Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Deichexperte sieht keine akute Gefahr

Ohmdeich Deichexperte sieht keine akute Gefahr

Bei Mitgliedern des Schweinsberger Ortsbeirates bleibt in Sachen Ohmdeich Skepsis, obwohl ein Experte am Donnerstagabend keinen Grund für Sofortmaßnahmen sah. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist von Sanierung die Rede.

Voriger Artikel
Jüdisches Leben zeigt sich in neuen Synagogen
Nächster Artikel
Gebührenerhöhung bedrückt Ausschuss

Die Ohm bei Schweinsberg

Quelle: Brock

Schweinsberg. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) kann nach den Ergebnissen einer Sicherheitsprüfung durch ein Fachbüro ruhiger schlafen, Schweinsbergs Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer nicht. Zu diesen unterschiedlichen Ergebnissen kamen beide in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend. Vorher hatte Diplom-Ingenieur Johannes Schäfers die Ergebnisse einer Sicherheitsüberprüfung des sanierungsbedürftigen Deichabschnittes an der Ohm vorgestellt. Zentrale Frage war dabei, ob die Stadt sofort aktiv werden muss. Schäfers sieht dafür keinen Grund. Er sieht keine akute Gefahren. Dabei argumentiert Schäfers damit, dass die Deiche nach seinen Berechnungen maximal 24 Stunden bei einem Jahrhundert-Hochwasser voll belastet wären. Die Gefahr des Durchsickerns, also Aufweichen des Deiches sieht er nicht. Allerdings: Mehrfach betonte der Experte in der Sitzung, dass die Stadt kein Bodengut achten des Deiches in Auftrag gegeben hatte. Seine Aussagen beziehen sich also auf frühere Gutachten, die eigene Inspektion und die Tatsache, dass es feste Sanierungspläne gibt.

Der Experte machte noch einmal deutlich, dass am Deich etwas passieren muss - was der Stadtverwaltung bewusst und lange bekannt ist.

Schäfers Hauptbedenken beim Deichzustand ist der extreme Bewuchs. Auch Laien ist inzwischen bekannt, dass Deiche eigentlich gänzlich frei sein sollten von Bäumen, Sträuchern oder Hecken. „Bewuchs hat am Deich nichts zu suchen“, fasste es Schäfers zusammen. Seiner Auffassung nach ist der Deich in dem fraglichen, 500 Meter langen Abschnitt komplett durchgewurzelt. Eine Bewuchsentfernung sei ein erheblicher Eingriff, der auch genehmigungspflichtig wäre. Neu ist das nicht. Denn seit Jahrzehnten ist der Deich bei Schweinsberg mehr und mehr zugewachsen. Im Ausschuss gab es kritische Fragen an die Verwaltung. Verantwortlich für die Deichsicherheit ist zweifelsfrei die Stadt Stadtallendorf. „Hier ist über Jahre hinweg der Unterhaltungspflicht nicht nachgekommen worden“, sagte Reinhard Estor vom Ortsbeirat Schweinsberg. Spätestens 2003 hätte mit dem Entfernen des Bewuchses begonnen werden müssen.

Gutachter Schäfers hatte noch einmal auf grundlegende Deichmängel verwiesen: So ist die Anlage viel zu schmal, der Deich müsste nach gegenwärtigen Vorgaben drei Meter breit sein. Widerspruch erntete Schäfers bei seiner Aussage, dass ein extremes Hochwasser immer noch rund 60 Zentimeter unterhalb der Deichkrone aufhören werde. Diese Aussage fußt auf Berechnungen. Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer hat in der Praxis andere Eindrücke gewonnen. Beim Hochwasser 2011 habe das Wasser rund 30 Zentimeter unter der Deichkrone gestanden - und das Hochwasser 2011 ist nicht als extrem eingestuft.

Fleischhauer griff auch die Sanierungsplanung auf. Demnach sollen einzelne Bäume im Deichabschnitt bleiben, was er aber für bedenklich hält. Somoygi verwies auf das laufende Genehmigungsverfahren, in dem das Thema zu klären sein wird.

Offen bleibt. wann die Stadt nunmehr endlich mit der Sanierung des Abschnitts beginnen kann. Sie hat im März 2013 ein Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium Gießen beantragt. Im Juni hatte die Behörde erklärt, dass sie frühestens im ersten Quartal nächsten Jahres mit einer Entscheidung rechnet. Erst dann könnte die Stadt Zuschüsse beantragen.

Ein Lichtblick: Im Streit mit einem Landwirt um ein für die Erweiterung nötiges Grundstück zeichnet sich möglicherweise ein Tauschgeschäft ab. Dazu müsste die Stadt zunächst ein anderes Grundstück kaufen, um es mit dem Landwirt gegen die benötigten Flächen tauschen zu können.

Bürgermeister Somogyi gab sich optimistisch, dass dieses Geschäft vielleicht noch dieses Jahr zustande käme. Das dürfte das Verfahren erheblich beschleunigen. Offen wäre dann aber immer noch, wann die Stadt Zuschüsse für die geschätzten Sanierungskosten bekäme. „Ich habe keine Kristallkugel“, sagte Somogyi.

Chronologie

Die Deichanlagen bei Schweinsberg sind etwa 55 Jahre alt. 2002/2003 (nach dem Elbehochwasser) gab es eine Deichbegehung, bei der erhebliche Mängel festgestellt wurden. 2004 veranlasste die Stadt ein vertiefendes Gutachten, das den Sanierungsbedarf bestätigte. 2008 ließ die Stadt in einem Deichabschnitt 100 Bäume entfernen. 2011 wurde die Sanierungsplanung aktualisiert. Im März 2013 reichte die Stadt den Antrag ein auf Einleitung eines Planfestellungsverfahren für den 500 Meter langen Deichabschnitt.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr