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Dealer verkaufte kiloweise Drogen

Gericht Dealer verkaufte kiloweise Drogen

Crack, Amphetamine, Ecstasy und Cannabis - und das gleich kiloweise. Über Jahre florierte der Drogenhandel. Der Dealer wurde nun zu fast vier Jahren Haft verurteilt, inklusive Drogentherapie.

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Der verurteilte Stadtallendorfer Dealer nahm täglich bis zu fünf Gramm Crack, um sich aufzuputschen. Archivfoto

Quelle: Boris Roessler

Stadtallendorf. Zahlreiche Fälle unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, und das in der strafrechtlich besonders streng verfolgten „nicht geringen Menge“, füllen die Strafakte des Süchtigen. Ohne ausführliche Therapie erschienen dessen Zukunftsaussichten „katastrophal“, entschied Richter Gernot Christ und ordnete eine Unterbringung des 39-Jährigen in einer Entziehungseinrichtung an.

Insgesamt 34 Fälle illegaler Drogengeschäfte warf die Staatsanwaltschaft dem Stadtallendorfer vor. Sein Geschäft betrieb der Mann zwischen 2013 und Ende vergangenen Jahres. Er kaufte und verkaufte regelmäßig große Mengen Amphetamine, Ecstasy, Kokain und Cannabis-Produkte. Alle paar Tage begab er sich zu einem Zwischenhändler, unter anderem in Frankfurt und Winterberg, erwarb kiloweise Suchtmittel im Wert von mehreren Tausend Euro und verkaufte die Drogen auf der Straße weiter. Das florierende Netzwerk des bislang nur einmal wegen Drogenbesitzes vorbestraften Mannes flog schlussendlich auf, mehrere Dealer und Kunden wurden von der Polizei überwacht und überführt.

Einen Teil der umfangreichen Anklageschrift gab der Beschuldigte vor dem Marburger Landgericht zu. „Ich gestehe das, es stimmt“, leitete der sichtlich nervöse Mann ein umfangreiches Geständnis ein. Einen Teil seiner polizeilichen Aussage widerrief er vor Gericht, beschuldigte andere Dealer und ehemalige Geschäftspartner, ihm mit falschen Anschuldigungen eins auswischen zu wollen.

Absturz ins Drogenmilieu kam vor gut drei Jahren

Über ein Dutzend Fälle konnten ihm nicht nachgewiesen werden - diese stellte die Strafkammer im Laufe des Verfahrens ein oder beschränkte die Anklage gegen den Dealer. Der gab zu, seit Jahren Betäubungsmittel zu konsumieren, „früher aber nur am Wochenende, da hatte ich noch ein normales Leben“, erklärte der Mann.

Der Absturz folgte vor gut drei Jahren, nachdem der damals Selbständige seine KFZ-Werkstatt aufgeben musste. Schulden und finanzielle Probleme waren die Folge, er rutschte komplett ins Drogenmilieu ab und begann zu dealen. Selber nahm er zunehmend aufputschende Suchtstoffe, insbesondere große Mengen Crack, bis zu fünf Gramm der aus Kokain hergestellten Droge, täglich. „Am Ende ist es eskaliert“.

Seinen wachsenden Konsum, der ihn am Tag locker 300 Euro kostete, finanzierte der Stadtallendorfer durch den Drogenhandel, der seine einzige Einnahmequelle darstellte. Der Alltag bestand monatelang nur noch aus Rauschzuständen, tagelangen Drogenexzessen ohne Schlaf und szenetypischen Partys. Das bestätigte auch seine Lebensgefährtin: „Wir wurden beide in die Drogensucht hineingezogen, brauchten irgendwann immer mehr.“

Angeklagter ist laut Gutachter ein „Arbeitstier“

Die Frage, ob der Mann tatsächlich als suchtkrank angesehen werden muss, stand im Mittelpunkt der Verhandlung. Trotz seines anhaltenden Konsums wies der Angeklagte keine psychischen Auffälligkeiten auf, die das Strafmaß möglicherweise beeinflussen könnten, sagte ein psychiatrischer Gutachter. Auffällig bei dem Angeklagten war, dass der temperamentvolle Mann auch vor seinem Abstieg ins Drogenmilieu ein „hibbeliges, aktives Leben“ führte, stete Aufgaben brauche und als „echtes Arbeitstier“ bezeichnet werden könne, so der Sachverständige. Die selber von dem Dealer konsumierten und stimulierend wirkenden Suchtmittel passten stark in dieses Bild. Die Angaben erscheinen glaubhaft, der Süchtige spiele eine vorhandene Suchtproblematik zwar herunter, befinde sich jedoch „mehr als nur im Grenzbereich“ zur Abhängigkeit, erklärte der Gutachter. „Man kann von einer Kokainabhängigkeit sprechen, ansonsten ist er psychisch kerngesund“, so das Fazit des Sachverständigen, der sich für eine umfangreiche Suchttherapie für den Angeklagten aussprach.

Zeit des Entzuges „ist kein Zuckerschlecken“

Demnach seien die notwendigen Voraussetzungen für eine gerichtlich angeordnete Unterbringung in eine Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 des Strafgesetzbuches erfüllt. Eine solche sieht das Gesetz vor, wenn eine Person als Folge einer Suchterkrankung straffällig wurde und „die Gefahr besteht, dass sie infolge ihres Hanges erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird“. Der Annahme schlossen sich sämtliche Prozessbeteiligten an. Die Strafkammer verurteilte den Mann zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung an. Der Aufenthalt dort sei „kein Zuckerschlecken, aber sie können das schaffen, es liegt bei ihnen“, ermahnte Christ den Mann. Damit hat der Verurteilte Aussicht auf eine frühere Haftentlassung, sollte seine Therapie erfolgreich verlaufen. Wenn er jedoch „Mist baut“, wartet der normale Vollzug auf ihn, stellte der Richter klar.

von Ina Tannert

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