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Der "Appell an die Vernunft" verhallt

Discounter-Streit Der "Appell an die Vernunft" verhallt

Mit großen Hoffnungen mischten sich einige Amöneburger Lokalpolitiker unter die Zuschauer der Homberger Stadtverordnetenversammlung. Doch statt einer Annäherung gab‘s einen Nasenstüber.

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Der Zoff zwischen Amöneburg und Homberg um den Ausbau des Aldi-Marktes Mardorf setzt sich fort.

Quelle: Matthias Mayer

Amöneburg. Auf politischer Ebene ist für die Amöneburger im Kampf um den Ausbau des Mardorfer Aldi-Markts allem Anschein nach nichts zu holen. Auf zwischenmenschlicher Ebene verbuchten sie in Homberg immerhin einen Teilerfolg. Eine Entscheidung, ob der Markt wie geplant vergrößert werden darf oder nicht, muss aber letztendlich das Verwaltungsgericht in Gießen treffen.

Voller Hoffnung hatten Amöneburgs Stadtverordnete (vornehmlich von der CDU) gemeinsam einen „Appell an die Vernunft“ in Richtung Homberg beschieden (die OP berichtete). Ihr Ziel war, dass die Stadt im Sinne eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses einen Widerspruch gegen die Erweiterung des Discounters in Mardorf zurückzieht.

Doch daraus wurde nichts: Seine Homberger Parteikollegen hätten zwar einen Dringlichkeitsantrag entworfen, um das juristische Vorgehen der Stadt gegen die Erweiterung des Marktes zu beenden, berichtet CDU-Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert - die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei jedoch verpasst worden.

Vorwurf: "Dören hat die Öffentlichkeit belogen"

Das Thema verpasste also die Tagesordnung. Bürgermeister Bela Dören habe jedoch eine Erklärung abgegeben - und sie darin „öffentlich abgewatscht“, ergänzt Amöneburgs Rathauschef Michael Richter-Plettenberg und betont: „Zudem hat Dören die Öffentlichkeit belogen.“ Deswegen werde er eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landrat des Vogelsbergkreises einreichen.

Dören habe gesagt, die Stadt Amöneburg hätte sich im September 2014 gegen die Schaffung von mehr als 1200 Quadratmetern Einkaufsfläche ausgesprochen, sagt Richter-Plettenberg und fügt hinzu: Sie habe lediglich „kein positives Votum“ abgegeben: „Das ist qualitativ etwas anderes.“

Wichert weiß gar nicht genau, wie er Dörens Verhalten kommentieren soll: „Unverständnis ist eigentlich eine viel zu milde Umschreibung“, ärgert er sich. Geradezu zynisch habe Hombergs Stadtoberhaupt gewirkt, als er sagte, dass er nicht gegen den Fortbestand des Aldi-Marktes sei, nur gegen dessen Erweiterung. „Dass langfristig mit einer Verhinderung der Erweiterung der Bestand des Aldi-Marktes gefährdet scheint, hatte zuvor schon der Homberger CDU-Fraktionsvorsitzende Norbert Reinhardt ausgeführt“, moniert Wichert.

Bürgermeister langt verbal zu

Sowohl Wichert als auch Richter-Plettenberg glauben, dass Dören mit seinem Verhalten vom eigenen Scheitern ablenken will. Die Stadt hatte sich einer Verlagerung des Aldi-Marktes aus ihrer Stadtmitte auf die „grüne Wiese“ verweigert. Aldi schloss daraufhin seine Homberger Filiale - wofür Dören laut Amöneburgern dem Konzern den Kampf ansagte. Noch dazu gibt es am 11. Oktober in Homberg einen Bürgerentscheid: Dann können die Menschen dort entscheiden, ob mehrere Gebäude verkauft werden und ein weiterer Markt entsteht. Die Amöneburger und, so Wichert, auch das Regierungspräsidium sind der Überzeugung, dass die Grundversorgung in der Nachbarstadt mehr als gesichert ist. „Der Widerstand der Homberger gegen das Vorhaben ihres Bürgermeisters hat sich doch schon deutlich in den Unterschriften des Bürgerbegehrens, dem nun der Bürgerentscheid folgt, gezeigt“, findet Wichert.

Richter-Plettenberg langt derweil verbal zu: „Es ist erschütternd, dass Kollege Dören jegliches politisches Feingefühl vermissen lässt und sich hinter seinen Juristen verschanzt, die offensichtlich seinen Auftrag haben, jegliches Rechtsmittel einzusetzen - koste es, was es wolle - um letztlich der Amöneburger Seite zu schaden.“

Dören war am Montag für eine Stellungnahme für diese Zeitung nicht zu erreichen. Reinhard Ruthsatz, Pressesprecher des Verwaltungsgerichtes Gießen teilte gestern auf Anfrage mit, dass er nicht sagen könne, wann die Kammer ihre Entscheidungen in Sachen Erweiterung des Aldi-Marktes treffe.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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