Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Die Bürgerhilfe - ein Paradebeispiel

Projekt Die Bürgerhilfe - ein Paradebeispiel

Seitdem die Mardorfer die Bürgerhilfe aus der Taufe hoben, begleitet Marilena von Köppen von der Uni Frankfurt das Projekt. Eine zentrale Erkenntnis ihrer Arbeit stand nun nach einem Vortrag in der Kritik.

Voriger Artikel
Beim Etat kommt‘s zum Treueschwur
Nächster Artikel
Die 325-Jahr-Feier steht bereits auf der Agenda

Professorin Margret Müller (rechts) und Marilena von Köppen (Mitte) sprechen mit Mitgliedern der Bürgerhilfe (von links) Burkhard Wachtel, Elisabeth Schick, Barbara Schick, Christina Stettin und Hildegard Kräling.Foto: Florian Lerchbacher

Mardorf. Die Bedingungen des Älterwerdens ändern sich. Immer wieder kommt in den Diskussionen zum Thema die Forderung nach einem Hilfe-Mix auf. Neben den klassischen Dienstleistern, die in der Pflege tätig sind, sollten zum Beispiel auch Kommunen etwas dafür tun, älteren Menschen das Leben in ihrer Heimat zu erleichtern - aber eben auch Bürger. Und genau dafür ist die Bürgerhilfe Amöneburg ein ausgezeichnetes Beispiel: Dort haben sich Menschen zusammengefunden, die sich für ihre Mitbürger einsetzen, ihnen bei den scheinbar kleinen - aber im Alter schwierig zu bewältigenden - Dingen helfen und so dafür sorgen, dass diese Personen in den eigenen vier Wänden und der vertrauten Umgebung bleiben können.

Und so ist es eigentlich nur logisch, dass der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg sich das Projekt für ­ihre Vortragsreihe „Gestaltungsmöglichkeiten bedürfnisorientierter Altenhilfe“ herauspickten - und direkt auch noch Marilena von Köppen und Professorin Margret Müller von der „Frankfurt University of Applied Sciences“ als Referenten gewannen. Die beiden Frauen begleiteten die Bürgerhilfe wissenschaftlich, seit sie aus der Taufe gehoben wurde.

Von Köppen hatte sich in einer Studie ursprünglich mit den positiven Auswirkungen des Ehrenamts auf die freiwilligen Helfer beschäftigt. Daraus wiederum konnte sie schlussfolgern, was die Bürgerhilfe so erfolgreich mache: Es sind Kontinuität, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen. Vor allem den letzten Punkt stellte Müller heraus. „Eine Beziehung ist dann stabil, wenn nicht nur der Helfer gibt und der Klient nimmt - sondern auch umgekehrt“, sagte sie und betonte, dass dies sowohl emotional als auch materiell der Fall sein müsse. Es sei auf der einen Seite wichtig, dass die Menschen einander verstehen, sich vertrauen und ein entsprechendes wechselseitiges Verhältnis aufbauen, das sowohl Helfer als auch Klient bereichere. Gleichzeitig müsse dies auch für die materielle Seite gelten: Bekommt der eine Leistung und der andere dafür Geld, könne Dankbarkeit eine untergeordnete Rolle spielen und belaste das Verhältnis nicht, erläuterte Müller. Ehrenamtliches Engagement sei noch dazu unstet - und weitaus weniger „selbstverständlich“ als früher, sagte von Köppen. Die kleine Aufwandsentschädigung, die es in Amöneburg für den Einsatz der Helfer gibt, sorge indes dafür, dass das „Unstete“ verschwinde und eine gewisse Verbindlichkeit entstehe, ergänzte Müller.

An dieser Erkenntnis schieden sich am Ende der Veranstaltung jedoch die Geister: Auf der einen Seite standen diejenigen, die eine Aufwandsentschädigung auch für „ehrenamtliches Engagement“ für vertretbar halten. Auf der anderen Seite standen die Kritiker, die sagen, dass Ehrenamt nichts kosten darf. „Komplett unentgeltlicher Einsatz ist wunderbar - kann aber das Verbindliche nicht erbringen“, erläuterte Christina Stettin, die Koordinationskraft der Bürgerhilfe, ihre Ansicht.

Dass die Mardorfer mit ihr einen echten Glücksgriff getan hatten, ist nicht erst seit Veröffentlichung der Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeit bekannt - nun aber noch einmal unterlegt. Stettin hat einfach ein unfassbares Talent im Umgang mit den Menschen. Doch nicht nur ihr gilt das Lob: von Köppen und Müller stellten die Bedeutung des gesamten Leitungsteams der Bürgerhilfe als „Säule der ganzen Arbeit“ und als einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg heraus.

Aus ihrer wissenschaftlichen Begleitforschung erstellen die zwei Frankfurterinnen einen „Werkzeugkoffer“ - eine Art Handbuch, das sie „Nachahmern“, die ähnliche Initiativen aus der Taufe heben möchten, mit auf den Weg geben wollen. Noch ist dieses Handbuch in der Entwicklung - von Köppen und Müller stehen Anregungen, Fragen und Tipps offen gegenüber.

Wer Fragen und Anregungen zum „Werkzeugkoffer“ hat, kann sich an die Bürgerhilfe Mardorf wenden, Telefon 06429/8291541, E-Mail: buergerhilfe-amoeneburg@t-online.de

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr