Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Das Miteinander klappt „reibungslos“

Division Schnelle Kräfte Das Miteinander klappt „reibungslos“

Seit Oktober vergangenen Jahres führt Generalmajor Andreas Marlow die Division Schnelle Kräfte (DSK). Inzwischen hat er alle 
Einheiten seines Verbandes kennengelernt und ist „beeindruckt“.

Voriger Artikel
Ein Charakterkopf macht Schluss
Nächster Artikel
Kandidaten dürfen antreten

Stadtallendorf. Seine neue Aufgabe war für Generalmajor Marlow zugleich mit einer Rückkehr in eine Region verbunden, die er gut aus Zeiten der früheren Panzerbrigade 14 „Hessischer Löwe“ kannte. Dort diente Marlow im Stab in Neustadt. Mittlerweile ist er mehr als 100 Tage Divisionskommandeur, ein erstes Fazit möglich. Er sei beeindruckt von der in sich sehr heterogenen Division, sagt Marlow.

Stadtallendorf ist, was die Integration der Bundeswehr in die Zivilgesellschaft angeht, nach Marlows Eindruck nach wie vor „eine Insel der Glückseligen“. Er sei als neuer Kommandeur „toll am Standort aufgenommen worden“, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung hervorhebt. So hatte es Marlow auch schon in seiner Zeit in Neustadt erlebt.

Problemlose Wegeführung für Flüchtlinge

In die ersten Monate Marlows in Stadtallendorf fiel der Umzug von rund 500 Flüchtlingen vom Zeltcamp am Bundeswehr-Hallenbad in die ersten hergerichteten Gebäude der Hessen-Kaserne. Dort leben in drei anderen Unterkunftsgebäuden nach wie vor auch Soldaten.

Erster Eindruck Marlows nach etwas mehr als drei Wochen: „Das Miteinander läuft bisher reibungslos.“ Auch die in Stadtallendorf im vergangenen Dezember zunächst heftig diskutierte Wegeführung für die Flüchtlinge funktioniert aus Bundeswehrsicht problemlos. Marlow hebt im OP-Gespräch die gute Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr auf der einen Seite und dem Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung, dem DRK, hervor.

Bis zu zehn Gebäude der Hessen-Kaserne stellt die Bundeswehr dem Land Hessen für die Unterbringung von Flüchtlingen insgesamt zur Verfügung. 2018, so der bisherige Plan, soll die Bundeswehr die Hessen-Kaserne komplett verlassen.

Könnte die Division dem Land bei Bedarf auch früher noch weitere Gebäude überlassen? Der ranghöchste Offizier der Bundeswehr am Standort Stadtallendorf sieht dafür zunächst keinen Bedarf, zumal jetzt zuerst die weitere Sanierung der anderen sieben Gebäude ansteht. „Und einer Überlassung von weiteren Gebäuden könnte ich auch nur zustimmen, wenn es für die dort lebenden Soldaten eine Alternative gibt“, sagt Marlow. In der Hessen-Kaserne lebten Soldaten, die auf die Quartiere der Bundeswehr angewiesen seien.

Räume für zahnärtzliche Station vor Fertigstellung

Damit spricht Generalmajor Marlow auch ein generelles Problem an, das er am Standort Stadtallendorf aus Sicht der Division sieht: die insgesamt angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Region. Nach Stadtallendorf versetzten Soldaten fällt es derzeit schwer, geeignete Wohnungen im Stadtgebiet zu finden.

Bei einem anderen Bauvorhaben gibt es einen Fortschritt: Im Laufe dieses Jahres sollen in der Herrenwaldkaserne, dem Stammsitz der DSK, die Räume für die zahnärztliche Station bereitstehen. Sie befindet sich immer noch in der Hessen-Kaserne.

Der Division untersteht seit ihrer Aufstellung auch der Luftrettungsdienst der Bundeswehr SAR. Dessen Leitstelle befindet sich derzeit noch in Münster, soll aber nach Stadtallendorf verlegt werden. Das wäre eine weitere große Aufwertung für den Bundeswehr-Standort. Dazu ist aber ein entsprechender Neubau in der Herrenwaldkaserne nötig. „Nach derzeitigem Planungsstand könnte die Leitstelle im Jahr 2019 hierherkommen“, nennt Marlow erstmals einen möglichen Termin. Gesichert ist dieser Zeitpunkt aber noch nicht.

Was die Infrastruktur in der Herrenwaldkaserne angeht, sieht Marlow Positives: „Dass ein Standort ein Hallenbad und solche Sportmöglichkeiten hat, ist nichts Selbstverständliches, das ist andernorts schon Luxus“, macht er klar.

Marlow will Ausbildung stärken

Was die Auslandseinsätze betrifft, so ist die DSK aus der Zeit der starken Belastung durch große Kontingente etwa für den ISAF-Einsatz in Afghanistan heraus. Marlow sieht aber die zahlreichen festen Bindungen an Aufgaben, die die Bundeswehr über Einsätze hinaus übernommen hat. Er erinnert beispielhaft an die künftige EU-Battlegroup, Krisenreaktionskräfte der Europäischen Union. Ab dem Sommer ist auch die DSK mit Heereshubschraubern daran beteiligt.

Wie sein Vorgänger Eberhard Zorn sieht Marlow für seinen Verband die jetzige Situation als die Möglichkeit, die Ausbildung wieder zu verstärken. Das Fallschirmjägerregiment in Seedorf könne sich nun wieder wesentlich intensiver auf das Training von militärischen Evakuierungsoperationen konzentrieren, nennt Marlow ein Beispiel. Das vergangene Jahr war für die Einheiten der DSK noch stark von den Folgen von Umgliederungen durch die jüngste Bundeswehrreform geprägt.

Ein Schwerpunkt in Marlows Zeit als Divisionskommandeur wird die weitere Integration der 11. Luchtmobielen Brigade der niederländischen Streitkräfte in die DSK sein. Die Unterstellung eines niederländischen Verbandes in dieser Form unter das Kommando einer Bundeswehr-Division gilt als eine Pionierleistung. Bis 2019 sollen die niederländischen Soldaten komplett integriert sein. Das Ziel, davon ist Marlow überzeugt, wird auch erreicht.

Inzwischen hat es erste Übungen gegeben, bei denen Stäbe ein Gefecht simulieren. In diesem Sommer folgt eine erste größere Übung von Soldaten auf einem Truppenübungsplatz. Dort wird es um die Umsetzung des auf Stabsebene Erarbeiteten in der Gefechtspraxis gehen. „Dort übt die Truppe in einem größeren Verband gemeinsam eine Luftlandeoperation“, sagt Marlow.

von Michael Rinde

 
Die DSK
Die Einheiten der DSK mit rund 9700 Soldaten sind auf inzwischen 20  Standorte verteilt. Neu hinzugekommen sind im vergangenen Jahr die Standorte des „Systemzentrums Drehflügler Heer“ mit Hauptsitz in Donauwörth. Hinzu kommen unterstellte 2100 niederländische Soldaten der 11. Luchtmobielen Brigade.
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr