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Der Stellvertreter übernimmt die Spitze

Schule Der Stellvertreter übernimmt die Spitze

Volker Schmidt ist vom stellvertretenden zum kommissarischen Leiter der Martin-von-Tours-Schule aufgestiegen und somit Nachfolger von Hartmut Boß, der sich vor den Ferien in den Ruhestand verabschiedete.

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Volker Schmidt ist die neue Nummer eins der Martin-von-Tours-Schule in Neustadt.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. Die Martin-von-Tours-Schule ist eine Baustelle. Die Sanierung des Gebäudes ist in vollem Gange - fernab der baulichen Veränderungen steht die Umstrukturierung kurz vor dem Abschluss. Der letzte kooperative Jahrgang ging Ende des vergangenen Jahres ab, sodass die Neustädter Bildungseinrichtung von Klasse 5 bis 10 komplett integrierte Gesamtschule ist. Und auch die Nachfolge von Leiter Hartmut Boß hat sich während der Sommerferien geklärt: Volker Schmidt steigt vom stellvertretenden zum kommissarischen Schulleiter auf - im kommenden Jahr dürfte ihn das Hessische Schulamt dann, so ist es üblich, endgültig befördern.

Nach den zahlreichen, vornehmlich konzeptionellen Veränderungen will Schmidt nun erst einmal „Ruhe reinbringen“, das Modell „Integrierte Gesamtschule“ festigen und im Ostkreis und der Schwalm noch bekannter machen: „Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir eine moderne Schule sind, die sich auf die Bedürfnisse der Schüler einstellt“, betont er und lobt seine Mitstreiter: „Wir sind alles Überzeugungstäter.“

In diesem Zusammenhang gelte es auch, Eltern Ängste zu nehmen: Es gebe Bedenken, dass angehenden Abiturienten, die bis zur zehnten Klasse die Martin-von-Tours-Schule besuchen und dann an eine Schule mit Oberstufe wechseln, diesen Sprung nicht schaffen: „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Schüler in der neuen Einrichtung genauso gut klarkommen wie Schüler aus dem eigenen Haus.“

Das gemeinsame Lernen von Gymnasial- mit Haupt- oder Realschülern bis zur zehnten Klasse sei auch weniger ein Hindernis als vielmehr ein Vorteil: Die Schüler lernten ob ihrer Unterschiedlichkeit voneinander. Zudem versuchten die Lehrer, die vielseitigen Talente ihrer Schützlinge zu fördern und individuell auf sie einzugehen.

Der Umbau der Klassenräume ist dabei ein maßgeblicher Faktor. Insbesondere auf die offene Lernlandschaft, die im Obergeschoss entsteht, bis zum zweiten Halbjahr fertig sein soll, das individuelle Lernen fördert und die „Vortragsräume“ ersetzt, freut sich Schmidt. Der Umbau unterstütze das pädagogische Konzept maßgeblich: „Auch da sind wir als Schule in der Entwicklung ganz vorne mit dabei.“

Ein weiteres Ziel, das einhergeht mit dem Konzept, der Motivation von Lehrern und Schülern, der Überwindung von Ängsten und mithin der Werbung für die Schule ist die Standortsicherung: Seine Hoffnung sei es, dass in Neustadt bald wieder so viele Jungen und Mädchen zur Schule gehen, dass es in allen Jahrgängen drei Klassen gibt - und nicht zwei, wie momentan größtenteils.

Zudem hat Schmidt das leibliche Wohl der Schüler im Blick: Am Standort Waldschule bietet eine Elterninitiative gemeinsam mit der Firma Integral eine Mittagsversorgung an. An der Tours-Schule gibt es bisher nur eine Art Kiosk: „Es wäre schön, das auszuweiten, um Kinder, die das Mittagsangebot nutzen, auch ordentlich zu verpflegen.“

In Zusammenarbeit mit dem Förderverein steht des Weiteren die Umgestaltung des Pausenhofes an - ein Projekt, das die Neustädter allerdings erst angehen wollen, wenn der Umbau des Schulgebäudes abgeschlossen ist.

Fest steht, dass Schmidt mit Leidenschaft an die neue Aufgabe herangeht. Schon als Schüler der Neustädter Gesamtschule habe er den Berufswunsch gehabt, Lehrer zu werden, erinnert er sich. Sein Abitur machte er im Jahr 1979 am Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf, ehe ein Verkehrsunfall die endgültige Entscheidung über sein Berufsleben brachte: Nach einem Verkehrsunfall gehörte die Sportlerkarriere der Geschichte an, also studierte er Biologie und Arbeitslehre auf Lehramt an der Uni in Kassel.

Nach seiner Referendariatszeit in Ziegenhain hieß es abzuwarten, da damals in Hessen ein Einstellungsstopp für Lehrer galt. Als absolvierte er ein Zusatzstudium für die Grundstufe.

Von 1988 bis 1990 war er Grundschullehrer in Breidenbach, ehe er dort an die Mittelpunktschule wechselte. 1996 kehrte der inzwischen dreifache Vater beruflich zurück nach Neustadt -privat hatte er seine Heimat nie verlassen. Bis 2000 fungierte er als Lehrer, dann stieg er zum Leiter der Haupt- und Realschule auf. 2008 wurde er stellvertretender Schulleiter - was bedeutete, dass ein Traum in Erfüllung gegangen war: „Ich wollte immer in der Leitung arbeiten und Schule gestalten. Mein Wunsch war, etwas zu bewegen. Jetzt ist zu spüren, dass als Leiter der Einfluss noch größer ist.“

Am Ziel angekommen ist Schmidt aber noch lange nicht: „Ich möchte mich immer noch verändern. Sich weiterzuentwickeln und auf Veränderungen einzulassen ist schließlich auch etwas, das wir von unseren Schülern erwarten.“ Und die will er nicht nur fördern und fordern, sondern ihnen auch Ansprechpartner sein: „Ich möchte für Vertrauen und Verlässlichkeit stehen.“

Im Blickpunkt

Familienmensch und Sport-Freak

Neustadt war, ist und bleibt die Heimat von Volker Schmidt (55). Selbst während seiner Zeit als Student in Kassel oder als Lehrer in Breidenbach lebte er in der Junker-Hansen-Stadt, um seine Eltern beim Bewirtschaften einer Mühle samt Hof zu unterstützen.Nach der Geburt seiner drei Kinder stand fest, Neustadt nicht mehr zu verlassen: Die Familie ist neben der Schule der Mittelpunkt seines Lebens. Noch heute unterstützt Schmidt seinen Vater: Bei der Arbeit auf der Mühle bekommt er den Kopf frei – und zwar genauso gut wie beim Laufen. Der leidenschaftliche Sportler gehört zu den Initiatoren des Neustädter Stadtlaufes und hat auch schon den ein oder anderen Marathon absolviert. Außerdem hatte Schmidt maßgeblichen Anteil an der Gründung der Volleyball-Abteilung des VfL Neustadt, deren Leiter er von der ersten Stunde an ist.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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