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Das dicke Ende kommt noch

Jugendgericht Das dicke Ende kommt noch

Handgreifliche Auseinandersetzungen, die vor den Schranken der Strafgerichtsbarkeit landen, enden nicht selten wie das berühmte Hornberger Schießen. So geschehen jetzt wieder einmal vor dem Kirchhainer Jugendgericht.

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Dieser Bahnsteig des Stadtallendorfer Bahnhofs war Schauplatz einer handgreiflichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein Beteiligter auf dem Gleis landete. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Vor diesem Gericht musste sich ein 18-Jähriger Auszubildender aus dem Ostkreis verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung und Bedrohung vor. Kern der Geschichte ist eine offenbar mit harten Bandagen geführte Fehde zwischen zwei ebenso miteinander verschwägerten wie (nach einer Ehescheidung) verfeindeten Familien.

Laut Anklage soll der 18-Jährige am späten Nachmittag des 24. September 2012 auf einem Bahnsteig des Stadtallendorfer Bahnhofs seinen älteren Schwager, beleidigt, bedroht, tätlich angegriffen und auf ein Gleis gestoßen haben. Bei diesem Vorfall soll der Vater des Opfers von Komplizen des Angreifers festgehalten und ebenfalls geschlagen worden sein.

Das vermeintliche Opfer hatte den Vorfall umgehend bei der Polizei angezeigt und das Geschehen als geplanten Komplott geschildert. Auch vor Jugendrichter Joachim Filmer gab er im Zeugenstand an, dass er und sein Vater den Attacken von fünf bis sechs Angreifern aus dem Umfeld seines Schwagers ausgesetzt gewesen seien.

Nur: Beweisen ließ sich dieser Vorwurf während der Beweisaufnahme nicht. Im Gegenteil: Das „Opfer“ gab im Zeugenstand eine denkbar schlechte Figur ab. Zu den entscheidenden Fakten zum Tathergang machte er Angaben, die sich noch nicht einmal mit den Aussagen seines Vaters deckten. Und seine Aussagen im Zeugenstand wichen derart gravierend von seinen von der Polizei protokollierten Schilderungen ab, dass der Rechtsanwalt des Angeklagten den Zeugen als „Katastrophe“ bezeichnete. Der Verteidiger dachte angesichts der widersprüchlichen Aussagen sogar laut über eine Vereidigung des Mannes nach. Falschaussagen unter Eid werden mit Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr bestraft; auch die Strafandrohungen für uneidliche Falschaussagen liegt weit über dem Strafmaß, was ein Angeklagter vor einem Amtsgericht durchschnittlich zu erwarten hat.

Da der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten abstritt und zwei seiner Bekannten im Zeugenstand nichts über die Entstehung der Auseinandersetzung zusagen wussten, sich dafür untereinander widersprachen, kam zwangsläufig der Paragraf 153 der Strafprozessordnung ins Spiel. Da dem Angeklagten die Schuld nicht nachzuweisen war, regte Jugendrichter Joachim Filmer die Einstellung des Verfahrens auf Kosten der Staatskasse nach genau diesem Paragrafen (siehe Infobox) an. Das geschah mit Zustimmung der Anklage und des Angeklagten.

Würge-Attacke imMarburger Uniklinikum

Aber damit ist die Fehde noch nicht ausgestanden: Das dicke Ende kommt noch und wird möglicherweise gleich vor dem Schöffengericht oder vor dem Landgericht verhandelt. Denn am Tag nach dem Vorfall in Stadtallendorf trafen beide Familien in der Notaufnahme des Marburger Uniklinikums auseinander. Die Ermittlungen zu dem dortigen Geschehen laufen noch. Das „Opfer“ der Kirchhainer Verhandlung gab an, dort richtig Prügel bezogen zu haben.

Nach OP-Informationen sollen dort vor etlichen Zeugen die beiden Familienoberhäupter aneinander geraten sein. Dabei sei einer der beiden Männer derart von seinem Widerpart gewürgt worden sein, dass Umstehende glaubten, der schon blau angelaufene Mann müsse sterben. Erst mehreren Krankenpflegern sei es gelungen, den tobenden Angreifer zu stoppen.

von Matthias Mayer

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