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Die Angst vor dem Lärm überwiegt

B 454 Die Angst vor dem Lärm überwiegt

Am Donnerstag versuchten Behörden und Anlieger, Einwände gegen die Planungen für den dritten Ausbauabschnitt der Bundesstraße 454 aus dem Weg zu räumen. Angst gibt es vor allem vor Lärmbelastung.

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Christian Rosin verlegt Pflastersteine an der noch laufenden Baustelle der Bundesstraße 454 in Stadtallendorf. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Die Gespräche liefen, wie bei Erörterungsterminen üblich, hinter verschlossenen Türen. Es ging um 29 Einwände von Anliegern und Stellungnahmen von Behörden zum dritten Ausbauabschnitt der Bundesstraße 454. Er ist exakt 998 Meter lang und reicht vom jetzigen Ausbauende bis über die Kreuzung zwischen Bundesstraße, Bahnhofstraße und Hauptstraße hinweg. Wieder gilt das Prinzip vom jetzigen zweiten Ausbauabschnitt: Die Bundesstraße wird fünfeinhalb Meter tiefergelegt, der örtliche Verkehr wird auf einer oberen Ebene über die Kreuzung geführt werden. Initiator des Termins war das Regierungspräsidium Gießen, das den Planfeststellungs-Beschluss vorbereitet. Er schafft das nötige Baurecht.

Im Nachklang zum Erörterungstermin äußerten sich RP und Hessen Mobil gegenüber der OP sehr zufrieden mit dem Verlauf. Es werde wohl keine grundlegende Änderung an den Planungen mehr geben müssen, bevor sie dem Verkehrsministerium vorgelegt werden, erklärte RP-Sprecherin Gabriele Fischer auf Anfrage. Das bestätigte auch Hessen-Mobil-Sprecherin Bettina Amedick. In etwa zwei Monaten wird das Regierungspräsidum die Unterlagen samt einer Empfehlung an das hessische Verkehrsministerium weitergeben. Dort fällt dann die Entscheidung über den Planfeststellungsbeschluss.

Erwartungsgemäß stand das Thema Lärmschutz bei diesem dritten Bauabschnitt im Zentrum der Erörterungen. Aus RP-Sicht soll es gelungen sein, Ängste bei Anliegern abzubauen, so Fischers Fazit.

Insgesamt hatte die Stadtallendorfer Stadtverwaltung in enger Abstimmung mit dem Stadtparlament zehn Punkte aufgeführt, bei dem sie Änderungen einforderte. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) sieht bei sechs der zehn Punkte Zugeständnisse, etwa bei der Frage der Übergänge. Es soll beispielsweise laut Somogyi nun ingesamt vier Übergänge von einer Seite der B 454 auf die andere geben. Ursprünglich waren lediglich zwei vorgesehen. Auch die Stadt Stadtallendorf hatte aber vor allem einen besseren Lärmschutz in ihrer Stellungnahme eingefordert. Doch gerade bei diesem Punkt gibt es wohl nur wenig Annäherung. „Das Thema Schall ist noch nicht vom Tisch“, sagt Somogyi. Ein Wunsch der Stadt ist etwa die Verwendung von „Flüsterasphalt“, der deutlich geräuschmindernd wirkt, jedoch als ausgesprochen teuer gilt. „Wir sollten jetzt handeln, um nicht später für teures Geld nachrüsten zu müssen“, verdeutlicht Somogyi. Er fürchtet in der Zukunft ansonsten durchaus Diskussionen, wie sie aktuell bei der Marburger Stadtautobahn geführt werden. Bürgermeister Somogyi hat dabei die A-49-Problematik im Blick. Für zwei der drei Abschnitte der Autobahn gibt es Baurecht, gegen den Abschnitt zwischen Stadtallendorf und Gemünden (Felda) gibt es Klagen, Ausgang offen. „Wenn die A 49 mal für längere Zeit oder auf Dauer bei Stadtallendorf endet, dann bedeutet das Chaos“, sagt er und fordert, das Thema Lärmschutz schon jetzt ausreichend zu berücksichtigen.

Doch Straßenplaner dürfen nur den Lärmschutz vorsehen, den ihre Vorschriften auch zulassen. Zumindest in einem Punkt gibt es da für Anlieger, die nicht von einer Lärmschutzwand profitieren, Möglichkeiten. „Wo bei einzelnen Häusern Grenzwerte überschritten werden und sei es auch nur in einzelnen Etagen, ist der Einbau von Lärmschutzfenstern möglich“, sagt Willi Kunze, Regionalbeauftragter von Hessen Mobil.

Bürgermeister Somogyi hofft, dass sich bei verabredeten Gesprächen mit Hessen Mobil noch weitere Änderungen erreichen lassen.

Wann der dritte Bauabschnitt Realität wird, ist nicht abzusehen. Ungeachtet des noch fehlenden Baurechts gibt es keine Aussage, wann der Bund das Geld bereitstellen könnte. Zwischen erstem und zweitem Bauabschnitt lag eine Zeitspanne von elf Jahren. Am 14. August soll der zweite Abschnitt nach über zwei Jahren Bauzeit freigegeben werden.

von Michael Rinde

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