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Das Ziel heißt Gemeinschaftssinn

Ernsthausen Das Ziel heißt Gemeinschaftssinn

Eine umfangreiche Tagesordnung arbeitete der Ortsbeirat Ernsthausen während seiner jüngsten Sitzung im Storchennest ab. Es ging um zukunftweisende Projekte, für die sich 13 Zuhörer interessierten.

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Der Kugel-Ahorn dominiert die Wolferoder Straße. Am Stromhäuschen im Hintergrund könnte eine Eberesche gepflanzt werden, sofern die Anwohner damit einverstanden sind.

Quelle: Matthias Mayer

Ernsthausen. Schon sehr früh am Abend kristallisierte sich das zentrale Thema heraus: Der Ortsbeirat möchte den Gemeinschaftssinn in Ernsthausen stärken, das nach der Dorferneuerung etwas eingeschlafene Wir-Gefühl reaktivieren.

Das fing an beim Thema Arbeitseinsätze und Aktionstage im Dorf, bei dem reflexartig auf den Bürgerverein Aktive Störche geschaut wird. Dessen Vorsitzender Dieter Bartelmeß stellte klar, dass sein Verein mit der Grünpflege und den Umwelt-Aktionstagen völlig ausgelastet sei. Im Grunde sei auch die Pflege des steil abfallenden Friedhofshangs für Ehrenamtliche unzumutbar, sagte Dieter Bartelmeß für seinen Verein, der 2013 für die vorbildgerechte Wiederherstellung des Ernsthäuser Bahnhofs den Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf bekommen hatte.

Unterstützung bekam er durch den stellvertretenden Ortsvorsteher und „Aktiven Storch“ Bernd Müller. Der Verein habe zwar 38 Mitglieder, von denen zehn für die Grünflächenpflege im Einsatz seien. „Viel mehr als die Bestandspflege bekommen wir nicht auf die Reihe“, sagte er und regte an, für weitere ­Aktivitäten jüngere Helfer zu werben.

Genau das sei ihr Ziel, entgegnete Ortsvorsteherin Anette Hahn. Sie schlug vor, im Dorf mehrere kleine Feste zu etablieren, mit dem Ziel, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. „Wer regelmäßig zusammen feiert, ist auch bereit, sich für Gemeinschaftsprojekte zu engagieren“, sagte die Malermeisterin und Restauratorin.

Diesem Ziel dient auch die Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Dorfgemeinschaft auf verschiedenen Kanälen. Zu ihrer Freude habe sie festgestellt, dass es auf Facebook bereits eine Ernsthausen-Gruppe gebe, sagte Anette Hahn. Ihre weiteren Vorschläge für einen verbesserten Informationsfluss im Dorf: Ein gemeinsamer Internet-Auftritt von Ortsbeirat und Vereinen, ein regelmäßig erscheinendes Info-Blatt, die Herausgabe eines Fragebogens und die Einführung von themenbezogenen Bürgerversammlungen stießen auf ungeteilte Zustimmung des Gremiums. Der Fragebogen soll den Bürgern die Chance geben, Anregungen und Wünsche für die Entwicklung des Dorfes vorzubringen und Kritik zu äußern.

Alten Menschen helfen, ohne zu pflegen

Ein ganz großes Fass machte die Ortsvorsteherin zum Thema­ Altwerden im Dorf auf. Nach umfassenden Recherchen glänzend vorbereitet, berichtete sie von verschiedenen Initiativen im Landkreis, die darauf abzielen, dass alte und hilfsbedürftige Menschen länger in ihrem Dorf und in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Sie erläuterte das Modellprojekt aus Mardorf, aber auch die Initiative aus Niederwalgern.

Letztere komme ganz ohne Vereinsstrukturen aus, leiste Nachbarschaftshilfe im besten Sinne - Hilfen, die nicht allein alten Menschen zugute kommen. Anette Hahn ließ deutliche Sympathien für dieses Modell erkennen und regte an, dieses auf seine Umsetzbarkeit in Ernsthausen zu prüfen.

Befeuert wurde die folgende Diskussion durch das Schicksal einer alleinstehenden älteren Frau, die über Jahrzehnte hinweg fest im Dorf verwurzelt war. Nach einer Erkrankung kam sie nicht nach Ernsthausen zurück. Ihr Haus, so war aus der Versammlung zu hören, wird durch ihren Betreuer zum Kauf angeboten.

Nach Anette Hahns Überzeugung könnten solche Fälle künftig durch Hilfen im Alltag aus dem Kreis der Mitbürger verhindert werden. „Ganz wichtig: Wir reden her nicht über Pflegeleistungen. Die können und dürfen wir gar nicht machen. Dafür sind die professionellen Pflegedienste da. Wir können Besorgungen machen, Gesprächspartner und Kümmerer sein“, stellte die Ortsvorsteherin klar.

Selbst für das Unterbringungsproblem im Dorf, das sich im aktuellen Fall ergibt, hatte Anette Hahn eine Lösung parat.

Der Stadt Rauschenberg gehöre in Ernsthausen ein Haus mit zwei Wohnungen, die eigentlich für die Unterbringung von Obdachlosen gedacht seien. Ihr Vor­fühlen bei Bürgermeister Michael Emmerich habe ergeben, dass dieser kein Problem habe, eine dieser Wohnungen für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Der Ortsbeirat kam überein, das Thema ernsthaft zu verfolgen.

Auf ein ganz anderes Thema hatte sich Ortsbeiratsmitglied Konrad Krauße vorbereitet. Es ging um die Begrünung der frisch ausgebauten Wolferoder Straße. Das ursprünglich für den Ortsausgang Richtung Wolferode angedachte Baumtor lasse sich aus Platzgründen nicht realisieren. Dafür gebe es zwei mögliche Standorte für das Pflanzen von Bäumen.

Krauße nannte die relativ große Freifläche am Elektrohäuschen. Für diesen Standort eigne sich eine Eberesche. Ein weiterer Baum könne an der Fahrbahn-Verschwenkung gepflanzt werden. Geeignet sei eine schmale Säulenbuche. Dieser Baum sei jedoch Sache von Hessen Mobil. Werde für diesen Baum eine Sicherung erforderlich, sei das für Hessen Mobil ein K.o.-Kriterum.

von Matthias Mayer

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