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Plettenberg pustet durch: 57,15 Prozent

Bürgermeisterwahl in Amöneburg Plettenberg pustet durch: 57,15 Prozent

Wie geht es aus? Die wenigsten Auguren wagten einen Tipp zum Ausgang der Amöneburger Bürgermeisterwahlen. Entsprechend groß war gestern Abend der Andrang bei der Wahlparty von OP und Stadt Amöneburg.

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Erleichtert: Amtsinhaber Michael Plettenberg hat die Wahl zum Amöneburger Bürgermeister mit 57,15 Prozent der Stimmen gewonnen.

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Es herrschte ein großer Andrang im Bürgerhaus Mardorf, wo das Hausmeister-Ehepaar Anna und Richard Schick schon vor der Schließung der Wahllokale alle Hände voll zu tun hatte, um die Getränkewünsche der Besucher zu erfüllen, während Peter Heider von der Stadtverwaltung Amöneburg und Benjamin Hartmann von Flashlight die Technik checkten. Der Spielfilm des aufregenden Abends:

17.38 Uhr: Eine Besucherin fragt nach der ersten Hochrechnung. Da die Forschungsgruppe Wahlen nicht nach Mardorf angereist war, musste OP-Redakteur und Moderator Florian Lerchbacher die Dame enttäuschen: Es gibt nur echte Ergebnisse, und diese zeitnah.

17.56 Uhr: Stefan Backhaus (parteilos) kommt in Begleitung seiner Frau als erster Kandidat ins Bürgerhaus. Der Polizeibeamte aus Hatzbach schüttelt viele Hände und wirkt nach fünfmonatigem Wahlkampf-Marathon relativ entspannt.

17.59 Uhr: Kandidat Rainer Wiegand aus Marburg (APPD) lüftet im Foyer seinen Zylinder und begrüßt die Umstehenden. Sein APPD-Fanblock nimmt in der ersten Reihe Platz.

18 Uhr: Die Wahllokale schließen. Der parteilose Bürgermeister Michael Plettenberg (Wettenberg) betritt das Bürgerhaus. Der Triumphator von 2011 (80,5 Prozent) wirkt nervös und aufgeregt.

18.06 Uhr: Florian Lerchbacher eröffnet die Wahlparty und befragt die Kandidaten, wie sie den Wahltag verbracht haben. Er sei, wie immer vor einer Wahl, ziemlich aufgeregt gewesen, habe schlecht geschlafen und deshalb morgens um 5 Arte geschaut, bekennt Michael Plettenberg. Nach dem Frühstück habe er Wahltaxi gespielt und am Nachmittag mit seinen Eltern Kaffee getrunken, schilderte der Amtsinhaber, und bedankte sich bei seinem Mitbewerber Rainer Wiegand dafür, dass dieser eins seiner abgerissenen Wahlplakate wieder aufgehängt habe.

Bürgermeisterwahl Amöneburg. Foto: Tobias Hirsch

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„Aufhängen ist mein Beruf“, konterte der im Internet als „Hessenhenker“ publizierende Kandidat unter dem Jubel seiner Anhänger. Rainer Wiegand gibt an, sich im Internet noch einmal die Stadt Amöneburg angeschaut zu haben, die es je nach Wahlausgang so nicht mehr geben werden.

„Ich bin um 7.30 Uhr nach Roßdorf gefahren und habe im Ort 200 Kaiserbrötchen verteilt“, erzählt Stefan Backhaus. Mittags habe seine Frau Linsensuppe gekocht und anschließend habe er sich in die Sauna gesetzt, sagt Ralf Backhaus, der den Wahlkampf als „absolut positive Erfahrung“ erlebt hat.

18.24 Uhr: Der erste Spannungsmoment ist da, das erste Teilergebnis aus der Mehrzweckhalle Roßdorf liegt vor. Es verspricht einen dramatischen Abend: Michael Plettenberg holt 53,92 Prozent, Stefan Backhaus 42,40 Prozent und Rainer Wiegand 3,69 Prozent. Der Amtsinhaber muss kurz schlucken und gibt keinen Kommentar ab. Stefan Backhaus, der sich in Roßdorf nicht so viel ausgerechnet hat, ist mit seinem Ergebnis sehr zufrieden.

18.31 Uhr: Der Super-GAU für eine Wahlparty ist da! Die Ergebnisübertragung aus der von der Stadt Amöneburg genutzten Software in den Monitor funktioniert nicht mehr. Florian Lerchbacher bekommt Informationen per Zuruf, wonach drei weitere Teilergebnisse vorliegen sollen. Ungefährer Zwischenstand: Plettenberg 62 Prozent, 35 Prozent Backhaus, 3,5 Prozent Wiegand.

18.35 Uhr: Insgesamt sechs Ergebnisse liegen vor. Erfurtshausen, Grundschule Amöneburg und die Briefwahl fehlen noch.

18.45 Uhr: Wahlleiter Burkard Wachtel bringt die letzten drei Ergebnisse: Michael Plettenberg erreicht 57,15 Prozent – und pustet erst mal durch. Stefan Backhaus rockt Erfurtshausen (72,08 Prozent) und erreicht 40,95 Prozent, Rainer Wiegand 1,89 Prozent.

von Matthias Mayer

Kommentar: Bürger wollen Veränderung

Der Amtsinhaber kommt auf rund 57 Prozent der Stimmen, ein bis dato politisch unbeschriebenes Blatt erreicht fast 41 Prozent. Die Botschaft ist eindeutig: Auf der einen Seite honorieren die Bürger die gute Arbeit, die Michael Plettenberg macht. Er ist engagiert und ein Fachmann in der Verwaltung. Auf der anderen Seite schwingt aber auch mit: Es ist Zeit für eine Veränderung.
Die Windkraft ist natürlich ein Thema, das die Menschen bewegt – und verärgert. Rund 72 Prozent für Stefan Backhaus in Erfurtshausen sind ein klares Signal. Doch auch in den anderen Stadtteilen ist Plettenberg weit entfernt von dem erdrutschartigen Erfolg des Jahres 2011. Seine Unterstützung bröckelt. Und wenn es nur bedingt an seiner Politik liegt, dann muss etwas mit seiner Person nicht passen – siehe den Zuspruch, den Backhaus durch seine offene Art bekam. Die Bürger (und die Mitarbeiter der Verwaltung) wollen einen Bürgermeister, der ihnen geduldig zuhört, auf sie eingeht, sie ernst nimmt und sich ihrer Probleme annimmt – und sie nicht von oben herab behandelt. Es ist schließlich „ihr“ Bürgermeister – und dieser sollte so auch auftreten.

von Florian Lerchbacher

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