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Der ehrliche Werner blieb von der Razzia verschont

Comics der 1950er und 1960er Jahre Der ehrliche Werner blieb von der Razzia verschont

Als Kind stand Werner Bendl aus Geldmangel vor der Frage: „Comics oder Eis?“ Heute heißt es Comics und Eis - und doch fehlt wieder etwas: Der Rentner hätte gerne mehr Zeit.

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LIEBE LEUTE,

Werner Bendl zeigt eine klitzekleine Auswahl seiner Sammlung. Mit dem grünen Micky-Maus-Heft fing alles an.Foto: Lerchbacher

Stadtallendorf. Es ist der Albtraum eines Sammlers: Einzelne Stücke kommen weg, werden verunstaltet oder zerstört. Doch nicht so für Werner Bendl: Er nimmt die Rückschläge mit Humor, schließlich kamen sie zu einer Zeit, in der er kein Sammler war.

Der Stadtallendorfer sammelt Comics aus seiner Kindheit. Seine Helden sind die der 1950er und 1960er Jahre: Nick, der Weltraumfahrer, Sigurd, der Ritter, Akim, der Dschungelheld, insbesondere jedoch Fix und Foxi und die Familie Duck. Spricht er über sie, dann gerät er ins Schwärmen: von Carl Barks, „dem besten Disney-Zeichner aller Zeiten“, von Onkel Dagobert, der über die Jahre immer milder wurde, aber auch von Übersetzerin Dr. Erika Fuchs, „dem Glücksfall der Comicgeschichte“.

Sein erstes Micky-Maus-Heft hatte er im Dezember 1955 bekommen. Sogleich war Bendl fasziniert - weniger von Micky Maus als mehr von der Familie Duck. Eine Leidenschaft war geweckt und der kleine Junge sparte sich die Hefte vom Mund ab. Im extrem heißen Sommer von 1959 habe er zum Beispiel mehrfach vor der Frage gestanden, in was er sein Taschengeld investiert: Comics oder Eis? Und die Antwort war jedes Mal die gleiche. Er besaß sämtliche Micky-Maus-Hefte, die zwischen 1958 und 1963 herauskamen.

Die Faszination kehrt nach 20 Jahren zurück

Besaß? Jawohl, die Vergangenheitsform ist an dieser Stelle richtig: Schuld daran ist aber nicht der Lehrer, der in der fünften Klasse sämtliche Schulranzen auf der Suche nach verpönten Comicheften durchsuchte - bis auf den Bendls: „Ich dachte, jetzt bin ich dran. Doch der Lehrer stoppte und sagte plötzlich, er müsse bei mir nicht nachschauen - ich sei schließlich so gut in der Schule.“

Nein, schuld an der Vergangenheitsform sind die Kinder von Werner Bendls Verwandten: Als Jugendlicher hörte der Stadtallendorfer plötzlich auf, Comics zu sammeln und stieg auf Jerry Cotton um. Im Lauf der Jahre verschleppte der Nachwuchs der Geschwister zahlreiche der ehemals „heiligen“ Heftchen und zerstörte auch einige beim Lesen. „Das war schon okay“, betont der heute 65-Jährige. Dann jedoch sei das Jahr 1982 gekommen. Beim Bummeln stieß er auf einen Comic-Preiskatalog, fing an zu blättern... und wieder war es um ihn geschehen. Die Leidenschaft kehrte zurück, Bendl sichtete seine Restbestände und machte sich daran, die Sammlung wieder aufzufüllen. Und letztendlich zu komplettieren. Von 1954 bis 1963 hat er alle Hefte - manche allerdings nur als Nachdruck.

Fix und Foxi hat er auch komplett, das gleiche gilt für Tom und Jerry - allerdings jeweils nur bis 1963. Hinzu kommen zahlreiche weitere Comichefte. Insgesamt sind es weit mehr als 20000 Stück. Wahrscheinlich. Denn die Sammlung ist so groß, dass Werner Bendl den Überblick verloren hat. Und zum Lesen kommt der Stadtallendorfer auch nicht mehr: „Ich bin zwar Rentner, aber die 24 Stunden eines Tages reichen irgendwie nicht. Ich blättere sie zwar immer wieder gerne durch, hätte aber am liebsten mehr Zeit, um in meinen Heften auch richtig zu schmökern.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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