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Der Berg in der Hand der Lateiner

Lateinwoche Der Berg in der Hand der Lateiner

Latein gilt als tote Sprache. Dass die lateinische Sprache aber auch heute noch für die tägliche Kommunikation tauglich sein kann, das belegt die Europäische Lateinwoche seit mehr als 25 Jahren.

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„Bene appetatis!“, wünscht Thomas Gölzhäuser den Teilnehmern der Europäischen Lateinwoche. Der Hanauer Gideon Bauer (kleines Foto rechts) war zum zweiten Mal in Amöneburg dabei und ließ sich gemeinsam mit den anderen Teilnehmern das römische Essen schmecken

Quelle: Karin Waldhüter

Amöneburg. Amöneburg. Zum 27. Mal war das Johanneshaus in Amöneburg der Treffpunkt für 62 Teilnehmer der Europäischen Lateinwoche. „Glücklicherweise wieder mit einem hohen Ausländeranteil“, freute sich Thomas Gölzhäuser.

Er ist der Vorsitzende des Vereins „Europäische Lateinwoche“, der es sich zum Hauptziel gemacht hat, Freunde der lateinischen Sprache zusammenzubringen, um Lateinisch zu sprechen und zu erfahren, welche interessante und inspirierende Erfahrung dies sein kann.

Angereist waren die Teilnehmer aus ganz Deutschland, Amerika, Russland, Dänemark, Frankreich, Schweiz, Belgien, Niederlande und Österreich. „Etwa zwei Drittel der Teilnehmer sind Stammgäste und zum wiederholten Male mit dabei“, berichtete Gölzhäuser.

Berg ist fest in Hand der Teilnehmer

Das gilt auch für Laura Löser aus Bonn und Corinna Günter aus Stuttgart, die bereits zum zweiten beziehungsweise zum vierten Mal mit dabei sind. „Es gefällt uns gut in Amöneburg“ erzählen sie. „Es ist schön, Lateinisch zu sprechen, nette Leute zu treffen und interessante Gespräche zu führen“, berichten die Frauen, die im Garten des Johanneshauses das herrliche Sommerwetter genießen und dabei an einem lateinischen Text arbeiten. „Ich würde die Atmosphäre, in der ganz entspannt und ungezwungen Lateinisch gesprochen wird, gerne mit in den Unterricht nehmen“, erklärte Lateinlehrerin Corinna Günter.

Auch in diesem Jahr setze sich der Trend der vergangenen Jahre fort, erläuterte Gölzhäuser mit Blick auf die gleichbleibende Teilnehmerzahl. „Der Berg ist fest in unserer Hand“, betonte Gölzhäuser lachend und spricht dabei die Unterbringungsmöglichkeiten an. Der Pädagoge unterrichtet an der St.-Lioba-Schule in Bad Nauheim die Unterrichtsfächer Latein und Katholische Religion. Auch im Johanneshaus waren alle Betten belegt, und im Schatten der Stiftskirche hatten einige Teilnehmer ein Zelt aufgeschlagen.

Neben der gleichbleibend hohen Teilnehmerzahl freute sich Gölzhäuser besonders über die hohe Zahl von Schülern, die an der Veranstaltung teilnahmen. Mit dabei waren auch Studenten, Lateinlehrer, Hobby-Lateiner und Professoren.

Theater, Dichtung und Musik

Während jeder Lateinwoche findet sich eine „Histriones“ genannte Theatergruppe, eine „Officina poetica“ - eine Dichterwerkstatt - und ein „Chorus cantanticum symphoniaci“ - ein Chor und ein Orchester - zusammen. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr auch ein gemeinsamer griechischer Tanz einstudiert. Ebenfalls zum ersten Mal war das Kloster Lorsch Ziel eines eintägigen Ausflugs.

Von Anfang an war das römische Kochen einer der Schwerpunkte der Europäischen Lateinwoche. Die Kombination aus gutem Essen und lateinischer Unterhaltung - ganz nach dem Vorbild der alten schlemmenden Römer - verschafft ein besonderes Verständnis für das römische Leben.

Auf die Gäste im Speisesaal wartete ein „opulentissimum prandium Romanum“ - „ein reichhaltiges römisches Mahl“. Serviert wurden „Moretum“ (Pecorinokäse mit Knoblauch), Huhn auf parthische Art mit Selleriepüree, Mostbrötchen und Birnensoufflee. Gekocht wurde vom Küchenteam des Johanneshauses, das durch einige Teilnehmer verstärkt wurde. Die Rezepturen stammten aus der lateinisch-deutschen Ausgabe des römischen Kochbuchs von „Apicius“.

Mit den Vorführungen der verschiedenen Gruppen, einem Grillabend und einem lateinischen Vortrag ging die Europäische Lateinwoche am Samstag zu Ende.

von Karin Waldhüter

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