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Bürgschaft steht wohl nichts im Weg

Energiewende Bürgschaft steht wohl nichts im Weg

Die Mengsberger Bioenergie-Genossen überwinden eine Hürde nach der anderen. Läuft alles nach Plan, soll im Spätsommer der Spatenstich zu Deutschlands größtem Solarthermiefeld erfolgen.

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Schon während des Triumphzuges durch den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ setzten sich die Mengsberger mit dem Weg zum Bioenergiedorf auseinander.

Quelle: Archivfoto: Florian Lerchbacher

Mengsberg. „Ich bin froh, wie sich das Projekt entwickelt, und freue mich, dass Neustadt einen weiteren Beitrag zur Energiewende leisten wird“, sagt Bürgermeister Thomas Groll - will aber der Entscheidung der Stadtverordneten nicht vorgreifen. Allerdings lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass diese am Montag in ihrer Sitzung (19 Uhr, historisches Rathaus) einer Magistratsvorlage zur Übernahme einer Bürgschaft für die Bioenergie-Genossenschaft Mengsberg zustimmen werden - die bei einer Enthaltung einstimmige Empfehlung für das Anliegen spricht jedenfalls eine fast schon eindeutige Sprache.

Die Mengsberger, die seit dem 1. April eine eingetragene Genossenschaft haben, planen ein 3500 Quadratmeter großes Solarthermiefeld - das größte Deutschlands - und ein dazugehöriges, 9,5 Kilometer langes Netz, das die Sonnenwärme in die Haushalte bringen soll. Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf 6,3 Millionen Euro. Abzüglich von Zuschüssen und Einlagen verbleiben 4,2 Millionen Euro - von denen die Stadt 80 Prozent durch eine Bürgschaft absichern soll.

Bisher 154 Anmeldungen

150 Anschlüsse waren notwendig, um die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu sichern. Die Mengsberger sind bei 154 Anmeldungen, haben aber Platz für 180 Anschlüsse. Noch bestehe die Möglichkeit, mitzumachen, hebt Karlheinz Kurz hervor. Der Ortsvorsteher, der auch Vorstandsmitglied ist, weist allerdings darauf hin, dass die Zeit langsam knapp werde und legt als Frist für die Anmeldung den 30. Mai fest: „Irgendwo müssen wir den Schnitt machen. Wir müssen schließlich bald mit den Ingenieuren den Verlegeplan erstellen.“ Für Groll ist sicher, dass die Genossen künftig weniger als bisher für Wärme zahlen werden: „Immer wieder wurde auf die sinkenden Preise für Heizöl hingewiesen. Jetzt steigen sie aber wieder, daher bin ich mir sicher, dass ein Beitritt zur Genossenschaft wirtschaftlich sinnvoll ist.“ Die Pläne seien schließlich auf mehreren Ebenen geprüft und für gut befunden worden - und das nach mehrfacher Aktualisierung.

„Wir haben uns Zeit genommen, um vernünftig und verlässlich zu planen - statt schnell, aber verkehrt“, kommentiert Kurz, während der Bürgermeister ergänzt, dass nun auch andere Kommunen auf den Zug aufspringen würden, was ebenfalls für Solarthermie spreche. Greifen die Dänen bereits seit längerem auf diese Art der Energiegewinnung zurück, so soll auch in Hachborn in der Gemeinde Ebsdorfergrund ein solches Feld entstehen, allerdings ein kleineres als in Mengsberg.

Die Hackschnitzel sollen selbst hergestellt werden

Genehmigen die Stadtverordneten die Bürgschaft - ein Schritt, bei dem Groll als Aufsichtsratsmitglied sowie Kurz und Klaus Schwalm als Mitglieder des Vorstandes nicht beteiligt sein dürfen -, so müssen danach die ersten Verträge geschlossen werden: zum Landerwerb beziehungsweise -tausch, mit der Telekom wegen des Verlegens von Glasfaserkabel und natürlich mit Banken. „Im Spätsommer könnte dann der erste Spatenstich erfolgen - natürlich nur, wenn die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für das Solarthermiefeld und das Heizkraftwerk geschaffen werden.“ Im günstigsten Fall sei mit einer Fertigstellung vor dem Winter 2016 zu rechnen.

Die Mengsberger ernten bald also die dicksten Früchte des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“, in dessen Fortlauf die Bürger die Idee entwickelten, Bioenergiedorf zu werden. Langfristig planen sie sogar, die Hackschnitzel für das zusätzliche Heizkraftwerk aus Baumschnitt oder „Straßenbegleitgrün“ selber herzustellen. Und auch die Handwerksbetriebe müssten sich keine Sorgen machen, betont Kurz: Zwar seien in den Häusern der Genossen künftig keine Wartungsarbeiten an den klassischen Heizungsanlagen mehr notwendig, wohl aber an den Geräten, die zu den neuen Anlagen gehörten.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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