Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Der höchste Pasch gewinnt

Würfellabende in Kirchhain Der höchste Pasch gewinnt

Derzeit grassiert in Kirchhains Gaststätten wieder das Würfelfieber: Ob Gutscheine, Torten, rote Wurst, Schinken oder gar ein halbes Schwein - prickelnde Spannung und Spaß ­vereint Klein und Groß an den Würfeltischen.

Voriger Artikel
Hoffnung auf eine "Zukunftslösung"
Nächster Artikel
RP genehmigt zwei Windräder bei Roßdorf

Ein guter Pasch oder noch mal würfeln? Gebannt blicken die Mitspieler im Café Noll auf die Würfel. Kirchhains wohl ältester Croupier Hermann Albrecht (rechts) behält gemeinsam mit Croupier Uwe Brock (links) das Spiel im Auge. Fotos: Karin Waldhüter

Kirchhain. Einmal im Jahr, immer in dem kurzen Zeitraum vom 27. bis 30. Dezember, wird Hermann Albrecht zum Croupier. Mit seiner handgefertigten Seidenkrawatte, verziert mit seinem Namen und einem fallenden Würfelbecher, ist er als Chef am Würfeltisch für alle Mitspieler leicht erkennbar. Seit 30 Jahren sitzt der 76-jährige ehemalige Elektriker alljährlich „zwischen den Jahren“ an den Würfeltischen im Café Noll und ist damit wohl Kirchhains ältester Croupier. Er kassiert die Einsätze ein, beobachtet mit schnellen Augen die fallenden Würfel und gibt die Gewinngutscheine aus.

Am Mittwochabend herrscht im Café Noll Hochbetrieb und viele Besucher stehen zuschauend hinter den sieben Spielteilnehmern an den Würfeltischen und warten, bis ein Platz frei wird. An diesem Abend teilt sich Hermann Albrecht mit Rüdiger Busch, Günter Forster und Uwe Brock die vertrauensvolle Arbeit an den Würfeltischen. „Vor allem die Kinder sind mit großem Eifer dabei“, weiß Albrecht.

Schon die Landsknechtewürfelten in der Stadt

Das Würfeln zwischen den Jahren geht in Kirchhain auf eine lange Tradition zurück und fand ursprünglich in den Bäckereien statt. Seit vielen Jahren beteiligen sich auch die Kirchhainer Gaststätten an dem Brauch. „Früher wurde nur in Kirchhain gewürfelt, inzwischen machen es auch die umliegenden Gemeinden“, erzählt Albrecht und bedauert, dass die eigentliche Tradition des Würfels um Backwaren doch etwas verlorengegangen sei. Früher hätten sich die Landsknechte ihre Zeit mit Würfeln vertrieben, und von höchster Stelle habe die Stadt Kirchhain die Erlaubnis erhalten, Glücksspiele durchzuführen, erinnert sich Albrecht. Andernorts werde heute sogar um Spielsachen gewürfelt, erzählt Albrecht kopfschüttelnd.

Die Regeln sind einfach: Von drei Würfeln müssen zwei die gleiche Augenzahl zeigen, damit der Wurf gilt. Der Spieler darf so lange würfeln, bis er dies erreicht. Sieger wird der Spieler mit der höchsten Augenzahl. Im Café Noll beträgt der Spieleinsatz zwei Euro und der Gewinner erhält einen Gutschein in Höhe von 14 Euro. Gab es früher die sogenannten Bärches oder Neujahrszöpfe, kann man heute die gewonnenen Gutscheine das ganze Jahr über im Café Noll einlösen, aber den Gewinn auch gleich mit nach Hause nehmen.

Viele Würfelbegeisterte genießen an diesem Abend die besondere Atmosphäre, die in den Gaststätten und auf den Straßen herrscht und ziehen, so wie die Familie von Axel Frische, von einem Würfellokal ins nächste. Erfolgreich hatte Tochter Leonie bereits in der Pizza „Adria“ zwei Pizzagutscheine erwürfelt und auch im rappelvollen „Hessischen Hof“ setzten die Eltern auf das glückliche Händchen der Vierjährigen. „Hauptsache die Kinder freuen sich, mit dem Spieleinsatz könnte man sich die Sachen ja durchaus auch kaufen“, so Axel Frische.

Neben Croupier Bernd Henge steht hier der Gewinn für alle sichtbar auf dem Tisch. In einem Korb liegen Schinken, Jagdwurst und eine rote Wurst. Bei einem Spieleinsatz von einem Euro spielen acht Mitspieler um eine rote Wurst. Finden sich zehn Mitspieler gehts um einen Schinken oder eine Jagdwurst. Um 22 Uhr wird es hier besonders spannend. Bei einem Spieleinsatz von fünf Euro würfeln 20 Mitspieler um den Höchstpreis, ein halbes Schwein.

Am Freitag findet in Kirchhain wieder der traditionelle Neujahrsmarkt statt. Während in den Kirchhainer Gaststätten dann nicht mehr gewürfelt wird, ist im Café Noll dies auch noch an diesem Tag möglich.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr