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Ein normaler Tag - mit Seitenhieben

Bürgermeisterwahl Ein normaler Tag - mit Seitenhieben

"Ich bin etwas später ins Rathaus gekommen als sonst", berichtete Michael Plettenberg einen Tag nach der gewonnenen Wahl - ansonsten sei der Montag ein ganz normaler Arbeitstag gewesen.

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Plettenberg pustet durch: 57,15 Prozent

Michael Plettenberg war sowohl am Sonntagabend als auch am Montag ein gefragter Gesprächspartner.

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Alle zwei Wochen findet im Amöneburger Rathaus eine Amtsleiterbesprechung mit dem Bürgermeister statt, gar wöchentlich gibt es montags eine „Jour Fixe Flüchtlingshilfe“. Und so begann die neue Arbeitswoche wie immer - mit dem kleinen Unterschied, dass Michael Plettenberg zahlreiche Glückwünsche zur Wiederwahl entgegennahm: „Aber zwischendrin habe ich natürlich gearbeitet. Dafür werde ich ja schließlich bezahlt“, erklärte er und überreichte seinem Gesprächspartner einen frisch gedruckten Flyer mit den Veranstaltungen des Jahres 2017. Darauf enthalten ist auch „Rock am Berg“ am 15. Juli - ein Konzert von jungen Leuten für junge Leute, wie der Bürgermeister berichtet: „Das soll über Fördermittel finanziert werden. Den Antrag haben wir beim Programm ,Demokratie leben‘ eingereicht -aber ganz sicher ist die Umsetzung der Veranstaltung noch nicht.“ Findet das Konzert statt, soll es jedenfalls interkulturelles Flair bekommen.

Bürgermeisterwahl Amöneburg. Foto: Tobias Hirsch

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Doch so ganz spurlos sind die vergangenen Wochen und Monate nicht an Plettenberg vorbeigegangen: „Die Hasstiraden meines Vorgängers bei Facebook waren echt schwer erträglich“, bekennt er - aber auch Stefan Backhaus habe es ihm nicht leicht gemacht: „Den Fleiß-Preis würde ich ihm für seinen Wahlkampf verleihen, den Fairness-Preis nicht.“ Sein Motto sei, für sich selber zu werben - aber nicht gegen andere. Stefan Backhaus habe dies sogar in seinem Beisein anders gehalten und beispielsweise kolportiert, er habe Alleingänge bei der Windkraft gemacht, monierte Plettenberg.

Auch „Hessenhenker“ Rainer Wiegand bekam sein Fett weg - allerdings nicht auf der persönlichen Schiene: „Als Mensch mag ich ihn. Ansonsten ist eine Kandidatur wie die seinige jedoch eine Schande für unseren Berufsstand“, sagte der Bürgermeister und ergänzte: „Er ist jemand, der aus Langeweile beziehungsweise aus Unzufriedenheit mit seinem Leben die Öffentlichkeit sucht und unser Wahlgesetz ausnutzt.“ Wiegand habe „keinerlei Qualifikationen“ für das Amt des Bürgermeisters: „Es sollten Mindestqualifikationen vorausgesetzt werden. Die Wähler sollten schließlich schon erwarten können, dass ein Kandidat zumindest formal die Qualifikationen für das Amt mitbringt.“

Bürgerbeteiligung ist den Menschen wichtig

Einen Seitenhieb kassierten auch die Fraktionen: Diese hätten während des Wahlkampfs „ins Schaufenster“ geschaut und abgewartet: „Das hatte ich mir ein bisschen anders gewünscht, schließlich läuft die Zusammenarbeit gut. Aber ich bin mir sicher, dass das konstruktive Klima anhält.“ Insgesamt seien 57,15 Prozent ein „sehr gutes Ergebnis“, das ihn freue. „Es konnte ja nur schlechter werden“, erinnerte er an eine Aussage von vor sechs Jahren nach seinem erdrutschartigen Sieg. Diesmal hätten ihn 36,3 aller Amöneburger Wahlberechtigten „aktiv gewählt“: „Im Vergleich zu anderen Bürgermeistern im Landkreis ist das ein hoher Wert. Ich glaube, dass ich mir um meine demokratische Legitimation keine Gedanken machen muss.“ Besonders stolz sei er darauf, dass er „ohne Unterstützung“ (abgesehen von Einzelpersonen) in Amöneburg das „Triple“ - also drei Wahlsiege in Folge - hingelegt habe.

Doch Plettenberg will aus dem Wahlkampf auch etwas gelernt haben: „Es scheint ja, dass Bürgerbeteiligung den Menschen wichtig ist“, sagt er und kündigt an, eine alte Idee wieder aufzugreifen: Plettenberg will eine Art Forum im Internet schaffen, um den Austausch mit den Bürgern zu verbessern. Die städtische Homepage und der Facebook-Auftritt seien zwar gut gepflegt, aber er habe durchaus Verständnis für Bedenkenträger, die sich bei dem sozialen Netzwerk nicht registrieren wollen.

Und so ganz ohne Seitenhieb kommt er auch bei diesem Thema nicht aus: „Wenn es kein brennendes Thema gibt, ist das Interesse der Bürger an der Kommunalpolitik sehr gering.“ Noch dazu hätten die Parteien im vergangenen Jahr erhebliche Probleme gehabt, Listen mit ausreichend Kandidaten aufzustellen, fügte Plettenberg hinzu und erinnerte daran, dass Bürger auch jederzeit die Vertreter der Stadtverordnetenversammlung ansprechen und ihre Meinung äußern könnten: „Ich kann mich ja nicht auf den Marktplatz stellen, um Abstimmungen zu allen Projekten zu machen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Mandatsträger werden ganz vergessen und es gibt nur Bürger und Bürgermeister.“

Als Ziel gibt er aus, die Ursachen für die Verluste bei den Stimmen zu analysieren und „mit den Akteuren“ zu reden. Ein Thema, das er angehen will, ist die Kinderbetreuung - die in Amöneburg zwar gut sei, aber dennoch verbessert werden könne: „In Sachen Familienfreundlichkeit müssen wir etwas unternehmen. Die Seniorenarbeit werden wir aber auch nicht vernachlässigen.“

von Florian Lerchbacher

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