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"Das war ein unnormales Gefühl"

Suchtvorbeugung "Das war ein unnormales Gefühl"

160 Schüler der Mittelpunktschule Wohratal lernten, wie wichtig bewusster Umgang mit Alkohol ist. Rauschbrillen und besondere Spiele vermittelten ihnen wichtige Eindrücke.

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Grenzen erfuhren die Schüler der Klassen aller Jahrgangsstufen beim Kistenstapeln. Schulsozialarbeiter Christian König (links) sicherte Schülerin Vanessa.

Quelle: Karin Waldhüter

Wohratal. Wie lange hat man noch Alkohol im Blut, nachdem man ein Glas Bier getrunken hat? Welche Organe werden durch übermäßigen Alkoholgenuss geschädigt und wie fühle ich mich mit 1,3 Promille im Blut? Mit Hilfe einer Rauschbrille erfuhren die Schüler am eigenen Leib, welche Auswirkungen das Trinken von Alkohol hat, sie konnten beim Kisten stapeln an ihre Grenzen gehen, ihr Wissen in einem Alkoholquiz testen und anschließend einen alkoholfreien Cocktail an der Juice-Box genießen.

Rundherum wurde in der Turnhalle der Mittelpunktschule Wohratal Aufklärung zum Thema Alkohol geleistet. Unter dem Motto „Bist du Grenzgänger“ waren zur Umsetzung die Diplom-Pädagogin Lydia Berthold und die Sozialarbeiterin Jana Becker von der Fachstelle für Suchprävention des Diakonischen Werkes Oberhessen, der Schulsozialarbeiter der Mittelpunktschule Christian König und die Juice-Box (alkoholfreien Cocktailbar) der Juko Marburg vor Ort. Sie informierten einen ganzen Schulvormittag lang. Das war Teil des hessenweiten Aktionstags des Projektes „Hart am Limit“.

"Hände weg vom Schnaps"

„Alkohol gibt es in jeder Gesellschaft, aber fangt damit so spät an wie möglich, trinkt nicht zu viel und immer mit Bedacht“, riet Sozialarbeiterin Jana Becker. „Hände weg vom hochprozentigen Schnaps, denn die meisten, die mit einer Alkoholvergiftung in der Klinik landen, haben Schnaps konsumiert“, warnte Diplom-Pädagogin Lydia Berthold und verdeutlichte den Schülern die verzögert einsetzende Wirkung des hochprozentigen Alkohols, der oft auch in süßen Mischgetränken versteckt enthalten sei.

Hessenweit sind die Zahlen der Alkoholvergiftungen bei Kindern leicht zurückgegangen. Erstmals zählte das Statistische Landesamt im Jahr 2013 in Hessen weniger dieser „Grenzüberschreitungen“ (1173) als im Vorjahr (1380). Nicht ganz so deutlich fallen die Zahlen im Kreis Marburg-Biedenkopf aus. Dort mussten im vergangenen Jahr 69 Fälle von Alkoholvergiftungen in Kliniken behandelt werden. Das Jahr davor waren es 73 Fälle, berichtete Berthold die noch nicht von einer Trendwende sprechen wollte.

Rauschbrille simuliert Trunkenheit

Erstes Ziel der Veranstaltung ist die Suchtvorbeugung und der bewusste Umgang mit Alkohol. Das machte auch Schulleiter Michael Vaupel deutlich, der grundsätzlich alle Schulen mit dem Problem konfrontiert sieht. „Die Schule hat die wichtige Funktion aufzuklären“, betonte Vaupel. Auch weil die Schule der Ort sei, an dem man alle erreichen könne, so Vaupel. Ein solches Projekt alleine auf die Beine zu stellen überfordere die Schule, deshalb sei er froh über die Kooperation zwischen Schulsozialarbeit und Fachstelle.

Schulsozialarbeiter Christian König vermittelte den Schülern beim Kisten stapeln an ihre eigenen Grenzen zu gehen, auch dann, wenn die Beine vielleicht schon schlackern. Auch hier könne man erfahren, dass der Körper, ähnlich wie nach dem Konsum von Alkohol etwas mache, das man nicht beeinflussen könne. Unterstützung erhielt er dabei von David Kase, dem Vater einer Schülerin.

Das Projekt habe grundsätzlich das Ziel, das Thema Suchtprävention an der Schule zu untermauern, betonte König. In Zukunft wolle man die Kooperation mit der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Oberhessen noch intensivieren. Stark beeindruckt waren die Schüler von den Rauschbrillen, die einen Alkoholwert zwischen 1,3 und 1,5 Promille simulierten. „Das war ein unnormales Gefühl, alles schaukelt, echt krass“, fand der 13-jährige Adrian. „Man sieht Hütchen da, wo gar keine sind. Ich kann jetzt verstehen, dass es so viele Unfälle durch Alkohol gibt“, berichtete der 12-jährige Tim. Der gleichaltrige Jan hat am Ende dieser Schulstunde einiges gelernt. „Ich will nie trinken“, erklärte der Schüler nach den gemachten Erfahrungen mit der Rauschbrille.

von Karin Waldhüter

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