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„Das Instrument bist du“

Marburger Beatbox-Weltmeister „Das Instrument bist du“

Warum Beatboxen eine Universalsprache ist, die Geschichte vom Turmbau zu Babel für ihn von hoher Bedeutung ist und man wirklich niemals nie sagen sollte, erklärt der zweifache deutsche Beatbox-Meister „Babeli“.

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Robin Calderolla alias Babeli in seinem Element: Mit dem Mikrofon in den Händen zeigt der 21-Jährige, was als Beatboxer mit Übung und Talent alles möglich ist.

Quelle: Privatfoto

Marburg. „Seine Welt“ zeigte sich zum erste Mal, als Robin 14 Jahre alt ist. Damals starrte er gebannt auf seinen Computer. Auf dem Bildschirm war ein Mann zu sehen, der seinem Körper die unglaublichsten Geräusche entlockt. Das Faszinierende daran: der Mann hat keinerlei Hilfsmittel - die Klänge und Töne kamen aus seinem Mund.

Für Robin ist das kurze Youtube-Video eine Offenbarung. Beatboxen - das und nur das will er auch beherrschen. Also übt der Marburger Schüler. Er schaut sich weitere Clips der Szenegrößen an und versucht, deren Technik zu kopieren. Doch aller Anfang ist schwer. „Da gab es schon einen Punkt, an dem ich alles hinschmeißen wollte. Da habe ich gesagt, diese Beats werde ich nie hinbekommen“. Robins Vater erkennt die Niedergeschlagenheit seines Sohnes und macht ihm Mut: „Sag niemals nie. Sag, dass du das jetzt noch nicht hinbekommst.“ Sein Vater sollte Recht behalten.

Unterwegs in Clubs und auf Festivals

Robin ist heute 21 Jahre alt, nennt sich Babeli und ist zweifacher deutscher Beatbox-Meister. Mittlerweile gibt es sogar Internet-Videos, die erklären, wie Babeli seine Töne, die sogenannten „Sounds“, erzeugt. Jetzt sitzen andere vor dem Computer und schauen fasziniert, wie aus einem jungen Mann, eine Einmannkapelle wird.

In Berlin hat der vielbeschäftigte Nachwuchskünstler eine neue Heimat gefunden. Hier ist die Szene größer, hier gibt es viele Jobs für Babeli, der mittlerweile vom Beatboxen leben kann. Er zeigt seine Fähigkeiten auf Festivals, in Clubs oder auch bei Firmenveranstaltungen. „Beatboxen ist immer mehr im Kommen“, sagt der 21-Jährige, „aber natürlich wäre es schön, wenn es noch mehr Öffentlichkeit bekäme.“

Sein Können und seine Technik sollen dabei kein Geheimnis bleiben. Gerne gibt Babeli Anfängern Tipps. Er veranstaltet zudem Workshops, an denen meistens Jugendliche im Alter zwischen 10 und 16 Jahren teilnehmen. „Das ist immer eine coole Sache. Ich zeige höchstens ein paar Grundsounds, den Rest lernt man autodidaktisch. Beatboxen ist eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst mehr zu spüren. Das Instrument bist nämlich du.“

Der Künstlername „Babeli“ ist nicht bloß Fantasiekonstrukt. Er leitet sich ab von der Geschichte um den Turmbau zu Babel. In dem alttestamentarischen Text geht es darum, dass die Menschen einen Turm bauen wollen, der „bis zum Himmel“ reicht. Weiter heißt es, dass Gott in dem Vorhaben eine Selbstüberhebung der Menschen sieht und die Völker, die zuvor eine gemeinsame Sprache besaßen, mit Sprachverwirrung straft. Soweit die biblische Erzählung.

Wichtig für den 21-Jährigen ist der Teil der Geschichte, in dem die vielen verschiedenen Sprachen die Menschen voneinander entfernen. Für Babeli ist Beatboxen eine universelle Sprache und damit auch völkerverständigend: „Beatboxen versteht jeder. Es bringt die Menschen wieder zusammen“. Aber warum dann nicht einfach nur der Name Babel? „Das ´i´ am Ende steht für ein Mikrofon“, erklärt Babeli das wichtigste Werkzeug bei seinen Auftritten.

Und woher kommen die Ideen für seine „Sounds“? „Ich sammle Inspiration durch Musik. Es ist schwierig zu beschreiben, aber mittlerweile merke ich, wie sich meine Beats verändern, je nachdem, welche Musik ich gerade höre.“

Dabei sei Beatboxen keineswegs nur auf HipHop beschränkt. „HipHop ist für mich vielmehr eine Lebenseinstellung. Das Beatboxen an sich ist in jeder Musikrichtung einsetzbar.“ Andere Beatboxer zu kopieren ist in der Szene nichts Verwerfliches. „Imitation gehört dazu. Aber das ist auch in der Musikbranche oder der Modewelt der Fall“, sagt der 21-Jährige.

Für ihn ist die Beatbox-Szene zu einem wichtigen Teil seines Leben geworden. Eine enge Gemeinschaft, auf die er sich verlassen kann: „Wir müssen uns nicht alle jeden Tag sehen, aber wenn einer einen Termin nicht wahrnehmen kann, dann sagt er einem anderen Bescheid.“ Und Langeweile kommt sowieso nicht auf. „Beatboxen geht eben überall, im Lokal, dem Park oder dem Zug“, sagt Babeli. Nur manchmal, da gucken die Menschen etwas verwundert.

von Dennis Siepmann

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