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Der Sieger spielte "einen Tag lang Detektiv"

Rauschenale Der Sieger spielte "einen Tag lang Detektiv"

Verlassen, heruntergekommen, ästhetisch, magisch: Beim Fotowettbewerb "Lost Places" der Rauschenale galt es Orte aufzuspüren, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

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Die Sieger des Fotowettbewerbs zeigten gemeinsam mit den Juroren ihre Arbeiten. Foto: Karin Waldhüter

Rauschenberg. Mit seiner Kamera hatte Sieger Günther Jahn aus Biedenkopf „einen Tag lang Detektiv gespielt“ und sich in Rauschenberg und den Stadtteilen nach Motiven umgeschaut, die trotz Zerfall eine gewisse Schönheit ausstrahlen. Rund 120 Fotos seien dabei entstanden, erzählt Jahn.

Die Auswahl der fünf Fotos, die der 69-Jährige schließlich für den Wettbewerb einreichte, überließ er dann seinem Sohn, „einem exzellenten Fotografen“. Restlos begeistert zeigte er sich von der Resonanz der Ausstellungsbesucher. „Das findet man selten und ich bin froh, hier dabei gewesen zu sein“, so der Gewinner. Das Siegerfoto schoss Jahn in Albshausen in der Straße „Am Sonnenrain“. Er war nicht der Einzige, der auf das „faszinierende Fachwerkhaus“ gestoßen war. Noch drei weitere Fotokünstler erlagen dem Charme des alten Fachwerkhauses und reichten davon Bilder ein.

Auf den zweiten Platz schaffte es das gelungene Foto von Michael Blauschies. Er war auf dem Ernteweg in Richtung Kirchhain fündig geworden und dort auf die alte Wohratal-Bahnbrücke gestoßen. Das Bild mit dem wohl emotionalsten Hintergrund hatte Armin Köhler aus Rauschenberg eingereicht. Die Aufnahme seines Gewölbekellers zeigt das Vorratsregal seiner vor Jahren tödlich verunglückten Frau. Seitdem hat sich dort nichts mehr verändert.

Mit diesem Bild belegte er den dritten Platz. In der Kratz‘schen Scheune wurden die Gewinner am späten Sonntagnachmittag ausgezeichnet. Die Preise hatte die Stadt Rauschenberg ausgelobt. Der Sieger erhielt 150 Euro, die Zweit- und Drittplatzierten jeweils einen Gutschein in Höhe von 50, beziehungsweise 25 Euro für den Lindenhof in Rauschenberg.

Neben den Gewinnern hatten noch Michaela Fuchs, Reinhold Gamb und Herrmann Haas an dem Wettbewerb teilgenommen. Die sechs Fotokünstler waren dabei ganz unterschiedlich an das Thema herangegangen. Michaela Fuchs aus Rauschenberg setzte zum Beispiel auf eine besondere Spiegeltechnik und eine Nachbearbeitung ihrer Waldbilder am Computer.

„Oscar Wilde hätte sich in Rauschenberg wohl gefühlt“, erklärt Manfred Günther zu Beginn der Siegerehrung.

Der Erste Stadtrat fand Worte des berühmten Schriftstellers Oscar Wilde um „zwei tolle Tage Rauschenale“ zu beschreiben. „Ziel der Kunst ist, einfach eine Stimmung zu erzeugen“, so Günther. Das sei gelungen.

„Uns ist das Herz aufgegangen, wie viele Leute durch Rauschenberg gegangen sind und sich Kunst angesehen haben“, sagte Günther. Stellvertretend für alle Helfer überreichte er Blumen an die Initiatorinnen Martha Henkel und Dr. Anne Hoerder vom Verein „Kunst in Rauschenberg“. Die OP hatte bereits am Montag auf „Kultur“ über die Premiere der „Rauschenale“ berichtet. „Wir haben gehofft, dass die „Rauschenale“ ein Erfolg wird, aber nun sind wir völlig überwältigt“, sagte Martha Henkel ergriffen und kündigte eine Wiederholung der Veranstaltung für September nächsten Jahres an. „Obwohl überall viel los war haben wir am Samstag gedacht, es hätten einige mehr Leute kommen können. Heute ist der Besuch Superklasse und wir haben viel Lob von den Besuchern erhalten“, freute sich Henkel. Laut Angaben der Organisatoren kamen am Samstag etwa 500 Besucher.

Wesentlich mehr waren es am Sonntag. Rund 1500 Besucher nutzten das herrliche Herbstwetter, flanierten durch die Stadt und besuchten die zehn verschiedenen Ausstellungsorte. „Ich fand es einfach schön, mal ganz langsam durch Rauschenberg zu gehen. Die Idee ist toll. Allein, dass so viele Auswärtige nach Rauschenberg gekommen sind ist schön“, erzählt eine begeisterte Besucherin aus Kirchhain.

Am Nachmittag hatten Martha Henkel, Dr. Anne Hoerder, Dr. Ulrich Hoerder, Axel Hofmann, Jörg Näther und Dr. Ulli Stein die eingereichten Fotos nach ihrer Komposition, dem Bildeindruck, der Präsentation, der Rahmung und dem vorgegebenen Thema bewertet. Am Ende trennten die ersten fünf Plätze nur wenige Prozentpunkte.

„Wir hatten viele gute Helfer auch vonseiten der Stadt, sonst wäre eine Umsetzung dieses Projektes mit einer Handvoll Leuten nicht möglich gewesen“, resümiert Dr. Anne Hoerder gegenüber der OP. Sie nannte für die Organisatoren Martha Henkel, Dr. Uli Hoerder, Axel Hofmann, Pressewart Manfred Günther, Horst Barthel und Jörg Näther.

von Karin Waldhüter

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