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Der unehrliche Finder bleibt unentdeckt

Gericht Der unehrliche Finder bleibt unentdeckt

Mit einem Freispruch endete gestern die Verhandlung gegen einen 41 Jahre alten Stadtallendorfer, der sich wegen Unterschlagung vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten musste. Der heutige Lagerist war angeklagt worden, als Betreiber eines Taxiunternehmens einem Kunden eine im Fahrzeug verlorene Geldbörse nicht zurückgegeben zu haben.

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Stadtallendorf. Am 13. Februar 2014 war dem Kunden das Portemonnaie abhanden gekommen - er wusste allerdings, wie die Polizei erfuhr, nicht, wo er es verloren hatte. Jedenfalls tauchte die Geldbörse am 19. März 2014 dann bei einer Durchsuchung des Taxiunternehmens auf. Diese Durchsuchung war initiiert worden, weil der Verdacht des Versicherungsbetruges bestand. Es ging um „Autobumserei“, wie Richter Edgar Krug sich auszudrücken beliebte - um dann hinzuzufügen, dass damit „gestellte Unfälle“ gemeint seien. Dieses Verfahren sei nach Paragraf 170 der Strafprozessordnung eingestellt worden, hob die Verteidigerin hervor.

Nichtsdestotrotz hatte ein Bereitschaftspolizist bei der Durchsuchung das Portemonnaie entdeckt - allerdings war in den Akten nicht festgehalten worden, wer der Finder war. Entsprechend hatte das Gericht zwei Kriminalbeamte geladen. Einer von ihnen war „Sachbearbeiter des Gesamtkomplexes“, aber nicht bei der Durchsuchung dabei und konnte somit keine Angaben zum genauen Hergang der Entdeckung machen - beziehungsweise, wie er es in perfektem Beamtendeutsch formulierte, hatte er „keine eigene Wahrnehmung bezüglich der Auffindesituation“.

Ähnlich sah das bei seiner Kollegin aus - die wenigstens bei der Durchsuchung der Garage dabei war und von der Überraschung des Angeklagten berichtete, als sie ihn zur gefundenen Brieftasche befragte.

Vor Gericht erklärte der Mann, dass die Garage immer offen gestanden habe, frei zugänglich gewesen sei und die Fahrer - um die 15 Stück - ein- und ausgegangen seien. Hätte er die Geldbörse unterschlagen, „wäre er nicht so dumm gewesen, sie in seiner Garage zu verstecken“, hob seine Verteidigerin hervor, als sie auf Freispruch plädierte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah dies ähnlich. Auch er resümierte, dass sich der Vorwurf nicht bestätigen ließ. Viele andere Personen hätten die Möglichkeit gehabt, die Geldbörse auf dem Garagentor zu deponieren. Und so durfte sich der Angeklagte, unter dessen Vorbelastungen sich unter anderem Verurteilungen wegen gemeinschaftlichem Betruges und dem Vorenthalten von Gehältern finden, diesmal über einen Freispruch freuen.

von Florian Lerchbacher

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