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Die Bürger sitzen in der Kunst-Jury

Bildhauer-Symposium in Kirchhain Die Bürger sitzen in der Kunst-Jury

Wer mit offenen Augen durch Kirchhain läuft, stößt an vielen markanten Orten der Stadt auf zeitgenössische Kunst. Das Kunst-Freiluftmuseum nennt sich Skulpturenpfad und ist ein einzigartiges Projekt.

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Gute Aussichten: Bürgermeister Jochen Kirchner und Kerstin Ebert schauen zwischen den von der Freiburger Popart-Ikone Werner Berges geschaffenen „Jede Menge Grazien“ der Erweiterung des Kirchhainer Skulpturenpfades entgegen. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Der Skulpturenpfad geht auf eine Idee des Kirchhainers Bildhauers Hans-Heinrich Thielemann zurück, der selbst sechs Arbeiten für das Gesamtkunstwerk beigesteuert hat, das den Bahnhofsvorplatz mit dem Erlensee verbindet. Großzügiges Mäzenatentum kunstsinniger Kirchhainer Bürger hat den Skulpturenpfad inzwischen auf elf Stationen mit 22 einzelnen Kunstwerken anwachsen lassen. Die zwölfte Station folgt im Herbst. Eins ist jetzt schon sicher: Deren Entstehungsgeschichte ist besonders spannend.

Stadt wird zumöffentlichen Atelier

Im September wird die Stadt erstmals Gastgeber eines Bildhauer-Symposiums sein. Fünf Künstlerinnen und Künstler werden eine Woche lang an von ihnen ausgewählten Standorten in der Stadt arbeiten, wobei ihnen Passanten in dem öffentlichen Atelier buchstäblich auf die Finger schauen können. Nach der Fertigstellung bleiben die Werke noch eine Weile an ihren Entstehungsorten. Dann haben die Kirchhainer Bürgerinnen und Bürger das Wort. Sie sollen abstimmen, welche Arbeit sie gern im Skulpturenpfad sehen möchten. Eine ähnliche Abstimmung gab es zuletzt zur farblichen Gestaltung des Kirchhainer Bahnhofsvorplatzes.

Zwar werde letztlich eine fachkundige Jury eine Arbeit vorschlagen, aber das Votum der Bürger werde wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung der Juroren haben, sagte Bürgermeister Jochen Kirchner gegenüber der OP.

Der Jury gehören Professor Tina Stolt vom Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst der Universität Koblenz-Landau, Helmi Ohlhagen von der Marburger Philipps-Universität und der Großseelheimer Grafik-Designer Horst Barthel an.

Die Ausschreibung für die Teilnahme an dem Symposium erfolgte Ende vergangenen Jahres. Die Ausschreibung richtete sich besonders an Kunst-Studierende aus der Region. Allerdings reizte die Chance, die eigene Kunst neben den Arbeiten weltberühmter Künstler wie Luigi Colani und Werner Berges zu zeigen, nur sehr wenige Nachwuchs-Künstler aus der Region. So fanden diese für das Symposium keine Berücksichtigung.

Die Jury entschied sich für Ortrud Sturm, die eine Holzplastik schaffen will, Irene Anton, die die Juroren mit der Farbgebung ihrer Arbeiten überzeugte, Christian Heß, der den Werkstoff Beton bearbeitet und für Heiko Börner, der ebenfalls mit Holz arbeitet. Die Bulgarin Mihaela Kamenova verleiht mit einer Stahl-Skulptur dem Symposium eine internationale Note.

Kerstin Ebert kümmert sich von Seiten der Stadtverwaltung um den Skulpturenpfad und das Symposium. Ihre Vorarbeiten zogen sich über Jahre hin - weil es am Geld fehlte. Der Förderbescheid aus dem Leader-Programm der Europäischen Union habe drei Jahre lang auf sich warten lassen, erklärte Jochen Kirchner. Die Gabe aus Brüssel wird, so der Kämmerer, rund 50 Prozent der Gesamtkosten decken.

Für die Restsumme setzt der Bürgermeister wieder auf das ausgeprägte Mäzenatentum der Stadt. Für die Stadtkasse solle das Symposium kostenneutral sein. Selbst vom Skulpturenfieber befallene Stadtverordnete hätten inzwischen signalisiert, dass sie für das Ereignis im September ihr Portemonnaie öffnen würden.

von Matthias Mayer

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