Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Das Ortsteildenken gehört der Geschichte an

Gebietsreform Das Ortsteildenken gehört der Geschichte an

Den Festakt anlässlich von „40 Jahre Gebietsreform Hessen“ nutzte die Stadt Amöneburg, um verdiente Bürger auszuzeichnen.

Voriger Artikel
Angreifer auf Asylbewerberheim verurteilt
Nächster Artikel
Gleichung mit vielen Unbekannten

Stefan Heck (links) und Michael Richter-Plettenberg (hinten, links) ehrten die verdienten Bürger.Foto: Karin Waldhüter

Amöneburg. 40 Jahre ist es her, dass Gemeindevertreter von Amöneburg, Erfurtshausen, Mardorf, Roßdorf und Rüdigheim „aus Gründen des öffentlichen Wohls“ beschlossen, sich zu einer Großgemeinde zusammenzuschließen. Dies galt es zu feiern: mit rund 150 Gästen, unter denen sich auch Reinhard Webersinn nebst Gattin Monika befand, der von 1973 bis Mai 1979 der erste Bürgermeister der Großgemeinde war.

Während des Festaktes, den das Saxophonensemble des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf eröffnete, kamen die Redner immer wieder auf das „Ortsteildenken“ zu sprechen. Der 31 Jahre alte Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck (CDU) sagte, für seine Generation sei das Ortsteildenken ein Stück weit in den Hintergrund gerückt. Gründe seien die Ferienspiele, zu denen Menschen aus allen Ortsteilen zusammenkommen, und die Stiftsschule, die zum Zusammenwachsen beigetragen habe.

Zeitzeuge und „Mann der ersten Stunde“ Diethelm Reinmüller stellte in seiner Festrede heraus, dass es vor 40 Jahren den Handelnden besonders wichtig gewesen sei, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Ortschaften, trotz der Gebietsreform zu wahren. Viele Bürger hätten eine wesentliche Beeinträchtigung der alten Dorfgemeinschaft befürchtet, erklärte er und fasste zusammen: „Ich denke, dass unsere Stadtteile ihre typische Identität nicht verloren haben, man kann sogar von zunehmenden Aktivitäten in der Brauchtums- und Traditionspflege und im sozialen Bereich sprechen.“

Im Herbst 1971 hatten sich die Gemeindevertreter der fünf Orte für den Zusammenschluss ausgesprochen, was mit einem Grenzänderungsvertrag am 31. Dezember 1971 besiegelt wurde. Bis zur ersten Kommunalwahl bildeten je drei Vertreter der Orte das Gemeindeparlament. Einer von ihnen, Rudolf Rhiel aus Roßdorf, ist noch heute Stadtverordneter.

Die erste große Kommunalwahl fand am 22. September 1972 statt. „Das war die Stunde der politischen Parteien in der Kommunalpolitik“, betonte Reinmüller. Bis dahin hatte es in den Ortschaften nur unabhängige Wählerlisten gegeben. Am 16. Februar 1973 wählten die Stadtverordneten dann Reinhold Webersinn zum Bürgermeister - ganz ohne Gegenstimmen.

„Die Gebietsreform konnte den Charakteren der Stadtteile nichts anhaben“, sagte auch Michael Richter-Plettenberg. Die Großgemeinde sei zusammengewachsen, auch wenn es manchmal zu „Nickeligkeiten“ komme. Der Bürgermeister nutzte seine Ansprache für eine Standortbestimmung: Ob ein kommunales Gebilde mit rund 5000 Einwohnern auch zukünftig existiere, könne er nicht garantieren: „Unsere Zukunft hängt im Wesentlichen auch davon ab, wie Andere mit uns umgehen, wie die finanzielle Ausstattung durch das Land gewährleistet wird, und welche Umlagen der Landkreis von uns beansprucht.“

Danach war es an der Zeit, verdiente Bürger zu ehren. Die Stadt würdigt Menschen, die sich durch langjährige politische Tätigkeit oder durch vorbildliches bürgerschaftliches Verhalten um die Stadt verdient gemacht haben.

Den Bürgerpreis für ehrenamtliche Sozialarbeit erhielt Anne Bühler, die seit sieben Jahren Geld für das auf Initiative der Kirchhainer Familie Müller gegründete Kinderheim sammelt.

Der Anerkennungspreis für besondere Aktivitäten und Leistungen in der Jugendarbeit ging an Reinhard Morneweg, der sich 13 Jahre lang für die Jugendspielgemeinschaft Mardorf eingesetzt hat. „400 Kinder hast du nicht nur trainiert, sondern auch im sozialen Bereich geschult“, sagte Helmut Kräling vom Vorstand des SV Mardorf.

Für seinen ehrenamtlichen Einsatz um den Erhalt einer besonderen Kulturlandschaft und sein Engagement für das „Ziegenbeweidungsprojekt“ erhielt Klaus Erber den Umweltpreis der Stadt.

18 Bürger erhielten die Bürgermedaille für ihren Einsatz in unterschiedlichen Bereichen: Elisabeth Orth (Roßdorf), Anna Herz, Rita Höpp (beide Rüdigheim, alle in der Seniorenarbeit tätig). Josef Rödelbronn (Amöneburg), Reinhard Rausch, Hildegard Kraus (beide Roßdorf), Paul Lang (Rüdigheim), Rosa Linne (Erfurtshausen, alle Bereich Kirche). Reinhold Graf, Norbert Heiland, Helmut Graff (alle Amöneburg, alle Bereich Dorfverschönerung und Verein). Josef Kräling (Roßdorf), Gerhard Schraub, Helmut Brand (beide Rüdigheim), Erich Steidl (Erfurtshausen, alle „ehemalige Politiker“). Heinrich Benner (Mardorf), Rudolf Rhiel (Roßdorf), Ewald Schick (Mardorf, alle „Politik aktiv“).

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr