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Der Kampf ums Hallenbad geht weiter

Neue Baustellen Der Kampf ums Hallenbad geht weiter

Die Privatisierung des Kirchhainer Hallenbades Phönix ist eine Erfolgsgeschichte, deren Bestand aber täglich aufs Neue erkämpft werden muss.

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Schönwetterwolken spiegeln sich in der Fensterfront des Kirchhainer Hallenbades. Die soll in diesem Jahr energetisch saniert werden. Außerdem stehen Decke und Beleuchtung des Foyers vor der Erneuerung.

Quelle: Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Auf diesen Nenner lassen sich die Berichte von Karin Pielsticker und Peter Bittner bringen, die die beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer der vom bürgerschaftlichen Engagement getragenen Betreibergesselschaft vor dem Kirchhainer Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr hielten. Über die gravierenden baulichen, strukturellen und technischen Mängel des Hallenbades, das in dieser Form von der in diesem Fall stümperhaft arbeitenden Bauaufsicht niemals hätte abgenommen werden dürfen, hat diese Zeitung mehrfach berichtet. Peter Bittner, der für Gebäude und Technik zuständige Geschäftsführer, beschränkte sich in seinem Bericht auf die ab 2011 erfolgten Bemühungen, das Bad technisch und energetisch auf den Stand der Dinge zu bringen. Die großen Fenster der Schwimmhalle seien ausgetauscht worden. Dabei habe sich gezeigt, dass sich eine der zum Teil blinden Scheiben bereits aus dem Rahmen gelöst habe. Die neuen wärmedämmenden Scheiben seien jetzt von den Alu-Rahmen entkoppelt und damit energetisch auf dem aktuellen Stand.

Sorgen um Beckenrinnen und die Energiekosten

Zudem seien aus hygienischen Gründen sämtliche Duschen erneuert worden. Das Problem: Die alte zentrale Wasseraufbereitung des Bades habe das Wasser nur auf Temperaturen zwischen 36 und 39 Grad erwärmt; für einen wirksamen Schutz vor Legionellen brauche es aber eine Wassertemperatur von 55 Grad. Die werde durch die neue Anlage mit 60 Grad gewährleistet, wobei alle Duschen mit einem Verbrühschutz ausgestattet seien. Zudem seien, so Peter Bittner weiter, zwei neue Umwälzpumpen für das große Schwimmbecken sowie die Lüftung, Decken und Beleuchtung für die Umkleidekabinen erneuert worden. Für dieses Jahr plane die Betreibergesellschaft die Außendämmung für die Fensterseiten der der Schwimmhalle sowie die Erneuerung der Decke und der Beleuchtung im Foyer. Damit sind aber die Probleme des Gebäudes und des Badbetriebs noch lange nicht gelöst, wie der Geschäftsführer verdeutlichte. Er stellte zwei Problemfelder in den Vordergrund:

  • Trotz aller energetischen Sanierungen laufen die Energiepreise den Betreibern davon. Einen Lösungsansatz sieht er im Bau eines Blockheizkraftwerkes, aber auch dieses Vorhaben müsse sehr gut durchdacht sein. Denn mit einem Investitionsvolumen von rund 160000 Euro allein ist es nicht getan. Allein die Wartungskosten schlagen laut Bittner jährlich mit 10000 Euro zu buche, erklärte er, der sich ein solches Kraftwerk im Wetzlarer Hallenbad angeschaut hat.
  • Die Schwallwasser-Rinnen in beiden Becken sind defekt und müssen erneuert werden. Daraus ergeben sich zwei Probleme:1. Wegen der undichten Abflüsse wurde der Estrich unter den Rinnen fast vollständig weggespült. Das gechlorte Wasser droht nun den Beton und damit die Substanz des Bades anzugreifen. 2. Die Erneuerung der Rinnen im Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken würde rund 180000 Euro kosten. Karin Pielstickergibt ihr Amt auf Die für Personal und Finanzen zuständige Geschäftsführerin Karin Pielsticker bestätigte die Einschätzung ihres Kollegen mit einer zahl: 159000 Euro.

Karin Pielsticker legt Amt nieder

So viel Geld hat die Betreibergesellschaft 2013 für Energie ausgegeben. Das ist der mit Abstand größte Batzen auf der Ausgabenseite. 107000 Euro gaben die Betreiber für Personal aus: Eine Fachkraft für Bäderbetrieb, zwei Rettungsschwimmer in Teilzeit für die Badaufsicht, zwei Rettungsschwimmer als Springer und fünf Reinigungskräfte stehen auf der Gehaltsliste. Eine zweite Fachkraft werde dringen gesucht, erklärte Karin Pielsticker.107000 Euro habe das Bad durch Eintrittsgelder eingenommen. Auch wegen der verschiedenen Kursangebote und die Nutzung des Bades durch Vereine und Schulen aus dem ganzen Ostkreis habe das Bad inzwischen seine Kapazitätsgrenze erreicht. „Wir können keine Gruppen mehr unterbringen, ohne den öffentliche Badebetrieb zu beschränken, sagte die Geschäftsführerin. 2013 habe das Bad 80500 Besucher gehabt - mehr als Doppelte als zu den besten Zeiten vor der Privatisierung, wie Bürgermeister Jochen Kirchner vermutete. Die in der Stadt kursierenden Gerüchte, dass das Bad ein steuerliches Problem habe, entbehrten laut Testat eines Steuerberaters jeder Grundlage, erklärte Karin Pielsticker auf eine entsprechende Frage des Stadtverordneten Olaf Hausmann. Gleichwohl werde sie ihr Amt aus persönlichen Gründen zum 15. April abgeben, sagte die ehrenamtliche Geschäftsführerin. Karin Pielsticker hat mit enormen Zeitaufwand ihr Amts selbstlos, gewissenhaft und geräuschlos ausgeführt. Allein seit 2009 stand sie für eine Investitionssumme in Höhe von 600000 Euro gerade. Gleichwohl hat sie um ihre Verdienste zum Wohle der Allgemeinheit nie ein Aufheben gemacht. Unter dem Beifall der Stadtverordneten dankte Ihr der Ausschussvorsitzende Professor Erhard Mörschel für großes Engagement.

von Matthias Mayer

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