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Der Glühwein kommt aus der Hexenküche

Markt Der Glühwein kommt aus der Hexenküche

Während auf den Straßen Neustadts die Händler ihre Waren feilbieten, gibt es einen Ort, an dem das soziale Miteinander und der Austausch im Vordergrund stehen: Die "Hexenküche" der Feuerwehr.

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Die „Hexenküche des Nikolauses“ ist während des Weihnachtsmarktes das heimliche Zentrum des Geselligkeit.Fotos: Lerchbacher

Neustadt. Süßkram, Textilien, Staubsaugerbeutel, 3D-Bilder - die übliche Mischung aus praktischen Dingen und mehr oder weniger sinnvollem Schnickschnack fand sich im Angebot der rund 80 Händler, die ihren Stand am Sonntag auf dem Neustädter Weihnachtsmarkt aufgebaut hatten. Und die fast schon traditionell den fehlenden Kaufwillen der Marktbummler beklagten: „Es ist wie jedes Jahr: Hier wird viel geschaut und wenig gekauft“, nahm es Dominik Merz von „Maiers Genuss“ gelassen und freute sich auf die nächsten Märkte: „Eingekauft wird dann in Treysa, Stadtallendorf oder Kirchhain. Der Anlauf ist halt etwas langsamer.“

Traditionell beteiligen sich auch einige Neustädter Vereine mit Ständen. Die Feuerwehr bietet zum Beispiel alljährlich Glühwein an und ist mit ihrem Stand ein Zuschauermagnet - dessen Anziehungskraft aber noch viel größer wird, wenn man weiß, was hinter den Kulissen passiert. Nur wenige Meter weiter findet sich „die Hexenküche des Nikolauses“, die so etwas wie der Stützpunkt der Mitglieder ist. Ein Topf voller Glühwein, der auf dem Markt verkauft wird, brodelt auf einem alten Herd - der Raum ist ohnehin vollgestellt mit Erinnerungsstücken, bei denen Nostalgikern und wohl auch manchem Antiquitätenhändler das Herz aufgehen würde. Ein altes Telefon mit Wählscheibe scheint zum Beispiel nur an alte Zeiten erinnern zu wollen, ist aber wie die meisten anderen Dinge voll funktionsfähig.

Das Ausgeben der Getränke erledigt in Stadtbrandinspektor Erhard Wölk der Feuerwehrchef quasi persönlich. Und die Besucher, zumeist Feuerwehrleute oder Freunde des Vereins, genießen bei Spielen und Unterhaltungen die Gesellschaft. Es ist urig, rustikal und irgendwie gemütlich.

Und wer hineinkommen darf, der sollte nicht unbedingt jedes Wort für bare Münze nehmen: Einer ortsfremden Politikerin erklärten die Kameraden zum Beispiel einst, die Hexenküche sei ihr Schulungsraum, und baten sie scherzhaft, sich doch für angemessenere Räumlichkeiten einzusetzen. Für das gemütliche Miteinander könnte es indes kaum einen besseren Platz geben. Das wissen die Neustädter natürlich - entsprechend schwierig wird es abends nach dem offiziellen Marktende, wenn immer mehr Gäste in die Hexenküche strömen wollen. Bis zu 40 Personen sollen darin schon Platz gefunden haben. Bewegen konnte sich allerdings niemand mehr und wer rausging, verspielte seinen Platz an einen der Wartenden. Der Beliebtheit des Treffpunktes tut dies aber natürlich keinen Abbruch - sie verstärkt sie eher noch.

von Florian Lerchbacher

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