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Zeltcamp für Flüchtlinge

Das Land liefert kaum Antworten

Am vergangenen Wochenende zeigten Bewohner des Flüchtlingscamps am Bundeswehr-Hallenbad ihre Dankbarkeit, indem sie Rosen überreichten. Inzwischen hat der Winter Einzug gehalten.
Flüchtlinge aus dem Stadtallendorfer Zeltcamp sagten am vergangenen Wochenende ihren Helfern und Unterstützern danke. Foto: DRK

Flüchtlinge aus dem Stadtallendorfer Zeltcamp sagten am vergangenen Wochenende ihren Helfern und Unterstützern danke.

© DRK

Stadtallendorf. Rund 600 Menschen aus 18 Nationen, überwiegend aus Syrien und Afghanistan, leben aktuell im Zeltcamp auf Bundeswehrgelände. Wenn alles so kommt wie geplant, so wird etwa die Hälfte von ihnen in den nächsten Wochen in die Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung verlegt. Etwa 75 Flüchtlinge wurden zwischenzeitlich bereits verlegt, wie Christian Betz erläutert. Betz ist Geschäftsführer der DRK-Kreisverbände Marburg und Gießen. Das DRK ist im Auftrag des Landes seit Ende September Betreiber des Stadtallendorfer Camps.

Die große Frage, wo die verbleibenden in jedem Fall mehr als 300 Flüchtlinge in Stadtallendorf während des Winters untergebracht werden, ist inzwischen scheinbar wieder gänzlich offen. Ursprünglich hatte das Regierungspräsidium Gießen bereits Container gefunden, die im früheren Mobilmachungsstützpunkt an der Scharnhorststraße aufgestellt werden sollten - und zwar im Laufe des Novembers. Seit dies bekannt wurde, sind mehr als dreieinhalb Wochen vergangen, geschehen ist nichts.

Nutzung weiterer Bundeswehrliegenschaften wird geprüft

Bundeswehrverwaltung und Truppe hatten ihre Zusagen für eine erste Herrichtung des Stützpunktes allesamt eingehalten. Allerdings müssten noch einige Vorarbeiten erledigt werden. So wäre ein entsprechender Kanalanschluss nötig, Flächen müssten vorbereitet werden. Doch offenbar hat das Land Abstand von einem Container-Standort Mobilmachungs-Stützpunkt genommen. Konkrete Informationen gibt es aber nicht. Bei Nachfrage der OP verwies DRK-Geschäftsführer Betz naturgemäß auf das Regierungspräsidium Gießen. Dort wiederum verweist die Pressestelle auf das Sozialministerium, das die Federführung in Sachen Unterbringung hat.

Der stellvertretende Pressesprecher Markus Büttner holte sich seine wenigen Informationen schließlich vom in diesem Falle verantwortlichen Innenministerium. Heraus kam ein Satz: „Für den Standort Stadtallendorf werden derzeit die Möglichkeiten der Nutzung weiterer Bundeswehrliegenschaften in Abstimmung mit dem Landeskommando geprüft.“ Das Landeskommando der Bundeswehr in Wiesbaden ist zentraler Ansprechpartner für das Land in Sachen Flüchtlinge und Liegenschaften, die für die Unterbringung genutzt werden könnten.

An Bundeswehrliegenschaften gibt es zumindest in Stadtallendorf wohl nur eine Alternative, die Hessen-Kaserne, die bis auf vier Gebäude nicht mehr von der Truppe genutzt wird.

Nach OP-Informationen gab es anscheinend Bedenken wegen Rüstungsaltlasten, was den Standort Mobilmachungs-Stützpunkt angeht. Das Gelände, insgesamt etwa 4000 Quadratmeter groß, ist Teil des Wasag-Areals. Es liegt auf der Fläche, auf der sich das frühere Sprengstoffwerk befand. Bestätigungen für die Sorgen wegen Altlasten gibt es seitens des Landes nicht. Auch die Frage, bis wann dauerhafte Lösungen für die Stadtallendorfer Flüchtlinge gefunden werden, steht unbeantwortet im Raum.

Bundeswehr wartet auf Entscheidungen

Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg, Kommandant der Herrenwaldkaserne und seitens der Bundeswehr seit Aufbau des Zeltcamps damit befasst, hat auch keinen neuen Kenntnisstand, wie er auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Er hat auch noch keine Aussage vom Land dazu, dass der frühere Mobilmachungs-Stützpunkt nicht mehr als Container-Standort gehandelt wird. „Wir stehen bereit, wenn wir gebraucht werden“, sagt Luchtenberg. Generell angesprochen auf Rüstungsaltlasten erklärt der Kasernenkommandant, dass die Belastungen auf dem Gelände des früheren Mobilmachungs-Stützpunktes nicht größer seien als in der Herrenwald- oder der Hessen-Kaserne. „Das gilt unter der Voraussetzung, dass man nicht in den Boden eingreift“, betont Oberstleutnant Luchtenberg.

Nun brauchen Container in der Regel keine Fundamente. In der Nähe des Stützpunktes liegt allerdings, von Boden bedeckt, die frühere „Füllgruppe II, eine Produktionsstätte der Wasag. Sie ließe sich laut Luchtenberg aber problemlos abgrenzen, um Menschen von dort fernzuhalten.

DRK-Geschäftsführer Christian Betz berichtet unterdessen, dass auch Flüchtlinge aus dem Stadtallendorfer Camp mit Hilfe von Dolmetschern am vergangenen Wochenende eine kleine Dankes-Aktion organisiert haben. Sie verteilten Rosen an DRK-Mitarbeiter und an Stadtallendorfer Bürger und zeigten selbstgebaute Schilder, auf denen unter anderem das Wort „Danke“ zu lesen war.

„Wir stehen ganz gut da“, fasst Betz die Gesamtsituation im Camp zusammen. Alle Flüchtlinge leben in beheizten Zelten, die der Katastrophenschutz des Kreises im September errichtet hatte. Man habe zwischenzeitlich zusätzliche Schlafsäcke beim Land angefordert, sagt Betz. Die Versorgung der 600 Flüchtlinge hat ein Unternehmen übernommen. Zu Anfang kamen die Mahlzeiten für die Menschen in den Zelten aus der Bundeswehr-Kantine. 28 Mitarbeiter beschäftigt das DRK als Betreiber des Camps. Ein Schwerpunkt ist laut Betz der Sozialdienst. Für Angebote wie einen kleinen Kindergarten wurde etwa ein Drittel des Turnhallenbereiches abgetrennt. Es seien die vielen Kleinigkeiten, die im Umgang mit den Flüchtlingen abgearbeitet werden müssten, sagt Betz und nennt Beispiele wie die Vermittlung von Höflichkeitsformen. Es gibt laut DRK Sprachunterricht wie auch eine Schwangerenberatung.

von Michael Rinde

HITERGRUND
Am 12. September bekam der Katastrophenschutz des Landkreises vom Land den Auftrag, Zeltunterkünfte für bis zu 750 Flüchtlinge zu schaffen; einen Tag später zogen die ersten Flüchtlinge ein. Eine Woche lang betrieb der Kreis mit insgesamt rund 800 Katastrophenhelfern das Camp, bevor das Land die Verantwortung übernahm und die Betreiberschaft in die Hände des DRK gab. Von Beginn an war klar, dass die Zeltunterkunft ein Provisorium sein musste. Die Lagerhallen des ehemaligen Mobilmachung-Stützpunktes hatten sich dabei schon bei einer Begehung im August als ungeeignet herausgestellt. Das Gelände mit einem zentralen Verwaltungsgebäude sollte als Container-Standort dienen – was jetzt vom Tisch zu sein scheint.

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