Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Der "Ur-Locher" steht im Wandregal

OP-Serie: "Ich sammle..." Der "Ur-Locher" steht im Wandregal

Jeder hat ihn schon in der Hand gehabt, so lange es Papier zum Abheften gibt, ist er unentbehrlich, der gute und inzwischen beinahe 125 Jahre alte Locher.

Voriger Artikel
Neustadt feiert Fest aller Kulturen
Nächster Artikel
Altstädter halten ihrem Fest die Treue

Thomas Mönnig zeigt ein größeres Exemplar seiner Locher-Sammlung, von dem ein Teil in Regalen hinter ihm stehen. Foto:Michael Rinde

Stadtallendorf. Er ist die vielleicht einzige Maschine, bei der das Produkt gleich nach seiner Herstellung wieder entsorgt wird, der Locher. Bei einem Flohmarkt-Besuch fing alles an: Plötzlich erwachte in Thomas Mönnig eine Faszination für die kleine Maschine, den Locher. Wie viele Jahre das jetzt genau her ist, weiß Mönnig inzwischen nicht mehr zu sagen. Doch gleich nach dem ersten Kontakt mit dem Flohmarkt-Locher fragte der Stadtallendorfer seinen Vater, ob er dessen alten Locher vielleicht auch bekommen könne.

Inzwischen sind es mehr als 100 Exemplare unterschiedlicher Bauart und Größe, die Thomas Mönnig besitzt. Ein Teil seiner kleinen Schätze steht in zwei Regalen an der Wand seines Büros bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Neustadt.

Um sich selbst und seine Freude am Sammeln will der 58-Jährige wenig Aufsehen machen. Ihm geht es viel mehr um die Bedeutung dieser kleinenmechanischen Maschine und vor allem ihren weltweiten Siegeszug. Thomas Mönnig hat sich intensiv mit der Geschichte des Lochers befasst. Geburtstag des Lochers war der 14. November 1886. Da meldete der Sauerländer Unternehmer den „Papierlocher für Sammelmappen“ zum Patent an. Und damit begann der Siegeszug, das Ende ungezählter und zur Verzweiflung treibender Loseblatt-Sammlungen. Richtig wertvoll wurde der Locher mit dem Aufkommen des Leitz-Ordners aber erst zehn Jahre später.

Acht Millimeter Durchmesser

Schließlich wurde auch der Standard für die Lochungen festgeschrieben. Acht Millimeter Durchmesser darf das regelkonforme Locher-Loch haben, beide Löcher müssen genau acht Zentimeter auseinanderliegen.

Den ersten Soennecken-Locher hat Thomas Mönnig gleich in zweifacher Ausführung im Wandregal stehen. Er ist naturgemäß noch sehr einfach, das ausgestanzte Papier bleibt beim „Urlocher“ auf dem Tisch liegen. Doch das änderte sich schnell. Kleine Auffangbehälter aus Metall sammelten die Papierschnipsel bis zur Entleerung oder zum Überquillen.

Mancher der Locher, die Thomas Mönnig gesammelt hat, passt in eine größere Hosentasche, andere sind so schwer, dass sie beim Hochheben eher mit beiden Händen angefasst werden sollten, zum Beispiel das Exemplar, das noch auf einer dicken Holzplatte angeschraubt ist. Allen alten Lochern ist eines gemeinsam: Ihre Griffe sind abgewetzt, was auf jahrzehntelangen Gebrauch schließen lässt.

Eines der kleineren Exemplare stammt beispielsweise von einer Adelsfamilie, ein anderes hat früher bei der Bundeswehr Bürodienst geleistet, bevor es ausgemustert wurde.

Spitzer mit Rasierklinge

Thomas Mönnig hat einen intensiven Bezug zu Altbewährtem. Er sammelt deshalb auch nur Locher, die ohne Plastik auskommen und nur aus Metall gefertigt sind. Warum sammelt er überhaupt? „Weil ich meinen Enkeln irgendwann in der Zukunft mal solche alten Dinge zeigen möchte“, antwortet er. Dabei geht es ihm auch um Alltägliches, das vor vielen Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit war, inzwischen aber in Vergessenheit geraten ist. Ein Beispiel: Auf Mönnigs Schreibtisch im Büro findet sich ein besonderer Bleistiftspitzer der Marke Faber. Früher kamen Rasierklingen in einen Schlitz am Rande, fertig war der scharfe Spitzer.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OP-Serie: Ich sammle
Die Oakland Raiders gehören seit Jahren zu den schwächsten US-Footballteams. Anthony Mackenzie, der in Houston (Texas) geboren ist, hat den Außenseiter-Klub gerade deswegen in sein Herz geschlossen. Fotos: Björn Wisker

Ein Leben für die Leidenschaft: Der 35-jährige Anthony Mackenzie aus Marburg besitzt Tausende Kartenexemplare von US-Sportlern, alle Motive sind originalverpackt. "Nur so behalten sie ihren Wert", sagt er.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr