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„Das Ganze in schön“

Neues Freibad „Das Ganze in schön“

Die Stadt Kirchhain will das Freibad-Projekt nicht auf die lange Bank schieben, sondern sehr zügig angehen. Das wurde am Dienstagabend im Sozialausschuss deutlich.

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Dieser von Frank Wagner gestaltete Entwurf für das große Becken entspricht ziemlich genau dem jetzt diskutierten Vorschlag. Nur die Halbinsel und die Brücke sind andersherum angeordnet.

Quelle: Grafik: Frank Wagner

Kirchhain. Am Ende des Abends stand die Zielsetzung der Stadt fest: Sie will das 57 Jahre alte und zuletzt 1975 sanierte Freibad am jetzigen Standort erhalten. Statt Flickschusterei im Bestand des „mangelhaften, aber noch betriebsbereiten Freibads“ - so Diplom-Ingenieur Michael Theis vom Kirchhainer Bauamt - soll ein völlig neues Bad gebaut werden, das allein mit dem Grundriss des alten Beckens annähernd an das jetzige Freibad erinnert.

Und Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) formulierte ehrgeizige Ziele: Das Bad soll die Attraktivität Kirchhains als Wohnstadt steigern und mit seinen Attraktionen als Freizeitbad ein Anziehungspunkt für die ganze Region werden. Auch für den Zeitplan des mit vier bis fünf Millionen Euro teuren Projekts lehnte sich der Bürgermeister der gerade aus dem Schutzschirmprogramm des Landes Hessen entlassenen Kommune weit aus dem Fenster: Bis 2019 könnte das Bad als wichtigstes und teuerstes Zukunftsprojekt neben der Barrierefreiheit am Bahnhof fertig sein.

Kein Versicherungsschutzfür die maroden Leitungen

Wegen jederzeit möglichen Havarien im veralteten Leitungsnetz des Freibades, für das es laut Michael Theis keinen Versicherungsschutz mehr gibt, hat sich 2014 zur Klärung der Bäderzukunft eine Kommission gebildet, in der alle Fraktionen vertreten sind. Daran erinnerte die Ausschussvorsitzende Helga Sitt (Bündnis 90/ Die Grünen). Und diese Kommission hat die Kirchhainer Bauverwaltung beauftragt, Ideenskizzen für zwei Varianten zu entwerfen:

  • Sanierung des Freibads im Bestand.
  • Neubau eines Freibads am Hallenbad.

Pädagogisch wie dramaturgisch wertvoll, begann Michael Theis mit der schwächsten aller Varianten: Neubau am 41 Jahre alten Hallenbad, das insbesondere als Schul-, Sport- und Vereinsbad benutzt wird. Schwachpunkt: Im Hallenbad gibt es kein Sprungbecken, das für die Abnahme verschiedener Prüfungen benötigt wird. Die Infrastruktur des Hallenbades könnte vom Freibad mitgenutzt werden. Außerdem ergeben sich Synergieeffekte. Möglich ist am Standort der Neubau eines 25-Meter-Beckens für 4,3 Millionen Euro. Kommen eine Sprunganlage und eine Rutsche dazu, steigen die prognostizierten Kosten auf 5 Millionen Euro. Viel zu viel Geld für deutlich weniger Schwimmbad, dürfte der erste Gedanke der Ausschussmitglieder gewesen sein.

Die zweite Variante sieht eine reine Sanierung des 50-Meter-Beckens und des Gebäudetrakts sowie eine komplette Modernisierung des Leitungsnetzes und der gesamten Schwimmbadtechnik vor. Sonst ändert sich nichts. Das bedeutet unter anderem, dass das aus Sicherheitsgründen stillgelegte Sprungbecken auch künftig nicht genutzt werden kann. Geschätzte Kosten: 3,3 bis 3,8 Millionen Euro.

Variante 3 ist mit der Variante zwei nahezu deckungsgleich. Einzige Änderung: In das 50-Meter-Becken wird etwa bis zur Mitte ein Querriegel eingebaut. Im Schutze dieses Bauwerks sollen Familien mit Kindern, ältere Menschen sowie Schwimmanfänger gefahrlos Freibad-Freuden genießen. Mehrkosten gegenüber der Variante zwei: 300000 Euro.

Alle Einrichtungen rücken an die Becken heran

„Das Ganze in schön“ nennt Michael Theis die vierte Variante, womit er maßlos untertreibt. Der Entwurf eines Berliner Planungsbüros, den zu veröffentlichen diese Zeitung gestern keine Genehmigung bekam, sieht eine Verkleinerung des 50-Meter-Beckens und eine Konzentration aller Einrichtungen unmittelbar am Becken und am Planschbecken vor.

Das Becken bleibt in der Länge unangetastet, wird aber in der Breite auf der Seite zum Park hin reduziert. Auf der Seite zu den Umkleideräumen und dem Sprungbecken bleiben zwei 50-Meter-Bahnen übrig. Eine künstliche Halbinsel ragt vom Park aus in das Becken rein. Auf dessen linker Seite gibt es für die Schwimmer vier 25-Meter-Bahnen. Rechts der Insel befindet sich in einer Flachwasserzone das Paradies für die Badenden. Hier finden sich Wasserspiele, Massagedüsen, Nackendusche und eine Schaukelbucht. Diese Zone wird durch eine Leine von den 50-Meter-Bahnen abgetrennt. Das Sprungbecken wird reaktiviert, bekommt aber keine Sprungbretter, sondern einen Turm. Parallel zu der Beckenlandschaft findet sich auf der Parkseite ein längliches Becken mit einer Breitrutsche.

Das Planschbecken behält seinen Standort, wird aber zu einer Wasserlandschaft mit Wasserspielen, Springbrunnen, Rutsche und Wasserlauf aufgewertet. Sonnensegel spenden Schatten.

Große befestigte Freiflächen

Auch außerhalb des Wassers gibt es erhebliche Veränderungen. Die drei Becken sind mit befestigten Freiflächen verbunden, auf denen sich Duschen befinden, die die bisherigen Durchschreitebecken überflüssig machen. An der Flachwasserzone gibt es einen großen Bereich für Sonnenliegen. Zwischen dem Planschbecken und dem an das Becken gerückten Gebäude für Aufsicht und Technik entsteht eine Plaza mit Bestuhlung und Sonnenschirmen in unmittelbarer Nähe des zur Straße liegenden Kiosk. Schließlich wird das ganze noch gekrönt mit der obligatorischen Brücke über den Pool, von dem aus ein kleiner Wasserfall die Schwimmer auf der 50-Meter-Bahn berieselt.

Die Baukosten gab Michael Theis mit 4,0 bis 5,0 Millionen Euro und die Bauzeit mit zwei Jahren plus einjähriger Planungszeit an. Für ein Jahr müsse das Bad geschlossen bleiben, erklärte der für Hochbau und die Bäder zuständige Fachmann. Überflüssig zu sagen, dass diese große Lösung die Empfehlung der Bauverwaltung ist.

Olaf Hausmann räumte ein, dass es derzeit noch keine Überlegungen zu möglichen Fördergeldern und zur Trägerschaft eines runderneuerten Freibads gebe. Wenn es den politischen Willen für das Projekt gebe, könne die Verwaltung sofort damit beginnen, die nächsten Schritte einzuleiten.

Lohbeck für eine schnelle Entscheidung

Dazu ermutigte der FDP-Stadtverordnete Christian Lohbeck (FDP) den Magistrat. Es sei sinnvoll, 300000 oder 400000 Euro mehr für den attraktiveren Entwurf auszugeben, sagte das Mitglied der Bäderkommission und warb für eine schnelle Entscheidung. SPD-Fraktionschef Karl-Heinz Geil wandte ein: „Wir kommen in die Bauzeiten des Bahnhofs hinein. Das müssen wir wissen.“ Olaf Hausmann entgegnete, dass das Bahnhofsprojekt mutmaßlich erst 2020/2021 umgesetzt werde. „Wir sind alle begeistert. Wenn die Finanzierung steht, können wir auch zwei große Projekte gleichzeitig stemmen“, stellte Uli Balzer (Bündnis 90/Die Grünen) fest.

von Matthias Mayer

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