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Das "Dreiländereck" steht im Zentrum

Hatzbachtal Das "Dreiländereck" steht im Zentrum

Seit 33 Jahren geht Christi Himmelfahrt in Hatzbach mit der Hatzbachtalwanderung einher. In diesem Jahr waren 815 Teilnehmer „auf den Spuren der Kaffeeschmuggler.

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Das Interesse an der Hatzbachtalwanderung war bei strahlendem Sonnenschein am Donnerstag ­erneut groß.

Quelle: Yanik Schick

Stadtallendorf. Es war kurz vor Mittag, als Manfred und Hilde Kullik bei strahlendem Sonnenschein zum zweiten Mal Rast einlegten. Das Ehepaar aus dem Sauerland hatte erst am Abend zuvor den Entschluss gefasst, an der Hatzbachtalwanderung teilzunehmen. Lange Zeit, so erzählten sie, habe es Überlegungen gegeben, Christi Himmelfahrt lieber im Westerwald zu verbringen. Dort fand parallel eine ähnliche Wanderung statt.

Am Ende fiel die Wahl der Kulliks aber auf Hatzbach. „Wir haben uns für das Hessenland entschieden, weil die Gegend hier ziemlich schön ist“, berichtet Manfred Kullik. Und bislang seien die Erwartungen auch erfüllt worden. „Uns gefällt vor allem die gute Führung der Strecke.“

Zum 33. Mal veranstalteten die Wanderfreunde Hatzbachtal ­ihre internationale Hatzbachtalwanderung am Himmelfahrtstag. Drei Strecken hatte der Verein dazu im Vorfeld ausgesucht und ausgeschildert.

Exakt 815 Wanderer, so der Vorsitzende Horst Erdel, machten sich im Laufe des Tages vom Hatzbacher Bürgerhaus aus auf den Weg. „Es ist schön, dass wir entgegen dem allgemeinen Trend beim Wandern nicht so einen hohen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen haben“, sagte Erdel ­gegenüber der OP.

Höchste Teilnehmerzahl seit fünf Jahren

Die jetzige Teilnehmerzahl sei die höchste seit fünf Jahren. Natürlich spielte den Wanderfreunden in erster Linie das gute Wetter in die Karten. Aber auch die besondere Landschaft rund um das Hatzbachtal, glaubt Erdel, sei ein wesentlicher Faktor für den hohen Zuspruch.

Vom Startpunkt Bürgerhaus machten sich alle Teilnehmer über die Wildbachstraße in Richtung Norden auf den Weg. Auf der kürzesten Strecke, die sechs Kilometer lang war, peilten die Wanderer direkt den ersten Kontrollpunkt am „Nadelöhr“ an. Von dort ging es weiter zur Forsthütte, nach links in den Hochgesangsweg und schließlich durch das Feld am Grillplatz vorbei und zurück zum Bürgerhaus.

Die elf Kilometer lange Strecke schlug dagegen schon früh einen Bogen: noch innerorts begaben sich die Teilnehmer über das Pauluspfädchen und die Eichwaldstraße bis in den Butterweg. An Blockkiste und Georgsteich vorbei führte der Weg zunächst zum Kontrollpunkt „Heidehäuschen“ und danach zum eigentlichen Höhepunkt der Wanderung, dem „Dreiländereck“.

Nach dem Krieg galt Kaffeeverbot

Im 18. Jahrhundert grenzten dort die Landgrafschaften Hessen-Marburg und Hessen-Kassel sowie das Kurfürstentum Mainz aneinander. Horst Erdel erklärte die geschichtlichen Hintergründe: Kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges war im Kasselaner Gebiet, zu dem auch Hatzbach gehörte, der Handel mit Kaffee verboten worden.

Die Regierung habe Kaffee als zu teures Luxusgut empfunden, erklärte Erdel. Gewiefte Hatzbacher wussten die Grenzlage allerdings zu nutzen und schmuggelten die gerösteten Bohnen aus dem kurmainzischen Neustadt, in dem der Kaffeehandel mehr denn je florierte, über jenes Dreiländereck bis ins eigene Dorf hinein.

Auch die ausdauerndsten Wanderer, die sich für die 20 Kilometer lange Strecke entschieden, kamen an dieser Stelle vorbei. Für sie ging es danach allerdings noch weiter bis in das Tal des Josbaches und von dort zurück zur „Drehscheibe“, dem dritten und letzten Kontrollpunkt.

Bürgermeister und Schirmherr Christian Somogyi nahm im Anschluss die Siegerehrung für die Vereine vor. Am Ende mussten die Hatzbacher Wanderer aber noch einen „vermissten“ Auswärtigen suchen helfen, der sich dann aber friedlich schlafend fand.

von Yanik Schick

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