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Den Wärmepreis bestimmen die Genossen selbst

Fragen und Antworten zur Nahwärme Den Wärmepreis bestimmen die Genossen selbst

Die Bürgersammlung in Stausebach zeigte, dass ein Nahwärmeprojekt viele Fragen aufwirft. Die OP dokumentiert die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Großes Interesse, viele Fragen

Einige Rohre und Armaturen ersetzen die voluminöse Heizung. Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Bioenergiedorf Josbach, zeigte eine Übergabestation. Foto: Matthias Mayer

Stausebach. von Matthias Mayer

??? Wie hoch ist der Genossenschaftsbeitrag? Die Höhe des einmal zu zahlenden Beitrags wird in der Regel noch vor der Gründungsversammlung vom Vorbereitungsteam festgelegt. Die Beitragshöhe liegt in der Regel zwischen 3500 und 5000 Euro. Sobald die Genossenschaft geschäftsfähig ist, zieht sie die Beiträge ein. Mit dem Geld werden die Zuleitungen des Nahwärmenetzes in die Häuser und der Einbau der Übergabestationen finanziert. Diese ersetzen die alte Heizungsanlage. ??? Kann ich auch mitmachen, wenn ich den Beitrag nicht gleich aufbringen kann? Ja. Die Genossenschaft kann Zahlungs-Aufschub oder Ratenzahlung gewähren. Außerdem hat die VR Bank Hessenland, Finanzpartner mehrerer Bioenergiedörfer in der Region, zuletzt äußerst zinsgünstige Kreditprogramme für Genossenschaftsmitglieder aufgelegt. ??? Muss ich meinen kompletten Heizkreislauf erneuern, Feststoffkessel und Kaminofen stilllegen? Nein. Heizkörper und Leitungen können bleiben. Je nach Nahwärme-System kann ein hydraulischer Heizungsausgleich durch eine Fachfirma sinnvoll sein. Dieser sorgt dafür, dass bei allen Heizkörpern die gleiche Wärme ankommt. Kosten: etwa 400 Euro. Feststoffkessel, Kaminöfen und Kachelöfen können natürlich weiter genutzt werden, denn die Genossenschaftsmitglieder zahlen nur für die Nahwärme, die sie auch tatsächlich abnehmen. ??? Kann jedes Haus ans Netz angeschlossen werden? Nein. Der laufende Meter Nahwärmeleitung kostet etwa 380 Euro. Es wäre unwirtschaftlich, abseits gelegene Häuser anzuschließen. Faustregel: Je höher die Bebauungsdichte, umso wirtschaftlicher das Netz, umso günstiger der Wärmepreis. ??? Wer legt den Preis fest? Den Wärmepreis pro Kilowattstunde bestimmen die Genossenschaftsmitglieder selbst während der jährlichen Generalversammlung. ??? Wer führt die Genossenschaft? In der Regel ist das ein dreiköpfiger Vorstand, dessen Arbeit von einem dreiköpfigen Aufsichtsrat kontrolliert wird. Die Mitglieder beider Gremien werden von der Generalversammlung gewählt. Sie arbeiten ehrenamtlich. Dem Vorstandsvorsitzenden kann eine Aufwandentschädigung gezahlt werden. ??? Muss ich sofort nach Fertigstellung des Nahwärmenetzes ans Netz gehen, auch wenn mein Öltank noch halbvoll ist? Nein. Die Genossenschaften wünschen sich zeitnahe Anschlüsse, doch in der Praxis sind die stets etappenweise erfolgt. ??? Kann eine Genossenschaft in die Pleite stürzen? Im Grundsatz ja. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering. Die Genossenschaft in Gründung muss eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen, die gleich dreimal geprüft wird: Von den Banken, die Kredite für die Millioneninvestitionen geben, von der öffentlichen Hand, die erhebliche Fördermittel auszahlt und vom Genossenschaftsverband. ??? Wie finanziert sich die Nahwärme-Genossenschaft? Die laufenden Kosten werden allein durch den Verkauf von Nahwärme an die Mitglieder finanziert. Der mit Abstand größte Betrag fließt in den Schuldendienst. Die Finanzierung ist üblicherweise darauf ausgelegt, dass die Kredite nach 20 Jahren vollständig getilgt sind. ??? Was passiert nach Ablauf der 20 Jahre? Da Nahwärmenetze eine deutlich längere Laufzeit haben, brechen dann für die Genossenschaft höchstwahrscheinlich goldene Zeiten an. Sie kann den Wärmepreis drastisch senken, so dass die Erlöse nur noch die laufenden Kosten decken. Sie kann den Wärmepreis aber auch weniger stark absenken, um beispielsweise in Solarthermie, ein Blockheizkraftwerk oder in ein Projekt für die Dorfgemeinschaft zu investieren.

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