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Den Spatz in der Hand, die Taube im Blick

Windenergie Den Spatz in der Hand, die Taube im Blick

Eigentlich wollte die Stadt Neustadt aufgrund ihrer klammen Kassen bei der Windkraft lediglich als Verpächter von Flächen fungieren - nun schließt der Kämmerer sogar eine Beteiligung nicht aus.

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Michael Rudewig (links) und Günter Mest waren am Freitag im Rathaus der Stadt Neustadt, um die Pachtverträge zu unterzeichnen.Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. Jahrelang prägten rote Zahlen die Kasse der Stadt Neustadt. Am Montag bringt Bürgermeister Thomas Groll den Haushaltsplanentwurf in der Stadtverordnetenversammlung (18.30 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Momberg) ein. Schon jetzt verrät er, dass das Defizit deutlich geringer als in den vergangenen Jahren ausfällt -und für das Jahr 2016 ein ausgeglichener Haushalt machbar scheint. Die finanzielle Situation der Stadt bessert sich also und lässt den Kämmerer sogar über Dinge nachdenken, die bisher für ihn nicht in Frage kamen: Schloss Groll eine Beteiligung an Windrädern in den vergangenen Jahren kategorisch aus, so sagt er nun immerhin: „Wenn sich die positiven Anzeichen verfestigen und es die Zahlen zulassen, sollte man dies natürlich in Erwägung ziehen. Allerdings bleibt es auch weiterhin so, dass wir erst die Pflicht erledigen wollen, dann kann vielleicht die Kür kommen.“

Ob die Taube auf dem Neustädter Rathausdach landet, steht also noch in den Sternen. Aber wenigstens sitzt der Spatz seit Freitag schon einmal in der Hand des Bürgermeisters, denn ebenso wie bei den Anlagen am Dreiherrenstein stellt die Kommune der Energiegenossenschaft Vogelsberg und der Rudewig Windpower am Trillrodt die Flächen für jeweils ein Windrad zur Verfügung - was jährlich 50000 Euro einbringt. Hinzu kommt neben der in fernerer Zukunft zu erwartenden Gewerbesteuer eine Wegeentschädigung in Höhe von 1500 Euro, was im Vergleich zum Dreiherrenstein nur die Hälfte ist. Die Differenz entsteht, weil im Wald an der Straße zwischen Neustadt und Speckswinkel die Distanz zum Umspannwerk weitaus geringer ist als an dem anderen Standort.

Die Infrastruktur ist da

Die vorhandene Infrastruktur ist indes ein Faktor, der den Bau auf dieser Windvorrangfläche für die Energiegenossen und den Mengsberger Windrad-Guru Michael Rudewig zusätzlich attraktiv macht - zum Beispiel müssten keine Rodungen erfolgen. Von der Umsetzung sind die Investoren allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Im Herbst gab es bereits Begutachtungen des Vogel- und Fledermauszuges. Später kommt unter andererem ein Gutachten zum Brutverhalten hinzu. Liegen diese Informationen vor, steht noch ein Artenschutzgutachten aus, erst dann können die Bauanträge gestellt werden.

Rudewig und die Energiegenossen planen, EP4-Räder aufzustellen. Diese seien mit rund 207 Metern (Nabenhöhe: 144 Meter, Rotordurchmesser: 127 Meter) ebenso hoch wie die Anlagen, die an den Dreiherrenstein kommen, erläutert der Mengsberger, hätten jedoch mit 4,2 Megawatt eine um 1,2 Megawatt höhere Leistung: „Das ist eben der Fortschritt der Technik“, erklärt er. Diese auch am Dreiherrenstein aufzubauen, sei aufgrund der vorangeschrittenen Planungen nicht möglich. Noch dazu sollen sich dort im Jahr 2017 die Räder drehen - am Trillrodt indes ein halbes Jahr später.

Vier Räder für Mengsberg

In Sachen Bürgerbeteiligung verweist Günter Mest vom Vorstand der Genossenschaft darauf, dass noch nicht einmal für den Dreiherrenstein die Genehmigungen vorliegen. Erst wenn klar sei, für wie viele Anlagen es grünes Licht gibt, lasse sich ein „seriöses Angebot“ machen. Für Ende 2015 planten die Vogelsberger Informationsveranstaltungen, um die Bürger über Details zu informieren, sagt er.

Zunächst sollen dann Neustädter die Möglichkeit erhalten, sich über Nachrangdarlehen ab 3000 Euro an der Finanzierung der Anlagen zu beteiligen und vom Ertrag zu profitieren. Wie genau die Konditionen aussehen, steht erst dann fest - Bürger und Stadt haben also noch Zeit, sich über eine Beteiligung Gedanken zu machen.

Fest steht laut Groll, dass die Stadt Neustadt sich von der Idee entfernt hat, gemeinsam mit der Stadt Stadtallendorf einen Windpark auf die Beine zu stellen.

Derweil hat Rudewig unter der Woche die Bauanträge für vier Windräder im Wald nördlich seines Heimatdorfes Mengsberg eingereicht. In 22-facher Ausfertigung - was 120 Kilogramm Papier beziehungsweise 44 Aktenordner voller Dokumente gewesen seien. Die Windräder gehören dann zwar „Rudewig Windpower“, allerdings sollen Mengsberger - und zwar ausschließlich Mengsberger - die Möglichkeit bekommen, sich daran zu beteiligen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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