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"Das ist doch Teil unserer Kultur"

Mühlentag "Das ist doch Teil unserer Kultur"

Großer Andrang auf der Amöneburg: etwa 1500 Menschen kommen zum Mühlentag in die Brücker Mühle. Parallel erfreut sich auch die Papiermühle in Kirchhain regen Besuchs.

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Mühlenmeister Thomas Kleinschmidt zeigt in der Brücker Mühle den Gästen ein Sieb mit Mehl.

Amöneburg. Im Mühlentrakt rumort es. Mühlenmeister Thomas Kleinschmidt steht vor einer von insgesamt acht Gusswalzen, die sich beständig im Leerlauf drehen. Heute dient das lediglich der Vorführung. Normalerweise aber zerkleinern jene Rollen äußere Getreideschalen zu Mehl, erklärt Kleinschmidt. „Das war mal eine revolutionäre Technik“, so der Mühlenmeister. Um 1900 etwa erhielten die Gusswalzen Einzug in den Mühlen dieses Landes und ersetzten damit klassische Quarzit-Mühlsteine, mit denen das feine Pulver zuvor gemahlen worden war. „Alle Mühlen, die den rechtzeitigen Sprung zur Walze nicht geschafft haben, sind später untergegangen“, erinnert sich Thomas Kleinschmidt.

Noch heute ist die Gusswalze Kernpunkt im Mehlproduktionsprozess der Brücker Mühle. Über Förderbänder wird das angelieferte Getreide zunächst in den ersten Stock gehoben und in fünf verschiedene Reinigungsgänge verteilt. Erst wenn Spreu und größere Erdstücke aussortiert sind, kommen die Getreidekörner in die Gusswalze. In bis zu 16 Durchgängen wird schließlich das daraus entstehende Mehl heraus gesiebt.

Rund 1500 Besucher schlängeln sich an diesem Tag durch die engen Gänge und Treppen des alten Mühlentraktes, um sich von dieser Arbeit einen Eindruck zu verschaffen.

Zu ihnen gehört Wolfgang Wiegand, dessen Schwiegervater Konrad Dehnert einst selbst in Niederwetter eine Mühle betrieb. „Mich fasziniert die alte Technik und wie es hier rauscht, rüttelt und klappert“, sagt Wiegand, „das ist doch ein Teil unserer Kultur, unserer Geschichte. Es sollte deshalb nicht verloren gehen.“

Gleichwohl stehen Mahlmühlen wie viele kleine Lebensmittelbetriebe in diesen Tagen vor großen Herausforderungen. Wegen der tiefen Preise, wie Mühlenmeister Kleinschmidt erklärt. Der 23. bundesweite Mühlentag, ausgerichtet von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung, soll deshalb vor allem den Wert regionaler Produkte betonen. Kleinschmidt und seine Frau Sabine Walter betreiben neben der Gastronomie auch einen Bioladen in der Brücker Mühle, der solche Lebensmittel anbietet.

Zum Mühlentag hat das Paar zusätzlich zahlreiche Kunsthandwerker aus der Region eingeladen, die vor und hinter der Mühle ihr Angebot präsentieren. Den ganzen Tag lang bewegen sich Gäste auf dem Gelände. Auch das Turbinenhaus ist geöffnet: Durch eine kleine Luke können die Besucher auf eine der Turbinen schauen, die die Mühle antreibt und überschüssige Energie ins Stromnetz einspeist.

Nur ein paar Kilometer weiter findet der Mühlentag ebenfalls Anklang - in der Papiermühle Kirchhains, die wohl 1590 gebaut wurde. Zumindest von innen erinnert in dem Gebäude aber nichts mehr an die Arbeit vergangener Jahrhunderte. Der Arbeitskreis Dörfliche Kultur (ADK), der die Räume seit 2002 für verschiedene Ausstellungen nutzt, hat dort kräftig umgebaut. Wo früher einmal Turbinen und Mahlstühle waren, finden sich heute hauptsächlich Kunstwerke von Irmgard Bott. Die Gründerin des ADK war treibende Kraft bei der Aufbereitung der Papier-mühle.

von Yanik Schick

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