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Dem Ortsvorsteher geht es zu langsam

Sanierung Dem Ortsvorsteher geht es zu langsam

2003 stellten Experten erstmals Sanierungsbedarf bei Teilen der Schweinsberger Ohmdeiche fest. Nur ein kleiner Teil davon ist abgearbeitet. Ein Abschnitt am Moor müsste verbreitert werden.

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Beim Ortstermin stehen die Vertreter von Behörden, Ortsbeiratsmitglieder und Bürgermeister auf dem zu sanierenden Deichabschnitt. Linker Hand weiden Schafe in Deichnähe.Foto: Michael Rinde

Schweinsberg. Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer bringt seine Empfindungen nach einem Ortstermin direkt am Deich am Schweinsberger Moor auf den Punkt: „Ich bin nicht zufrieden“. Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) Gießen, der Stadtverwaltung und Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) hatten zuvor ausführlich über Pläne für die Sanierung eines rund 500 Meter langen Deichabschnitts am Moor berichtet. Im Mittelpunkt standen dabei die Schwierigkeiten, dies es bei dem Projekt aus Sicht der Stadt gibt.

Fleischhauer hatte vor rund 14 Tagen noch einmal Druck bei der Stadtverwaltung gemacht. Denn ihm und dem Ortsbeirat bereitet der Stillstand an den Schweinsberger Deichen Sorgen. Er zeigt auf einen Zeitungsbericht über die Flutkatastrophe im Osten und Süden der Republik. So etwas wolle er in Schweinsberg nicht erleben.

Dass Sanierungsbedarf an Schweinsbergs Deichen besteht, war seit 2002 klar, 2003 entstand ein erstes detailliertes Gutachten, dass sich auf zwei Abschnitte bezieht: einen längeren an der Ohmtalbahn und den am Schweinsberger Moor. Beim längeren Abschnitt wurden im Jahr 2008 bereits Bäume und Bewuchs, die die Standsicherheit des Deiches gefährdeten, entfernt. Beim Moorabschnitt ist deutlich mehr notwendig, um optimalen Schutz für Schweinsberg zu erreichen. So ist der Deich zu steil, gleiches gilt für die Gräben an der Rückseite, auf dem Deich müsste ein neuer Verteidigungsweg angelegt werden. Daher wäre die Deichanlage zu verbreitern, wie es die zuletzt im Jahr 2011 aktualisierte Planung vorsieht. „Bei längerem Hochwasser steigt das Risiko, dass der Deich brechen könnte“, verdeutlicht ein RP-Experte beim Ortstermin die derzeitige Situation. Davor hat der Schweinsberger Fleischhauer in mehrfacher Hinsicht Angst. Der gesamte Ort ist eingedeicht. „Wenn das Wasser einmal im Ort wäre, bekämen wir es nicht mehr hinaus“, ist der Schweinsberger überzeugt. Er ist mit zunehmender Sorge von Bürgern konfrontiert, die die Bilder aus Bayern oder Ostdeutschland nach Deichbrüchen und Überflutungen frisch vor Augen haben.

Damit die Sanierung nun endlich möglich werden kann, bräuchte die Stadt aber zunächst einmal zusätzlichen Grund und Boden, den sie von Landwirten aufkaufen müsste. Die Rede ist von insgesamt 0,4 Hektar. „Mit 90 Prozent sind wir uns einig geworden“, sagt Bürgermeister Somogyi. Mit weiteren 10 Prozent gibt es aber große Schwierigkeiten. Denn Stadt und Eigentümer werden sich über den Kaufpreis nicht einig. Die Forderungen an die Stadt seien überzogen. „Und wir lassen uns nicht an einem Nasenring durch die Manege führen“, wird Somogyi deutlich.

Eigentlich hätte ein einfaches Plangenehmigungsverfahren ausgereicht, doch die Stadtverwaltung ging angesichts der Konflikte jetzt auf Nummer sicher. Im März beantragte sie ein Planfeststellungsverfahren beim RP. Per Planfeststellungsbeschluss ließe sich am Ende sogar eine Enteignung durchsetzen. Doch bis das Verfahren entschieden ist, dauert es wohl mindestens bis zum ersten Quartal nächsten Jahres. Erst dann könnte die Stadt Zuschüsse beantragen. Sie lägen bei maximal 30 Prozent der geschätzten Baukosten von 450000 Euro. Ortsvorsteher Fleischhauer verdeutlicht den Handlungsbedarf. Beim Hochwasser im Winter 2011 habe das Wasser in Schweinsberg bereits 30 Zentimeter unter der Deichkrone gestanden. Fleischhauer drängt im Gespräch mit den Behördenvertretern, an dem die OP teilnahm, auf „Sofortmaßnahmen“. Denn das fragliche Deichstück ist ebenfalls voller Bäume und Gehölze, was aus RP-Sicht eine zusätzliche Gefahr für die Anlage darstellt. Doch Fällungen sind nicht unproblematisch, liegt die Anlage doch mitten im Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor. Und deshalb müsste im Zuge des Planfeststellungsverfahrens auch eine Fällgenehmigung bei der Oberen Naturschutzbehörde eingeholt werden. Auch das wird also bis nächstes Jahr warten müssen.

von Michael Rinde

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