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Das hohe Haus erhebt sich

"Die Sitzung ist geschlossen Das hohe Haus erhebt sich

Willibald Preis beendete am Montag um 21.02 Uhr die Sitzung der Stadtverordneten wie immer: „Die Sitzung ist geschlossen.“ Business als usual? Ganz bestimmt nicht.

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Nur für den Fotografen griff Willibald Preis zu seiner Amtsglocke. Als Sitzungsleiter hat der scheidende Kirchhainer Stadtverordnetenvorsteher diese so gut wie nie gebraucht. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Alle Stadtverordneten, alle Mitglieder des Magistrats, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Besucher erhoben sich von den Plätzen, um dem scheidenden Stadtverordnetenvorsteher minutenlang zu applaudieren.

Und vermutlich gegen alle Geschäfts- und Sitzungsordnungen ergriff CDU-Fraktionschef Uwe Pöppler noch einmal das Wort. „Wir wollen den bedeutenden Kirchhainer würdigen, der für uns Parlamentarier gesprochen hat, der bienenfleißig fast jede Ausschusssitzung besucht und die Stadt wie kein Zweiter aus diesem Hause bei unzähligen Anlässen vorbildlich repräsentiert hat“, sagte Pöppler an die Adresse des Himmelsbergers, der in einem festlichen Rahmen offiziell verabschiedet werden soll.

Zuvor hatte der in der Stadt hohes Ansehen genießende Politiker in der ihm eigenen freundlichen Sachlichkeit auf die Legislaturperiode zurückgeblickt. Die Stadtverordnetenversammlung tagte 34 Mal. Der Haupt- und Finanzausschuss absolvierte 40 Sitzungen. Der Bauausschuss und der Ausschuss für Umwelt und Soziales tagten je 30 Mal, der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr 20 Mal. Dazu kamen sieben Bürgerversammlungen. Dabei wurden weitreichende Entscheidungen getroffen, Projekte auf den Weg gebracht und umgesetzt.

Willibald Preis nannte zuerst die Haushaltskonsolidierung unter den Bedingungen des Schutzschirm-Programms und erwähnte unter anderem den Neubau der Krabbelstube, die energetische Sanierung von Bürgerhaus und Feuerwehrstützpunkt, den Neubau des Feuerwehrhauses Anzefahr, die Umgestaltung des Bahnhofsumfelds, die Neugestaltung und Grundsanierung des Stadteingangs Amöneburger Tor zwischen Kreisel und Borngasse, den Abschluss der Stadtsanierung und die Leistungen zur Unterbringung von Flüchtlingen.

Stilbildende Arbeit abseits der Kommunalpolitik

Der Stadtverordnetenvorsteher erinnerte aber auch an die gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten der Stadt, ohne zu erwähnen, dass er diese stilbildend geprägt und mit hohem persönlichen Engagement begleitet hat.

So erinnerte er an Begegnungen mit den Partnergemeinden Plomelin und Doberlug-Kirchhain, die Beteiligung an den Tagen des offenen Denkmals, an Empfänge und Ehrungen. Besonderen Raum gab er der Erweiterung des Kirchhainer Skulpturenpfades durch die beim Kirchhainer Bildhauer-Symposium im September 2013 entstandenen Arbeiten, die Stiftung der Skulptur „Anneliese - das lesende Mädchen“ aus dem Nachlass von Bernhard Kleinhans und die von Heiko Börner geschaffenen Wegzeichen.

Zudem erinnerte er an die für eine Stadt eher ungewöhnlichen kulturhistorischen Aktivitäten. So hatte die Stadt die in Kirchhain von 1708 bis 1720 entstandene Profetische Bibel des Heinrich Horche für die Öffentlichkeit durch faksimilierte Exemplare wieder zugänglich gemacht. Zum Gedenken an 75 Jahre Reichspogromnacht kaufte die Stadt in Kalifornien und in New York eine Art jüdische Bibel und ein Liederbuch des jüdischen Gelehrten Hennoch Wolf (1666 - 1757), der in Kirchhain gelebt hat. Und der Schriftstellerin Lisa de Boor, deren Buch - über ihre Kindheit und Jugend in Kirchhain - neu aufgelegt wurde, widmete die Stadt ihren Jahresempfang.

„Ich habe das Amt des Stadtverordnetenvorstehers gerne ausgeführt. Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Aufgabe leicht gemacht haben“, wandte sich Willibald Preis zum Schluss an seine Kollegen.

Diese hatten zuvor nur eine Debatte geführt, in der sich alle Redner in der Sache einig waren. Gleichwohl erläuterten Uwe Pöppler (CDU), Olaf Hausmann (SPD), Reiner Nau (Grüne), Angelika Aschenbrenner (FDP) und Reinhard Heck (Die Linke) noch einmal ausführlich, warum sie dafür sind, dass Kirchhain versuchen soll, über eine noch zu gründende eigene Wohnungsbaugesellschaft bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Reiner Nau gab den Bedarf an solchen Wohnungen mit mindestens 30 Wohneinheiten an.

Wie diese Zeitung bereits berichtete, versetzt das zusätzliche KIP-Programm für den Wohnungsbau die Stadt in die finanzielle Lage, sozialen Wohnungsbau in Eigenregie zu betreiben.

von Matthias Mayer

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