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Der Anfang ist gemacht

Tierschutz Der Anfang ist gemacht

Rund 30 verwilderte Katzen streunen aktuell durch Neustadt - Tendenz steigend. Tierschützer fordern, dieser Entwicklung müsse Einhalt geboten werden. Die einfache Lösung: Kastration.

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Tierärztin Stefanie Bissbort und Pfleger Pascal Hofmann kastrieren eine wildlebende Katze in Neustadt.Foto: Yanik Schick

Neustadt. Den ganzen Tag über stand die Tierärztin Stefanie Bissbort im hinteren Teil ihres Transporters und operierte beharrlich Katze um Katze am Unterleib. Der Kastenwagen, den der Landestierschutzverband erst in diesem Jahr zum „Kastrationsmobil“ umgebaut hatte, parkte am Neustädter Rabenauplatz. Nur ein paar Meter weiter im Bürgerpark hatte der Tierschutzverein Marburg und Umgebung schon am Abend zuvor Fallen mit Thunfisch- oder Hefe-Ködern aufgestellt, um möglichst viele verwilderte Katzen aus der Stadt einfangen zu können. Etwa 15 von ihnen waren den Helfern schließlich bis zum Morgen ins Netz gegangen. Bei allen entfernte Stefanie Bissbort Hoden oder Eierstöcke - je nach Geschlecht.

Doch wozu der ganze Aufwand? „Wir haben ein gewaltiges Katzenproblem im Landkreis“, sagte Siegrid Schmeer, die Vorsitzende des Marburger Tierschutzvereins, der das Kastrationsmobil nach Neustadt beordert hatte. Gerade in der Kernstadt sei die Population an verwilderten Katzen bedenklich hoch. Über die Ursachen kann auch Schmeer nur spekulieren: „Wir denken, dass viele Leute hier ihre Tiere einfach aussetzen.“ In der Regel dauere es von dort an etwa ein Jahr, bis die Katzen ihr „Stubentiger-Verhalten“ ablegen und vollends wie Wildtiere leben. Das Problem dabei: In den meisten Fällen mangelt es an Futter - die Tiere sind unterernährt und können auch nicht für ihren Nachwuchs sorgen. Krankheiten sind oft die Folge, die auch auf Hauskatzen und sogar deren Besitzer überspringen können.

Bisher nutzt niemand dieder Kastrationsverordnung

Die Kastrationsaktion sollte deshalb erst einmal die weitere Vermehrung der wilden Katzen verhindern, so Schmeer. Sie fordert allerdings auch eine politische Reaktion auf die Überpopulation: Die hessischen Kommunen könnten Besitzer von „Freigänger-Katzen“ mittels einer Verordnung dazu verpflichten, ihre Tiere sowohl kastrieren als auch registrieren zu lassen. Doch im Landkreis hat bislang noch keine Gemeinde von dieser Kastrationsverordnung Gebrauch gemacht. „Für mich ist es unverständlich, warum sich die Städte damit so schwer tun“, sagte Schmeer.

Auf Nachfrage der OP bezog Bürgermeister Thomas Groll Stellung. Er wolle gar nicht abstreiten, dass es gerade im Park ein Problem mit verwilderten Katzen gebe, sagte er und begrüßte das Engagement der Tierschützer. Die Kastrationsverordnung sei in der Praxis allerdings schwierig umzusetzen. Es fehle an fähigen Kontrollinstanzen: „Wie sieht es mit der Überwachung aus? Wenn bei Verstoß gegen die Verordnung Sanktionen drohen, muss auch deren Einhaltung kontrolliert werden.“ Erst wenn diese Frage geklärt sei, könne man über die Einführung der Verordnung sprechen.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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