - und wer sie organisiert.

Gekommen waren unter anderem Vertreter beider christlicher Kirchengemeinden, der islamischen Gemeinde, aber auch Einzelpersonen, Vertreter des VfL Neustadt, der Asylbegleitung Mittelhessen oder des Vereins Jumpers aus Stadtallendorf, um nur einige zu nennen. Die Entscheidung, wer die Koordinierung übernimmt, liegt in den Händen von Elke Weppler, der Leiterin der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Sie war allerdings aus terminlichen Gründen verhindert.

Land gibt kein Geld

Groll und Claus Schäfer berichteten über den aktuellen Sachstand (die OP berichtete). Am 18. Mai kommen die ersten Flüchtlinge in der ehemaligen Kaserne an. Wegen technischer Probleme in der Großküche war es zu Verzögerungen gekommen. In Abstimmung mit der Leiterin der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung überbrachte Schäfer die Nachricht, wonach das Land keine Mittel für die Ehrenamtskoordination zur Verfügung stellen werde. Für die Menschen in der Zweitunterbringung wolle der Kreis indes einen Träger beauftragen. In Neustadt leben schließlich derzeit 100 Flüchtlinge für längere Zeit in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen (die OP berichtete).

Schäfer verwies darauf, dass die Flüchtlinge nach der Ankunft in der Erstaufnahmeeinrichtung nur eine relativ kurze Zeitspanne von vier bis sechs Wochen dort blieben und in dieser Zeit recht oft nach Gießen fahren müssten, um dort Anträge, Untersuchungen und dergleichen zu erledigen. Ein Hinweis, der wichtig für die ehrenamtlichen Angebote sei, da diese dadurch erst abends oder am Wochenende stattfinden könnten. Es gehe darum, den Menschen Angebote zu machen, um aus der Einrichtung herauszukommen und zum Beispiel die Stadt kennenzulernen. Er wies im Namen von Elke Weppler darauf hin, dass immer wieder Fragen nach Sachspenden aufkämen. „Sachspenden wie Möbel oder Kleidung wird die Einrichtung nicht annehmen“, verdeutlichte er.

Diakonisches Werk ist bereit

Der Vorschlag, über das ehrenamtliche Engagement in Kleingruppen weiter zu diskutieren und Angebote zu sammeln, stieß dann auf Widerspruch. „So lange wir nicht wissen, wer die Ehrenamtlichen koordiniert, ist es uneffektiv, wenn wir uns etwas ausdenken“, warf eine Besucherin ein.

Schließlich überwogen dann aber doch die Stimmen, die sich dafür aussprachen, den Abend nicht ungenutzt zu lassen. Und an Ideen mangelt es nicht: Zum Beispiel regten die Bürger an, eine Sprachförderung und eine Kinderbetreuung anzubieten oder eine Teestube einzurichten. Pfarrer Ulrich Kling-Böhm vom Diakonischen Werk Oberhessen signalisierte Bereitschaft, die Angebote über das Diakonische Werk zu koordinieren. „Es kann nur gelingen, wenn alle vor Ort mitwirken und alle mit im Boot sind, um gemeinsam etwas zu entwickeln“, unterstrich Dekan Hermann Köhler vom Kirchenkreis Kirchhain.

„Noch sind wir in der Vorbereitungsphase“, betonte Rainer Flohrschütz vom Büro für Integration. „Es war heute Abend spürbar, dass die Motivation hoch ist“, sagte er im Gespräch mit der OP.

von Karin Waldhüter

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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