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Das Glück liegt im Straßengraben

Ich sammle... Das Glück liegt im Straßengraben

Wenn Michael Bischoff sein Tageswerk als Hausmeistergehilfe bei der Stadt Neustadt erledigt hat, zieht er sich in seine eigene, von Rot, Orange und Weiß geprägte Welt zurück und bastelt.

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Michael Bischoff präsentiert das mit Chrom umrahmte Rücklicht eines Nissan-Sunny-7er-Modells aus den 80er Jahren, eins seiner Lieblingsstücke. Die im Hintergrund zu sehenden Leitpfosten hat er übrigens von der Stadt geschenkt bekommen.Foto: Lerchbacher

Neustadt. Hinter einem unscheinbaren Holztürchen hat sich Michael Bischoff einen Traum erfüllt. Er sammle Radkappen und Autorücklichter, erklärt er bescheiden. Doch er hat mehr als eine Sammlung: Der 47-Jährige hat sich an einem Hang seine eigene Welt geschaffen - eine Welt im Grünen, die aus Plastik und Chrome besteht und bei Sonnenschein die wildesten Lichtspiele erzeugt.

Zäune und Hütten hat der Neustädter mit hunderten Radkappen und Rücklichtern verziert, an den Wänden hängen abgeschnittene Kofferräume und Motorhauben, die als Schränke dienen und Werkzeug, Süßigkeiten oder Comichefte enthalten. In den Hütten stapeln sich verschiedenste Dinge, vornehmlich jedoch - wohl sortiert nach Marken - rund 1500 Rücklichter und 2500 Radkappen, die Bischoff doppelt hat. Einzige Ausnahme bilden die noch mit Chrom verzierten Rücklichter von Oldtimern aus den 50er und 60er Jahren: Weil sie außergewöhnlich seien, werden sie nicht ausgestellt sondern nur gelagert und behütet.

Mit neun Jahren war das Rücklicht seines Fahrrades kaputt gegangen. „Ich klebte es Stück für Stück wieder zusammen und hatte viel Spaß dabei“, erinnert sich Bischoff. Kurze Zeit später fand er in der Innenstadt die Splitter eines Autorücklichtes - ein VW Käfer war gegen eine Wand gefahren und löste die Sammelleidenschaft des jungen Michael aus: „An einem Autorücklicht kann man viel länger basteln, als an einem Fahrradrücklicht.“

Werkstätten zwischen Neustadt und Kirchhain bewahren inzwischen defekte Rückleuchten für den 47-Jährigen auf. Sollte eine Ecke oder auch nur ein Splitter fehlen, so greift Bischoff auf sein Ersatzteillager zurück und schneidet sich aus anderen alten Leuchten die fehlenden Teile zurecht - Hauptsache, die Muster stimmen überein. Und so bastelt und bastelt er nach Feierabend stundenlang in seinem kleinen, rot-gelb-weißen Reich: „Das entspannt mich und macht Spaß.“ Oder aber er geht auf die Jagd nach Radkappen und durchforstet mit seinem Freund Franziskus Perwelski Straßengräben zwischen Biedenkopf und Fulda. Saison sei von O bis O - also von Ostern bis Oktober, betont er und erklärt: „Im Sommer ziehen die Autofahrer Alufelgen auf, im Winter jedoch Stahlfelgen, die sie mit Radkappen verdecken - und von denen fliegen immer mal wieder welche ab.“ Und dann ist Bischoff zur Stelle.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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