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Fördern, verstehen, einbeziehen

Kandidaten über Angebote für Jugendliche Fördern, verstehen, einbeziehen

In der dritten und letzten Synopse äußern sich die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl zur Frage, wie sie das Angebot für Jugendliche verbessern möchten.

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Anders Arendt (parteilos, von links), Michael Richter-Plettenberg (parteiunabhängig) und Jan-Gernot Wichert (CDU) beantworteten die Frage nach der Zukunft der Bürgerhäuser per E-Mail von ihren Arbeitsplätzen aus.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Während die anderen Städte des Ostkreises Stadtjugendpfleger oder Streetworker oder beides haben, verzichten die Amöneburger darauf. Ein vieldiskutiertes Thema ist derweil der demografische Wandel, entsprechend stellt sich die Frage, wie Amöneburg für Jugendliche attraktiv werden beziehungsweise bleiben soll. Dazu äußern sich die Kandidaten.

Jan-Gernot Wichert: „Jugendliche brauchen Raum, um sich entfalten zu können. Welcher Bedarf besteht, ist mit ihnen gemeinsam zu klären. „Raum“ heißt aber auch Freiraum. Das bedeutet, dass wir als Erwachsene die Jugendlichen mit unseren Vorstellungen nicht erdrücken dürfen, auch wenn es klare Regeln für die Rücksichtnahme auf andere geben muss.

Ein sehr wichtiger Baustein der Kinder- und Jugendarbeit sind die Angebote der Vereine und Kirchen, deren Arbeit wir unterstützen und fördern müssen. Zentrales Element für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit ist der Kinder- und Jugendbeirat. Ich werde als Bürgermeister die Stimme der Kinder und Jugendlichen stärker ins Bewusstsein bringen. Konkret möchte ich mich dafür einsetzen, dass der Kinder- und Jugendbeirat regelmäßig von seinem satzungsmäßigen Recht Gebrauch macht, vor der Stadtverordnetenversammlung Anliegen vorzutragen und zu berichten. Analog zu den regelmäßig stattfindenden Bürgerversammlungen sollte es Kinder- und Jugendversammlungen bzw. einen „Jugendkongress“ geben.

Weiterhin werde ich mich für eine intensivere Zusammenarbeit mit den Schulen zur Stärkung der jugendpolitischen Arbeit einsetzen. Über die kontinuierliche Mitarbeit im Kinder- und Jugendbeirat hinaus rege ich an, dass man die Chancen der zeitlich befristeten Mitarbeit von Jugendlichen im Rahmen einzelner Projekte stärker nutzt. Einen festen Platz sollte die Kinder- und Jugendarbeit im Ohmtalboten erhalten. Als Bürgermeister werde ich mich für die Förderung spezieller Bildungs- und Kulturangebote für Jugendliche einsetzen.

In den einzelnen Stadtteilen gibt es derzeit ein unterschiedlich breites Freizeitangebot für Kinder- und Jugendliche. Deutlich wird dies zum Beispiel in der Nutzungsintensität der Jugendräume durch unterschiedliche Altersgruppen. Teilweise sind daher zusätzliche Angebote wünschenswert. Ideal ist es, wenn „Jugendliche für Jugendliche“ Angebote unterbreiten. Daher möchte ich die ehrenamtliche Tätigkeit als Jugendleiter durch die Förderung der Aus- und Fortbildung unterstützen. Ich werde mich für eine Vernetzung und Austausch zwischen Jugendlichen, Vereinen und Kirchen einsetzen, da manchmal gute Angebote über Ortsteilgrenzen hinaus nicht wahrgenommen werden.“

Anders Arendt: „Wir müssen uns zunächst vergegenwärtigen, dass sich das Leben der Jugendlichen nicht ausschließlich, vielleicht nicht einmal überwiegend, im Stadtgebiet abspielt. Abgesehen davon kann man auch die Jugend nicht pauschalisieren, die Interessen sind viel zu unterschiedlich. Auch wenn die Vereine ein vielfältiges Angebot haben, werden nicht zwingend alle erreicht.

Obwohl ich der jüngste Bewerber um das Bürgermeisteramt bin, muss auch ich mir inzwischen eingestehen, nicht immer zu wissen, was der Jugend besonders am Herzen liegt. Es ist auch nicht in Ordnung, fertige Lösungen anzubieten, mit denen am Ende keiner etwas anfangen kann.

Ich möchte den Prozess umkehren: Erst mal gut zuhören, was gebraucht beziehungsweise gewünscht wird und dann gemeinsam mit den jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern an der Umsetzung arbeiten. Sehr oft ist es gar keine Frage des Geldes, manchmal braucht jemand einfach nur einen individuellen Rat, um zum Beispiel beruflich die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen oder im Umgang mit der furchtbaren deutschen Bürokratie besser klarzukommen. Wenn es nach mir geht, wird das Rat-Haus in Zukunft ein Haus sein, in dem sich jeder Jugendliche Rat holen kann!“

Michael Richter-Plettenberg: „Vereine und die Kirche bieten interessante Betätigungsfelder z.B. im Sport, der Musik und der Jugendfeuerwehr. Deshalb haben wir die Vereinsförderung auf Vereine mit vielen jungen Leuten stärker ausgerichtet. Die Stadt Amöneburg verzichtet aktuell noch auf eine Jugendpflege und macht in den städtischen Jugendräumen offene Angebote. Sie unterstützt die Jugendarbeit der Kirchengemeinden finanziell. Mit viel Geld und Eigenleistung wurden komplett neue Jugendräume in Mardorf und in Erfurtshausen errichtet. Alle Räume sollen optimal genutzt werden.

Es wäre schön, wenn es gelingen würde, ein kostengünstiges und effektives Modell zu entwickeln, um Jugendlichen im Sinne einer betreuten Jugendarbeit die Unterstützung und Anleitung zu geben, die für ihre Bedürfnisse sinnvoll ist. Ich favorisiere die Zusammenarbeit mit einem freiem Träger, wie aktuell in Neustadt diskutiert, da dieser gut pädagogisch eingebunden ist.

In meiner eigenen Jugend habe ich mich zum ehrenamtlichen Mitarbeiter ausbilden lassen, Gruppen betreut und in Gremien mitgewirkt. Geblieben sind mir wunderbare Erinnerungen an tolle Gemeinschaftserlebnisse, die der Jugend von heute oft fehlen. Uns sollten vor allem die jüngeren Jugendlichen wichtig sein, die noch mehr Betreuung brauchen aber irgendwie „raus““ wollen. Auch sollten wir Jugendliche stärker motivieren, sich selbst als Betreuer ausbilden zu lassen. Die Stadt übernimmt schon heute die vollen Kosten dafür. An den Ferienspielen kann man sehen, wie viele Jugendliche sich begeistern lassen, wenn das jemand in die Hand nimmt.

Jugendarbeit war mir bisher schon wichtig, und ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten zu den Jugendgruppen Kontakt gehalten. Ein Beispiel ist die aktive Begleitung des Kinder- und Jugendbeirats, der gut zusammengefunden hat, auch wenn alters- und interessenbedingt sehr oft personelle Wechsel stattfinden.

Die Aktivitäten in diesem Bereich möchte ich in den kommenden sechs Jahren deutlich verstärken und die Stadtverordneten dafür begeistern, die für intelligente Lösungen erforderlichen Finanzmittel bereitzustellen. Das Argument, dass kein Geld da ist, lasse ich nicht gelten. Bereits ein Viertel der zusätzlichen Einnahmen aus einem zukünftigen kommunalen Stromnetzbetrieb würden ausreichen, um deutlich voranzukommen!“

von Florian Lerchbacher

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Bürgermeisterwahl Amöneburg

Nachdem sich die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in der vergangenen Woche zur Zukunft der Bürgerhäuser äußerten, mussten sie sich diesmal der Problematik der Leerstände in den Ortskernen widmen.

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