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Der große erste Schock ist überwunden

Marburger Tapetenfabrik Der große erste Schock ist überwunden

Nach einem Reinigungs- und Arbeits-Marathon während des gesamten Oster-Wochenendes ist es bei der Marburger Tapetenfabrik (MT) am Dienstag gelungen, die Produktion wieder anlaufen zu lassen.

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Das abgebrannte Druckereigebäude ist abgesperrt. Rechts im Hintergrund sind die wichtige Brückenverbindung, das Logistikzentrum und das Hochregallager zu sehen.

Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Rund 20 Millionen Euro Gesamtschaden sind durch den Großbrand in der MT und die Folgen daraus entstanden. Aber ein erstes Etappenziel bei der Bewältigung des Schadens des ist geschafft: Das Hochregallager lässt sich wieder nutzen. Die Brücke, die das zerstörte Druckereigebäude mit dem Lager verband, ist gesichert. Zugleich ist es Mitarbeitern der MT und Fachfirmen innerhalb der vergangenen Tagen gelunge, das Computersystem in der Kommissionierung wieder voll funktionsfähig zu machen. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Gießener, hatte auch dort Feuer gelegt und damit die Sprinkleranlage ausgelöst. Am Oster-Wochenende waren 60 Leute in zwei Schichten nur mit Reinigungs- und Reparaturarbeiten beschäftigt, um am Dienstagmittag die Produktion wieder aufnehmen zu können.

Unglück ist schwer wegzustecken

„Das ist alles schwer wegzustecken“, sagt Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der MT, angesichts der Brandstiftung durch einen offenbar psychisch kranken 21 Jahre alten Mann aus Gießen. Er habe mit seiner Tat die Existenz von 350 Arbeitsplätzen gefährdet. Ausdrücklich betont Eitel, dass es keinerlei Verbindungen zwischen dem Unternehmen und dem Gießener gegeben habe. So ein Unglück könne leider jeden treffen, macht Eitel klar. Doch inzwischen sei der erste Schock überwunden. Die Halle, in der die zur MT gehörende Druckerei Schröder wie auch die Musterkartenproduktion untergebracht war, soll in etwa zwei Wochen zu weiten Teilen abgerissen werden. Der mittlere Gebäudeabschnitt, an dem besagte Brücke anliegt, soll zunächst stehenbleiben.

Für vieles muss das Unternehmen zunächst Notlösungen finden. „Die Druckerei bleibt, in welcher Form, darüber müssen wir noch nachdenken“, sagt Eitel. Damit meint er beispielsweise auch, welche Drucktechnik in dem Betrieb in Zukunft eingesetzt werden könnte. Eitel geht von einem Teil-Wiederaufbau des zerstörten Gebäudes auf. Doch ihm ist klar, dass dies Zeit benötigen wird. Die Planung hat, neun Tage nach dem verheerenden Feuer, noch nicht begonnen. Es werde mindestens ein dreiviertel Jahr dauern, bis ein Druckereibetrieb wieder laufen könne, schätzt Eitel. Für die betroffenen rund 25 Mitarbeitern, die in der zerstörten Druckerei arbeiteten, sollen Lösungen gefunden werden. Heute will Eitel dazu eine Betriebsversammlung abhalten. „Der Betrieb bemüht sich, alle Härten zu vermeiden“, kündigte der Geschäftsführer an.

Viel Lob hat der Unternehmer für den Einsatz der Feuerwehren. „Dass sich das Feuer nicht weiter ausbreiten konnte, ist das Verdienst der Feuerwehren“, betont er. Das Zusammenspiel zwischen der Werkfeuerwehr und den örtlichen Wehren hat aus Sicht Eitels gut funktioniert, ebenso wie die Brandsicherungssysteme in den Gebäuden.

6.000 zusätzliche Palettenplätze

An anderer Stelle will das Unternehmen wie geplant investieren. So soll bis September ein Anbau an das Hochregallager entstehen, um rund 6000 zusätzliche Palettenplätze zu schaffen. Ob der mutmaßliche Brandstifter beim Feuerlegen Brandbeschleuniger benutzte, ist noch nicht klar. Die Ergebnisse der Brandermittlungen lägen noch nicht vor, erklärte Staatsanwältin Wied dazu. In der ersten Meldung zur Festnahme des 21-Jährigen in Amöneburg wurde der Mann als „polizeibekannt“ bezeichnet. Gegen ihn habe es Ermittlungen gegeben, sagt Wied. Doch worum es dabei in Gießen oder andernorts ging, konnte Wied noch nicht sagen, die Akten dazu seien angefordert.

Die Kirchhainer Feuerwehren sind auch neun Tage nach dem Ereignis noch damit beschäftigt, ihre Ausrüstung vollkommen wieder herzustellen. „Zunächst ist das bei der Kernstadt-Wehr geschehen. Jetzt sind Zug um Zug die Stadtteilwehren an der Reihe“, sagt Gordon Schneider, Pressesprecher der Kirchhainer Feuerwehren. Es geht um das Reinigen von Schläuchen oder Atemschutzgeräten. Wegen der verletzten Feuerwehrleute hat auch die Stadt Kirchhain Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

von Michael Rinde

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