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Die Drei von der Kunst-Baustelle

Kunst Die Drei von der Kunst-Baustelle

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Dieser Satz von Karl Valentin bewahrheitet sich in diesen Tagen auf dem neuen Platz neben dem Kirchhainer Bahnhof auf das vortrefflichste.

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Bildhauer Heiko Börner bearbeitet seinen Baumstamm mit der Kettensäge, während seine Kollegin Ortrud Sturm die Linie für ihren nächsten Schnitt anzeichnet.
Fotos (3): Matthias Mayer

Kirchhain. Kettensägen arbeiten sich mühsam in hartes Eichenholz. Das Kreischen der Motoren überlagert die übliche Geräuschkulisse auf diesem Platz, die sonst vom Baustellenlärm, den Zügen und den Autos bestimmt wird. Ortrud Sturm und Heiko Börner, in Arbeitskluft und mit Gehörschutz, könnten leicht zu der Bauarbeiter-Kolonne gezählt werden, die derzeit das Empfangsgebäude ausbaut. Auch Mihaela Kamenova, die Stahlplatten mit heißer Schweißflamme und Biegegeräten bearbeitet, kommt als Schwerarbeiterin daher.

Tatsächlich produzieren die Drei von der Baustelle mitten in Kirchhain Kunst. Im Rahmen des Kirchhainer Bildhauer-Symposiums werden sie bis zum Freitag je eine Groß-Skulptur schaffen.

Heiko Börner hat ein Problem. Der Eichenstamm, aus dem er seine vier Monate hohe Skulptur schneiden will, hat ausgerechnet in der Mitte ein großflächiges strukturelles Problem: Hohlstellen. „Ich krieg das hin, auch wenn ich meinen Entwurf etwas abändern muss“, sagt der Bildhauer gelassen. Derartige Überraschungen mit dem natürlichen Werkstoff Holz ist der aus Thüringen stammende Wahl-Münchner gewohnt.

Mit einigen Astlöchern und Rissen im Holz hat auch Ortrud Sturm zu kämpfen, die aus ihrem Stamm eine filigrane Würfels-Skulptur ausschneidet, die sich oben sogar in zwei Würfeltürme aufteilt. Die Holzfehler könne sie ausgleichen und die Angst vor dem einem falschen Schnitt hat sie auch nicht. „Ich habe solche Arbeiten schon einige mal gemacht. Ich muss nur aufpassen, dass die Verbindungsflächen zwischen den Würfeln groß genug sind“ sagt die Südhessin.

Ein ganz anderes Problem plagt Mihaela Kamenova (kleines Foto). Die Bulgarin leidet unter Rückenschmerzen und fehlte gestern beim OP-Besuch auf der Kunst-Baustelle.Die Kirchhainer Bürger können ihre Lieblingsskulptur wählen. Die schönen Stimmkarten, die die Stadt hat drucken lassen, liegen leider etwas verloren auf einer Fensterbank des Bahnhofsgebäudes. Einen Aufsteller gibt es nicht. „Wir lernen noch“, gesteht Bürgermeister Jochen Kirchner.

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Dieser Satz von Karl Valentin bewahrheitet sich in diesen Tagen auf dem neuen Platz neben dem Kirchhainer Bahnhof auf das vortrefflichste.

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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