Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
Der Bürgermeister hat die Nörgler satt

Kirmes Der Bürgermeister hat die Nörgler satt

Abschied nehmen hieß es gestern in Neustadt: Abschied nehmen von der 510. Auflage der Trinitatis-Kirmes, Abschied nehmen von einem Urgestein und Abschied nehmen von alten Zöpfen.

Voriger Artikel
Gleer feiern in Lederhose und Dirndl
Nächster Artikel
Unfall zwischen Schulbus und Auto

Gute Laune war beim Frühschoppen am letzten Kirmes-Tag Trumpf.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. Der Kirmes-Montag ist traditionell der Tag der Neustädter - was diese gestern einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellten. In bieriger Stimmung feierten sie den letzten Tag ihres Volksfestes und alle, die sich vorne auf die Bühne trauten - angefangen bei den Moderatoren Andreas Gnau und Michael Launer, die einmal mehr unter Beweis stellten, dass sie als stadtbekannte Stimmungskanonen als Anheizer mehr als geeignet sind.

Drei Spiele boten sie an: Im Kartenblasen, beim Bierkisten zwischen zwei Bäuchen stapeln und beim Torwandschießen trafen der FC-Bayern-Fanclub, die „Rauten Sumpfis“ und der VfL Neustadt aufeinander. Standesgemäß gewann das Team, dessen Verein in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Bei all den Feierlichkeiten gab es aber auch einen Wermutstropfen: Am Freitag gegen 3.30 Uhr brach im Festzelt eine Schlägerei los, deren Ende die Polizei mit ihrem Eintreffen einläutete. Was genau sich abspielte, ist laut Polizeisprecher Martin Ahlich noch unklar: Als seine Kollegen eintrafen, hätten sie einen Verletzten gefunden - ansonsten habe jedoch von Tätern, Opfern und Zeugen jede Spur gefehlt: „Der Sachverhalt ließ sich entsprechend nicht klären - aber wir ermitteln.“

Den bayrischen Abend erklärte die Polizei dann jedenfalls für beendet. Nichtsdestotrotz sei es eine gute Veranstaltung gewesen, sagte Bürgermeister Thomas Groll und holte zum Rundumschlag aus: „Im Vorfeld haben einige Bürger genörgelt und sich gegen den bayrischen Abend ausgesprochen. Aber: das Zelt war voll und die Stimmung gut - so viel zur Kritik. Schade auch, dass es Idioten gibt, die viel in den Armen, aber wenig im Kopf haben. Das ist nicht gut für ein schönes Volksfest wie das unsrige.“

Wo er schon einmal dabei war, nahm Groll auch noch weitere Kritiker ins Visier: Im Internet hätten Bürger gemeckert, dass in der Nacht auf Sonntag ab 0.30 Uhr keine Kapelle mehr gespielt habe. „Das stimmt nicht. Bis 2.30 Uhr gab es Live-Musik. Es gibt ein paar Menschen, die versuchen, ein wirklich gelungenes Fest niederzumachen - dafür habe ich kein Verständnis.“

Ansonsten zeigte er sich zufrieden. Den Bierkonsum schätzte er auf rund 80 Hektoliter: „Das zeigt den guten Zuspruch.“ Er hätte es sich zwar gewünscht, dass nach dem Feuerwerk noch mehr Neustädter auf der Kirmes geblieben wären. Bewährt habe es sich - aller Unkenrufe zum Trotz - alte Zöpfe abzuschneiden und Veranstaltungen wie den Neubürgertrunk aus den Kirmestagen herauszunehmen: „Dafür gab es im Festzelt schlicht kein Publikum mehr“, kommentierte Groll. Als Sorgenkind bezeichnete er weiterhin den Samstagnachmittag: Das Kinderprogramm sei nicht gut genug besucht gewesen, sodass Kosten und Nutzen nicht im Verhältnis stehen würden. „Wir müssen uns fragen, was die Menschen wollen. Gibt es ein ausreichendes Publikum, das ein Kinderprogramm wünscht - oder lassen wir das Festzelt künftig am Samstagnachmittag einfach zu?“

Dies ist eine der Fragen, mit denen er und René Spatzier, der die Fäden während der vier Festtage in der Hand hielt, sich auseinandersetzen müssen. Beim Festplatz sorgen sich die beiden um Ausspielungsgeschäfte wie das Dosenwerfen: „Da wird es immer schwieriger, Betreiber zu finden“, sagt Groll.

Ein Jahr läuft der Vertrag mit Festplatz-Betreiber Konrad Ruppert noch. Anders sieht es beim Festwirt aus, dessen Vertrag ausläuft - entsprechend steht eine Ausschreibung aus. Garantiert nicht mehr dabei ist im kommenden Jahr Mario Ruggieri, der seit 40 Jahren einen Pizzawagen auf der Trinitatis-Kirmes betrieb. Der 72-Jährige macht aus Altersgründen Schluss, hat aber Ersatz gefunden: Zwar einen Deutschen, er werde ihm aber bis zur nächsten Kirmes noch einige Tricks beibringen, sodass sich die Neustädter keine Sorgen um Pizza machen müssten, scherzt Ruggieri. Als schönste Erinnerung an die Trinitatis-Kirmes bezeichnet er den Tanz mit einer 100-Jährigen, den er vor zwölf Jahren aufs Parkett gelegt hatte.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr