Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Dialog ist für mich unabdingbar“

Imam zu Pegida „Dialog ist für mich unabdingbar“

Seit 17 Monaten ist Mahmut Sanal Religionsbeauftragter in der muslimischen Gemeinde der Stadtallendorfer Fatih-Moschee.

Voriger Artikel
SPD will Ortsbeirat wieder abschaffen
Nächster Artikel
Abrissbagger stehen in den Startlöchern

Imam Mahmut Sanal sitzt in der Fatih-Moschee hinter einem Pult, von dem er während der Gebete auch Predigten hält.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Ein Stadtallendorfer Muslim schreibt beim sozialen Netzwerk Facebook, dass er keine Lust mehr hat, jeden Tag und überall seinen Glauben verteidigen zu müssen. Imam Mahmut Sanal kann das verstehen. Im Gespräch mit der OP verweist der 47-Jährige darauf, dass es doch „so viel Tolles gibt, was Religionen wie den Islam, das Christen- oder das Judentum verbindet“. Gerade im Moment werde aber allzu oft nur das Trennende thematisiert.

Angesichts der Anschläge von Paris, verübt von islamistisch motivierten Terroristen hatte die Gemeinde ihrerseits klar Position bezogen, nicht zuletzt in einer öffentlichen Erklärung (die OP berichtete am 10. Januar). Daraufhin gab es auch einige Rückmeldungen bei der Gemeinde, die Sanal sehr gefreut haben. Die weitere Diskussion begleitet der Imam, auch Religionsbeauftragter oder Hodscha genannt, sehr aufmerksam. Wie nimmt er die Gesamtdiskussion über die Pegida-Bewegung, den Islam in Deutschland oder die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed wahr? Zu Pegida hat der Stadtallendorfer Imam eine klare Haltung: „Der weitaus größte Teil der Menschen in Deutschland ist eben nicht so wie Pegida.“ In Deutschland lebten viele Muslime, der größte Teil sei bereit zu Dialogen, bitte sogar darum.

Sanal erklärt, warum Mohammed-Karikaturen polarisieren

Der Koran verbietet es, Bilder von den Propheten des Islams, also auch Mohammed, zu schaffen. Warum? Der theologische Grund liegt laut Sanal in dem Umstand, dass Muslime eben nicht in Versuchung geraten sollen, Bilder anstelle dieser „ehrwürdigen Menschen“ zu verehren. Angebetet werde im Islam ohnehin nur der eine Gott Allah. Auch wenn der Stadtallendorfer Imam aus theologischer Sicht Mohammed-Karikaturen ablehnt, „so rechtfertigt trotzdem nichts auf der Welt Terror oder Gewalt deswegen. Daran gibt es überhaupt nichts zu rütteln“. Vor 17 Monaten kam Mahmut Sanal mit seiner Frau in Stadtallendorf an. Das Ehepaar hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Alle leben weiterhin in der Türkei, die Tochter ist verheiratet und geht ihrem Beruf nach. Immer wieder besuchen sie ihre Eltern in Stadtallendorf. Mahmut Sanal erinnert sich besonders gerne an die freundliche Begrüßung, die er in Stadtallendorf erlebte. Damit meint er nicht nur die Aufnahme in seiner Gemeinde. Gerührt habe ihn der Besuch der Pfarrer der christlichen Gemeinden, des Bürgermeisters oder von Vertretern der Politik oder der Polizei.

Ihm sei es wichtig, die Stadt zu kennen

Mahmut Sanal ist neugierig, freut sich auf Kontakte und Dialoge, innerhalb seiner Gemeinde, aber genauso auch außerhalb. „Dialog ist für mich selbst unabdingbar“, betont er immer wieder während des Gesprächs in der Moschee. Zahllose Besuche hat Sanal in den vergangenen fast anderthalb Jahren in Stadtallendorf und im Kreis seitdem gemacht. Er war in der Georg-Büchner-Schule, bei Veranstaltungen, in zahlreichen Unternehmen, großen wie auch kleineren. Ihm sei es eben wichtig, diese Stadt zu kennen. 26 Jahre lang arbeitete Sanal in Corum, wo er auch geboren ist. Jetzt freut er sich nach wie vor über Neues, andere Menschen, andere Eindrücke. Seine Kernaufgaben sind gleich geblieben. Er ist Vorbeter, kümmert sich um die Koranausbildung der jungen Gemeindemitglieder. Die Jugend verdient sein besonderes Augenmerk. Er möchte früh einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche „nicht auf den falschen Pfad gelangen“. Dazu bindet er sie beispielsweise bei Krankenbesuchen ein oder verbringt mit ihnen zusammen Zeit in örtlichen Altenpflegeheimen, wo natürlich auch ältere Stadtallendorfer Muslime wohnen. Bewusst hat er Vertreter des Arbeitsamtes in die Moschee eingeladen, damit sie Jugendliche über Berufsmöglichkeiten informieren. All das sind für Sanal Bausteine seiner Arbeit.

Der Imam spricht das Thema Spielsucht an

Er lobt den Kontakt zur Stadt. Regelmäßig gibt es Treffen mit Bürgermeister Christian Somogyi oder Heinz Frank, dem Leiter der Stadtallendorfer Polizeistation. Dort spricht Sanal auch immer wieder ein Thema an, das ihn besonders bewegt: die Zahl der Spielhallen in Stadtallendorf, in denen er ein großes Problem sieht. Er weiß um die rechtlichen Möglichkeiten. Doch er will ständig für das Thema Spielsucht sensibilisieren. „Ich kenne Familien, die an den Folgen von Spielsucht zu grunde zugehen drohten“, sagt er.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr