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Das Malen liegt ihm einfach im Blut

Festival Das Malen liegt ihm einfach im Blut

Das erste Straßenmalerfestival vor fünf Jahren weckte bei Stefan Pollack eine alte Leidenschaft. Inzwischen hat sich der Neustädter als Straßen-maler deutschlandweit einen Namen gemacht.

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Stefan Pollack zeigt ein Foto von Karl-Heinz Kappel, das er Ende des Monats beim Neustädter Straßenmalerfestival auf den Asphalt bringen will. Im Hintergrund sind Ehefrau Anke und Hund Amy zu sehen – zwei beliebte Motive des 50-Jährigen.Foto: Lerchbacher

Neustadt. Schon als Kind zeigte Stefan Pollack großes Talent beim Malen. Mit sechs Jahren brachte er einen Teddybären auf Papier, der seine Mutter begeisterte. 44 Jahre später erntet der Neustädter ähnliche Reaktionen, wenn er seine Bilder auf den Asphalt bringt.

Dabei lag seine Leidenschaft für das Zeichnen viele Jahre lang still. „Irgendwann hörte ich damit auf. Zu Bundeswehrzeiten muss das gewesen sein“, erinnert er sich. Rund 25 Jahre später erfuhr er dann von den Neustädter Plänen, ein Straßenmalerfestival auszurichten - und war sofort Feuer und Flamme. „Als es losging, sagte ich zu meiner Frau: Da mache ich mit“, berichtet er und betont: „Sie sagte nur: Du tickst doch nicht richtig.“ Inzwischen ist Anke Pollack anderer Meinung. Und das nicht nur, weil sie schon mehrfach als Motiv herhalten durfte.

Nein, ihr Mann bewies sein Talent, machte sich einen Namen als Straßenmaler und bekam schon Einladungen zu anderen Festivals - beispielsweise in Wilhelmshaven, wo ein äußerst kritisches Gremium die Teilnehmer auswählt. An fünf bis sechs Veranstaltungen nimmt er jährlich teil. In diesem Jahr flatterte sogar der erste Auftrag ins Haus: Der Gewerbeverein Marsberg hat ihn für sein Sommerfest verpflichtet, das der 50-Jährige mit einem Werk bereichern soll.

Einziger Wermutstropfen: Das Fest findet am Samstag, 30. August, statt - also dem ersten Tag des Neustädter Straßenmalerfestivals. „Aber das ist kein Problem: Am Samstag bin in Marsberg, am Sonntag dann hier“, sagt er und kündigt an, eben ein bisschen „Powerpainting“ machen zu wollen.

Am liebsten malt Pollack Menschen. Neben seiner Frau brachte er bereits Mick Jagger und Fred Astaire auf den Asphalt, aber auch schon sich selbst. Und irgendwo in einer Ecke findet zumeist seine Hündin Amy noch ein Plätzchen. „Menschen zu malen, gibt mir einen Kick. Man kann alles falsch machen - aber wenn‘s gelingt, sieht‘s einfach toll aus!“ In Marsberg will er Michael Jackson malen, in seiner Heimat dann seinen Mitbürger Karl-Heinz Kappel - ein Neustädter Original, wie er erläutert. „Ich hatte einen Werbeflyer für ein Countryfest gesehen. Da war eine Person abgebildet, die mich total an ihn erinnerte und mich faszinierte“, erklärt er seine Wahl und ergänzt: „Außerdem ist er Schreiner. So wie ich.“ Wobei Pollack inzwischen in einem Bestattungsunternehmen tätig ist -was ihm zeitliche Freiheiten gibt und wiederum seinem Hobby zugute kommt, wie er betont.

Die Freiheiten nutzt er, um sich weiterzuentwickeln: Die ersten Schritte als Straßenmaler hatte Pollack als „Kopist“ gemacht, das heißt, er kopierte Werke der großen Meister: Zum Auftakt in Neustadt versuchte er sich beispielsweise an Michelangelos Tondo Doni - was ihm gleich einen ersten Platz einbrachte. Besonders beeindruckend dabei ist die Vorbereitung: Der Neustädter war vor seiner ersten Festival-Teilnahme nach Geldern gefahren, schaute dort Straßenmalern über die Schulter und löcherte sie mit Fragen. Dann übte er bei sich im Hof, in dem er ein Gesicht malte. Und schon waren die Vorbereitungen beendet. Manchen liegt das Malen eben im Blut.

Inzwischen ist er bei Porträts angekommen, was ihm eine Teilnahme in Wilhelmshaven einbrachte. „Das war wie ein Ritterschlag“, freut er sich und wagt einen Blick nach vorne: Irgendwann werde er sich auch an die bei Zuschauern besonders beliebte 3-D-Malerei wagen. Bis dahin übt er sich in Bescheidenheit: „Wer Großes können will, muss erstmal das Kleine beherrschen.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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