Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Das digitalisierte Rathaus

Ohne EDV keine Kommunalverwaltung Das digitalisierte Rathaus

260 000 Euro lässt sich die Stadt Kirchhain jährlich ihre EDV kosten. Warum die Schutzschirm-Kommune dies tun muss, erläuterten Bürgermeister Jochen Kirchner und Fachbereichsleiter JürgenGonder.

Voriger Artikel
Stadt würdigt großartige Leistungen
Nächster Artikel
Stadt investiert in das "Werkzeug" der Wehren

Auch der Verwaltungschef kommt ohne EDV nicht aus: Bürgermeister Jochen Kirchner in seinem Dienstzimmer.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Sachstandsbericht EDV in der Stadtverwaltung war der Tagesordnungspunkt während der jüngsten Sitzung des Kirchhainer Haupt- und Finanzausschusses überschrieben. Jürgen Gonder, zuständig für Kämmerei, Stadtkasse, Steuern, Personalwesen, Organisation und EDV, gab den Stadtverordneten einen Überblick über Entwicklung und aktuellen Stand der digitalen Welt unter den Dächern der Stadtverwaltung.

Nicht alles, was der Fachmann vortrug, war für den einfachen EDV-Anwender verständlich. Am Ende von Jürgen Gonders Vortrag standen aber drei eindeutige Botschaften:

  • Die Datensicherheit ist in der Stadtverwaltung - so das Ergebnis einer Überprüfung durch den Datenschutzbeauftragten - gewährleistet.
  • Ein superschnelles Glasfasernetz verbindet vier Verwaltungsgebäude mit der Außenwelt.
  • Im Rathaus und im Blauen Löwen gibt es WLAN-Netze, deren Geschwindigkeit mit 16 MB pro Sekunde völlig ausreichend ist.

Die laufenden Kosten für die EDV-Anlage betragen jährlich 260 000 Euro. „Das ist ein hoher Betrag, um ein System am Laufen zu halten“, bekannte Jochen Kirchner, ergänzte aber: „Ohne EDV gibt es keine Kommunalverwaltung. Fällt diese aus, müsste ich als Dienstherr unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Hause schicken. Das darf ich aber nicht“, skizzierte der parteilose Kämmerer die enormen Kosten, die ein Systemausfall verursachen würde.Vor fünf Jahren seien Teile der städtischen Software-Architektur zusammengebrochen. Daraufhin habe die Stadt erhebliche Summen investiert, habe auf neue Technik gesetzt, um Datensicherheit und Systemsicherheit zu gewährleisten. Der Software-Dienstleister Ekom 21, dessen Produkte sich stark an den Bedarfen der Kommunen orientierten, biete der Stadt heute eine Ausfall-Garantie, erklärte der Bürgermeister. Ein Baustein der neuen Kirchhainer Software-Architektur hört auf das Kürzel GIS, das für „Geografisches Informationssystem“ steht. Karl Damm vom Stadtbauamt stellte den Stadtverordneten die vielfältigen Möglichkeiten von GIS vor. So werden sämtliche Kirchhainer Bebauungspläne nach und nach in das System eingepflegt und auf der Kirchhainer Homepage veröffentlich. Das sind immerhin deren 150, die zum Teil bis in das Jahr 1950 zurückgehen. Für Karl Damm ist das nicht nur ein großes Stück Arbeitserleichterung für das Stadtbauamt und ein willkommener Service für Architekten und Ingenieure, sondern auch sehr hilfreich für Bürger, die bauen oder etwas im Bestand verändern wollen. Sie bekommen direkten Zugriff auf ihren Bebauungsplan und erfahren, was an dieser Stelle wie gebaut oder umgebaut werden darf.

Geo-Daten sind Standard

Ganz wichtige Werkzeuge seien das Kanal-Modul, das Liegenschafts-Modul und das Einwohner-Modul, mit dessen Hilfe die Bevölkerungsstruktur in der Kernstadt und den zwölf Stadtteilen ermittelt werden könnte. „Das GIS ist für unsere Arbeit unverzichtbar. Die Ingenieur-Büros fragen bei uns heute die Geo-Daten ab, die wir ohne großen Aufwand liefern können. Das ist heute Standard“, betonte Karl Damm.

Bürgermeister Jochen Kirchner verdeutlichte an zwei Beispielen die Bedeutung dieses Systems für die Verwaltungsabläufe. Werde heute eine umweltschädliche Verunreinigung auf einem Grundstück festgestellt, lasse sich der Eigentümer der betroffenen Fläche mithilfe des Liegenschafts-Moduls sehr schnell ermitteln. Früher seien für die Eigentümer-Feststellung Anfragen an das Katasteramt erforderlich gewesen - verbunden mit der Suche nach der richtigen Akte in Archivkellern. Dieser Vorgang habe manchmal Tage in Anspruch genommen - genügend Zeit, um umweltschädliche Flüssigkeiten komplett versickern zu lassen.

Auch das Kanal-Modul erübrige die Akten-Sucherei in Kellern, sagte der Bürgermeister. So könne die Stadt bei der aktuellen Glasfaserkabel-Verlegung den Tiefbaufirmen präzise sagen, wo sich die Kanäle befinden. Unangenehme Überraschungen beim Ausbaggern gehörten der Vergangenheit an.

Einblicke ins digitale Kirchhain finden sich unter hier (rechts durch Klicks auf die drei unteren Schalter).

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr