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Kirchhain

Das Ende einer bäuerlichen Existenz

Im Kuhstall eines Kirchhainer Landwirts spielte sich im Januar 2010 eine Tragödie ab: Gleich sechs Rinder starben. Ein siebtes Tier musste im März getötet werden. Der Grund: Die Tiere wurden unzureichend ernährt.

Ein Landwirt verarbeitet den besonders nährstoffreichen ersten Grasschnitt zu Heu. Auf nährstoffarmes Futter führte ein Landwirt den Hungertod einiger seine Rinder zurück.

© dpa

Kirchhain. Weil er Wirbeltieren unnötig erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt hatte, musste sich der 46-jährige Landwirt vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten. Aufgeflogen war die Katastrophe bei einer Kontrolle des Veterinäramtes im März. Die Kontrolleure fanden auf dem Hof sechs schon in Verwesung übergegangene  Rinderkadaver und im Stall eine festliegende Kuh. Das völlig entkräftete Tier musste getötet werden. Auch die überlebenden Tiere des ursprünglich 16 Tiere umfassenden Bestandes waren in einem erbarmungswürdigem Zustand: Völlig verdreckt und total abgemagert. Die Tiere brachte zum Teil noch nicht einmal die Hälfte ihres Soll-Gewichts auf die Viehwaage. Das Veterinäramt ließ die Tiere abtransportieren und verhängte ein Tierhaltungsverbot gegen den Landwirt.

Der Angeklagte machte vor Gericht die schlechte Qualität eines zugekauften Futtermittels verantwortlich. Das habe nicht genügend Nährstoffe gehabt. Zudem berichtete er von Unfällen während der fraglichen Zeit. Eine bullige Kuhl habe sich losgerissen und andere Tiere verletzt, sagte der derzeit völlig mittellose Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes von seinen Geschwistern ernährt wird.

Den Kern seines Problems, seine desaströse wirtschaftliche Lage, streifte der Mann nur am Rande. Von 16 Rindern im Stall kann kein Landwirt existieren, geschweige denn Geld in den Betrieb investieren. Früher seien es mit den Nachkommen der rund 20 Milchkühe mal rund 60 Tiere gewesen. Er habe den elterlichen Betrieb als eine Art Pächter weitergeführt. Auch wegen der unklaren Besitz- und Eigentumsverhältnisse habe sich der Betrieb zurückentwickelt, berichtete der Mann.

Zur Verärgerung der Staatsanwältin und des Vorsitzenden Richters Joachim Filmer rang sich der Angeklagte das entscheidende Eingeständnis nicht von den Lippen ab: Dass es Geldnot war, die die Tiere verhungern und die festliegende Kuh ohne tierärztliche Hilfe einen qualvollen Tod sterben ließ. „Es fehlte das Geld für ausreichende Futtermittel, es fehlte das Geld für den Tierarzt, stellte die Staatsanwältin fest.

von Matthias Mayer

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