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Das Kulturspektakel 2015 ist gesichert

Diskussion Das Kulturspektakel 2015 ist gesichert

In bester Amöneburger Manier kochten die Emotionen beim Thema Kulturspektakel in den vergangenen Wochen hoch. Im Hauptausschuss mussten erstmal die Gemüter beruhigt werden.

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Manchmal hilft es, einmal kräftig durchzuatmen – bei politischen Diskussionen, aber manchmal auch bei schrägen Bühnen-Shows, so wie vor einigen Jahren bei einer Theatervorstellung während des Kulturspektakels.Archivfoto

Amöneburg. Zunächst musste es krachen, erst dann kam es zu konstruktiven Gesprächen - dabei hatte es schon vorher den Versuch gegeben, sich zusammensetzen. Ein Versuch, der allerdings fürchterlich fehlschlug.

Doch der Reihe nach: CDU und FWG hatten als scheinbar frisch aus der Taufe gehobene Koalition einen Antrag gestellt, in dem sie zum einen die Entwicklung einer Kulturfördersatzung fordern. Zum anderen heißt es darin: Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen, „das Amöneburger Kulturspektakel künftig nicht mehr in eigener Trägerschaft durchzuführen“. Darin erinnern die Fraktionen daran, dass die Parlamentarier im Jahr 2007 festgelegt hatten, die Stadt solle die Trägerschaft an eine private Initiative abgeben, sobald sich die Veranstaltungsreihe etabliert hat.

Das Spektakel hat sich inzwischen zu einer eigenen Marke entwickelt, doch noch immer ist die Stadt Träger und kommt für die Kosten auf - und muss am Ende entsprechend auch das Minus decken, das sich laut Michael Richter-Plettenberg maximal im niedrigen vierstelligen Bereich befindet. Konkrete Zahlen nennt der Bürgermeister und Vereinsvorsitzende allerdings im seltensten Fall - im Ausschuss sagte er, im vergangenen Jahr habe das Defizit lediglich 434 Euro betragen.

Aufgrund des Antrages kam es zum Gespräch zwischen CDU, FWG und dem Vorstand des Vereins Kulturspektakel - was allerdings furchtbar in die Hose ging. Die Kommunalpolitiker zeigten sich geschockt darüber, dass die Vorstandsmitglieder so gut wie nichts über die Finanzen wussten - und sich auch nicht bewusst waren, dass es in ihrer Satzung einen Passus gibt, der besagt, dass der Verein irgendwann die Trägerschaft über­nehmen soll.

Von Seiten der Ehrenamtler kam die Rückmeldung, dass sie sich in dem Gespräch nicht gerade gut präsentiert hätten, zu emotional gewesen seien - dass aber die FWGler sich auch als Hard­liner präsentiert hätten, die das Spektakel „weghaben wollen“. Die Vorstandsmitglieder schrieben daraufhin einen Brief an die Stadtverordneten mit den Kernaussagen: „In der Gründungszeit des Vereins war tatsächlich eine Trägerschaft des Vereins für das Kulturspektakel vorgesehen, die aber in der Praxis nie verfolgt wurde“ und „Wir waren nicht der Träger, sind nicht der Träger und wollen dies auch in Zukunft nicht sein.“ Entsprechend gereizt war die Stimmung während der Haupt- und Finanzausschusssitzung.

Vorsitzender Rudi Rhiel, der auch FWG-Vorsitzender ist, betonte: „Niemand will das Spektakel totmachen, und wir sehen das auch nicht so, dass es tot ist, wenn der Antrag durchgeht.“ Jan-Gernot Wichert (CDU) monierte, dass seine Fraktion sich zwar etliche Male nach Kosten erkundigt habe, diese Fragen aber nie zur Zufriedenheit beantwortet wurden: Zum Beispiel hätte er gerne auch Informationen darüber, inwiefern sich Bauhof- und Verwaltungsmitarbeiter für die Veranstaltungsreihe engagieren müssten - und was dies umgerechnet koste. CDU und FWG hätten den Antrag gestellt, um daran zu erinnern, dass die Stadt früher oder später die Trägerschaft abgeben solle - und nicht, um das Ende des Kulturspektakels herbeizuführen.

Dann war es an der Zeit für Winfried Kaul, Kassierer des Vereins und SPD-Vorsitzender, die Reaktion des Vorstandes zu erläutern. Es sei ohnehin angestrebt gewesen, intern über Probleme zu sprechen, da die Vorstandsmitglieder für das Spektakel immensen Arbeitsaufwand betrieben und sich teilweise ausge-, wenn nicht gar überlastet fühlten: „Wir wollten darüber reden, aber dann kam der Antrag. Wir waren platt, da niemand mit uns gesprochen hatte.“ Die Trägerschaft zu übernehmen, komme nicht in Frage - da dies noch mehr Aufwand bedeuten würde, was nicht leistbar sei. „Wir haben uns nie um das Thema gekümmert - aber die Stadtverordnetenversammlung auch nicht“, fasste Kaul zusammen und betonte: „Wir sollten gemeinsam überlegen, wie es fruchtbar weitergeht.“

Und plötzlich gingen die Emotionen runter, und die Stimmung im Ausschuss schlug langsam um. Reinhard Franke (CDU), bei Diskussionen in Sachen Geld eigentlich zumeist eher ein harter Hund, gab sich nahezu handzahm: Er habe sich zwar gewundert, dass der Vorstand wenig über den finanziellen Aufwand des Kulturspektakels wisse, dann sei ihm jedoch bewusst geworden: Künstler seien zumeist „völlig idealisiert“ und achteten bei Veranstaltungen nicht aufs Geld. Peter Greib (AWG) warf ein: „Kultur ist ein Drauflegegeschäft. Immer.“

Franke betonte, dass das Spektakel Amöneburg weitergebracht habe, und schlug vor, die Kosten schlicht zu limitieren. Sein Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert ergänzte, er sehe ein, dass Veränderungen auf die Schnelle nicht möglich seien: „Gottseidank haben wir zusammengesessen und wissen, was nicht funktioniert.“

Letztendlich beschlossen die Ausschussmitglieder, dass die Stadt im Jahr 2015 auf jeden Fall wieder als Träger des Spektakels fungiert, dass der Antrag zurückgestellt sei und die Stadt­verordneten gemeinsam mit den Mitgliedern des Kulturspektakelvereins über die Zukunft und die Trägerschaft sprechen. In aller Ruhe.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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