Schwabendorf. Die Anspannung war den etwa 35 Milchviehhaltern und ihren offiziellen Vertretern anzumerken. „Der Frust bei den Landwirten ist groß, nicht nur bei den Milchviehhaltern. Der Strukturwandel betrifft alle“, erklärte Erwin Koch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf. Über die Arbeit des Milchausschusses zog Vorsitzender Heinz-Wilhelm Trümner eine ernüchternde Bilanz. So hatte der hessische Ausschuss nur einmal in diesem Jahr getagt und keine nennenswerten Ergebnisse erzielt. Auf Landesebene fehle es an Unterstützung, an demokratischen Strukturen und daraus resultierender Beschlusskraft, bemängelte Trümner. Ganz anders stelle sich die Situation im Landkreis und beim Kreisbauernverband dar, wo gewählte Vertreter für die Interessen der Mitglieder einstünden.
Koch wies auf die Liberalisierung der Milchwirtschaft als Hauptgrund für den massiven Rückgang der Milcherzeuger im Landkreis hin. Seit Einführung der Milchquote sei die Anzahl der Betriebe um 94 Prozent zurückgegangen. Die Hauptverantwortung sieht er bei der EU, die dieser Entwicklung nichts entgegensetzte.
Um die Milchbauern über die aktuelle Situation innerhalb der EU und die anstehenden Beschlüsse in Brüssel zu informieren, hatte der Kreisbauernverband Martin Häusling (Die Grünen) geladen. Der Biobauer sitzt seit 2009 im Europäischen Parlament und ist Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie im Haushaltskontrollausschuss. Besonders die Befürchtungen der Landwirte, von den Entwicklungen in den neuen EU-Ländern überrollt zu werden, versuchte Häusling zu zerstreuen. Die Milchwirtschaft in Europa sei geprägt von Familienbetrieben, die großen Modellbetriebe blieben die Ausnahme. „In den Ländern der EU-Osterweiterung arbeiten bis zu 30 Prozent der Einwohner in der Landwirtschaft. Wenn der Strukturwandel plötzlich diese Menschen arbeitslos machen würde, gäbe es keine nennenswerte Industrie, die sie aufnehmen könnte. Die Länder haben kein Interesse an einem schnellen Wandel“, erklärte Häusling.
Im Europäischen Parlament wird laut Häusling die fortschreitende Liberalisierung des Milchmarkts kritisch gesehen. Zwar käme eine weitere Quotierung der Milchmenge nicht in Frage, doch würden verschiedenen Beschränkungsmöglichkeiten geprüft. Eine „High Level Group“ sei auf der Suche nach Wegen, den Milchmarkt und das Einkommen der Erzeuger zu stabilisieren. Eine große Herausforderung sieht Häusling darin, einen qualifizierten Außenschutz der heimischen Landwirtschaft, etwa durch Zölle, zu schaffen.
von Nicole Hentschke
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Kommentare
Volksverdummung Nummer 1 Marajke – 02.09.10
Dann will ich mich auch maleinklicken. Unvergessen sind die vielen Jahre, in denen uns die Landwirte mit Rinderwahnsinn, Hühnerseuche usw. überzogen haben. Und heute noch verkaufen Bäcker (35039) Eier die angeblich von Landwirten stammen. Aber der/die Landwirt(e) hat gar keine Hühner sondern kauft sie quasi als Zwischenhändler von einer Hühnerfarm und gibt sie dann als Freilandeier über den Bäcker an den Verbraucher ab. Seht Ihr. Und da kann man ja wohl kauf auf Mitleid für die Landwirte hoffen. Und unvergessen sind auch die Zeiten, in denen Landwirte mit Gülle, Mist o.ä. die Uferzonen unserer Flüsse und Bäche versaut haben. Und so lange diese Bauern von den Verbänden geschützt statt angezeigt werden, so lange tun mir deutsche Bauern auch nicht leid. Angerichtet haben es die Bauern, nicht die Verbraucher. Das möchte ich nochmal betonen. Und zu guter Letzt noch was zu diesen unsäglichen Biogasanlagen. Das ist Volksverdummung nummer 1 - direkt nach der Atomkraft.
Landwirte Durchblicker – 02.09.10
Wie kann man nur solche dummen Kommentare schreiben??? Ich bin zwar weder Landwirt noch Bauer noch wie man diese Menschen sonst noch nennt, aber eines ist mir klar: ohne diese Menschen hätte ich jeden Tag mächtig Hunger. Ich stelle mir ganz andere Fragen. Warum steigen denn die Landwirte auf die Produktion von Mais um? Weil es die einzige Möglichkeit ist, ihren Betrieb zu retten. Mir gefällt es auch nicht, wenn die Landwirte mit Riesenschleppern durch den Ort rasen, hier sollten Sie wirklich mal im wahrsten Sinne des Wortes "einen Gang zurück schalten". Aber sie deshalb zu verurteilen und sogar darauf zu hoffen, dass sie ihre Betriebe bald schließen müssen, ist eine Riesensauerei. Lieber Naturfreund: Wenn Sie erst mal durch jede Menge Dickicht und Wildwuchs laufen müssen und die letzten Landwirte ausgestorben sind werden Sie merken, was Sie da für einen Schwachsinn von sich geben. Lassen sie sich ihr Brot schmecken, auch wenn die Zutaten dafür dann aus Polen kommen und vielleicht das eine oder andere Chemiespritzerchen abbekommen haben. Sie haben es nicht besser verdient... Den verbleibenden Landwirten kann ich nur sagen, Kopf hoch und nicht von den "Möchtegernnaturschützern" vertreiben lassen. Die Vernünftigen brauchen Euch!!!Landwirte Naturfan – 02.09.10
Da kann ich dem Kommentator nur beipflichten.Und was mich außerdem noch stört sind die in die schönsten Landschaftsbilder gepfropften Aussiedlerhöfe der Milchbauern.
Hoffentlich werden diese Ungetüme wieder restlos beseitigt, wenn die Milchbauern pleite sind!!!
Bitte niemals mehr solche Anlagen genehmigen und auch keine Güllebehälter!
Landwirte gibts nicht mehr Ich (61) – 01.09.10
Mein Frust über die Landwirte ist auch groß. Kühe im Stall halten, keine Getreide mehr lieber Mais in die Biogasanlage und dergleichen mehr. Dann nehme ich Landwirte war, die rücksichtslos mit ihren haushohen Schleppern über die Feldwege donnern wo Familien ihren Kindern die Natur beibringen wollen. Da sagen dann die Eltern zu ihren Kindern: und die Menschen die sich hier so brutal benhmen nennt man Landwirte. Früher haben die mal das Essen für uns angebaut.