Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
"CleverCard" gibt‘s nun kostenlos

Neuerung "CleverCard" gibt‘s nun kostenlos

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf übernimmt die Kosten für die kreisweit geltende "CleverCard" komplett - ein stückweit darf sich die Stadt Amöneburg dies auf die Fahnen schreiben.

Voriger Artikel
Prälat kehrt in Heimat zurück
Nächster Artikel
Günstigeres Dach lindert Preisschock

Mittelstufenschüler, die einen Anspruch auf Erstattung von Beförderungskosten haben, erhalten die „CleverCard“ probeweise ein Jahr lang kostenlos.Archivfoto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Amöneburg. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg hatte ein mächtiges Drohszenario aufgebaut: Er wollte den Stadtverordneten vorschlagen, dass die Stadt eine Familie vor Gericht bei einem Musterverfahren finanziell unterstützt. Zudem wollte er sich über eine Resolution bei der Kommunalaufsicht des Regierungspräsidiums Gießen über das Handeln des Landkreises beschweren.

Hintergrund des angedachten Vorgehens war, dass sich der Bürgermeister ursprünglich für Amöneburger, später aber sogar kreisweit für Eltern von Mittelstufenschülern einsetzen wollte. Schon seit Jahren ist es den Amöneburgern ein Dorn im Auge, dass die Kernstadt beim RMV eine eigene Tarifzone bildet. Für die Eltern bedeutete dies grob zusammengefasst, dass sie beim Eigenanteil für die Busfahrkarten ihrer Kinder immer eine Zone drauflegen mussten.

Schulträger erstattet "notwendige Schülerbeförderungskosten"

Gemäß Hessischem Schulgesetz erstattet der Schulträger die „notwendigen Schülerbeförderungskosten“ - das heißt die bis zur nächstgelegenen Schule, die den gewünschten Bildungsabschluss anbietet. In diesem Jahr entschloss sich der Landkreis, für das kommende Jahr eine kreisweit gültige „CleverCard“ auszugeben, die einheitlich 450 Euro kostet. Diese Kosten wollte der Kreis übernehmen - eine Beteiligung der Eltern sollte weiterhin fällig werden, wenn ihr Kind nicht die nächstgelegene Schule besucht. Beispiel: Die Karte führt die Fahrt nach Kirchhain zur Alfred-Wegener-Schule (AWS) wäre kostenlos, die für die Fahrt nach Heskem in die Gesamtschule Ebsdorfergrund nicht: 170 Euro hätten die Amöneburger zahlen müssen.

Der Bürgermeister führte in seiner Magistratsvorlage an, dass dieses Vorhaben einer Gleichbehandlung widerspreche: Mit dem Beitrag des Kreises in Höhe von 280 Euro könne der Schüler schließlich auch nicht die AWS besuchen, die Karte koste schließlich einheitlich 450 Euro.

"CleverCard" für alle Schüler

Am Montag wollte der Bürgermeister ursprünglich die Stadtverordneten für seinen Kampf gewinnen - musste dies aber letztendlich nicht, da der Kreisausschuss am gleichen Tag beschlossen hatte, probeweise die „CleverCard“ allen Schülern, egal, welche Schule sie besuchen, die Karte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Genauer gesagt denen, die eine Berechtigung auf Erstattung der Beförderungskosten haben, weil sie weiter als drei Kilometer von der nächsten Schule entfernt wohnen.

Diese Entscheidung habe der Kreis vornehmlich aus juristischen Gründen getroffen, erläutert Schul- und Verkehrsdezernent Marian Zachow. Intern habe es Bedenken gegeben, weil laut Preisliste des RMV einige Schüler im Kreis Anspruch auf Erstattung von Beförderungskosten in Höhe von mehr als 450 Euro gehabt hätten. Um eventuellen Verunsicherungen oder Konsequenzen vorzubeugen, habe der Kreisausschuss schließlich beschlossen, die „CleverCard“ komplett kostenlos auszugeben. Rund 900 Schüler beziehungsweise ihre Eltern hätten ursprünglich einen Beitrag leisten müssen, kommen nun aber darum herum. Für den Kreis bedeutet dies, auf weiteren Kosten in Höhe von 90000 bis 150000 Euro sitzenzubleiben. Dies sei möglich gewesen, da es in der entsprechenden Haushaltsstelle „etwas Luft“ gegeben habe und die Kosten sich auf zwei Haushaltsjahre verteilten, erläutert Zachow.

Es habe die Gefahr bestanden, dass der Kreis sich dies nicht hätte leisten können. Entsprechend sei das kommende Jahr ein Versuchsballon - es könne sein, dass er die kostenlose Busfahrkarte nach einem Jahr wieder einstampfen müsse: Dies sei eine freiwillige Leistung. Später müsse die Politik entscheiden, ob sich der Kreis den Kostenpunkt haushalterisch leisten könne. Insgesamt sei die Mobilität von Schülern ein wichtiges Thema - nicht nur beim Schulweg sondern auch bei der Freizeitgestaltung. Die Stadt Amöneburg jedenfalls hat nach Bekanntwerden der für die Eltern guten Neuigkeit die Nachricht auf ihrer Facebook-Seite verbreitet und erntet dafür viel Lob. Zachow betont, der Bürgermeister habe einen guten Hinweis gegeben. Mit der angedrohten Musterklage habe er allerdings nicht zur Erleichterung des Verfahrens beigetragen.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr