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Bürgermeister wird zum Brandmelder

Kolping-Karneval Neustadt Bürgermeister wird zum Brandmelder

Bis nach Mitternacht feierte die Kolpingsfamilie in Neustadt zum 68. Mal Karneval. Brandschutz, deutsche Einheit und AfD beschäftigten die Büttenredner. Tanzgruppen trieben die Stimmung nach oben.

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Das großartige Bühnenbild im Neustädter Haus des Karnevals kam beim Auftritt der trommelnden Handwerker besonders gut zur Geltung.

Quelle: Yanik Schick

Neustadt. Zum Schluss der langen Karnevalsnacht war es Sitzungspräsident Andreas Gnau höchstpersönlich, der sich gemeinsam mit seiner Frau Anja aufs Korn nahm. Als „Die Gnauers“ zogen beide auf der Bühne nach 20 Jahren Ehe Bilanz - und die war schon ein wenig ernüchternd. „Vor 20 Jahren dachte ich, mein Herz steht in Flammen. Heute weiß ich, dass es Sodbrennen war“, sagte der Präsident ganz unromantisch zu seiner Frau. Doch auch Anja Gnau wusste auszuteilen und erinnerte ihren Gatten an dessen Leibesfülle. Das Fazit des Paars im letzten Lied: „Hüt‘ dich vor der Ehe“. Mit diesem Abgang setzten die beiden zweifelsohne einen der großen Höhepunkte an diesem Abend.

Fast fünf Stunden Programm hatte die Kolpingsfamilie Neustadt mit in das Haus des Karnevals gebracht. Das erste Wort gehörte Andreas Gnau, dem Kopf des Elferrats, der vor knapp 500 Gästen ankündigte: „Wir wollen kein Geld zu den Karnevalstagen, wir wollen das Lachen in die Stadt hineintragen.“

Honecker und Kohl feiern das Einheitsjubiläum

Und so waren die Augen nach dem ersten Auftritt der Kolping-Garde auf Simone Michel gerichtet, die als „Brandschützerin“ in der Bütt zunächst einmal wichtige Informationen für einen möglichen Notfall an diesem Abend gab. Bürgermeister Thomas Groll erklärte sie kurzerhand zum Rauchmelder: Falls es zum Ausbruch eines Feuers komme, solle er zur Warnung an das Publikum laut „Piep, piep“ rufen, erklärte Michel.

Da nun also die Formalitäten geklärt schienen, war die Bühne für die „Neistärrer Gassejonge“ frei. Das Ensemble widmete sich noch einmal der Zeit der Wiedervereinigung. Erich Honecker und Helmut Kohl führten unter musikalischer Begleitung tiefsinnige Gespräche über Ost und West - ein David-Hasselhoff-Double durfte da natürlich nicht fehlen.

Deutlich gemächlicher ging es beim Auftritt von Michael Schmittdiel zu, der als Student mit Badeschlappen und Jogginghose zur Bütt schlurfte, herzhaft gähnte und sich erst einmal einen Schluck aus der Bierflasche gönnte, bevor er konstatierte: „Ich kann’s nur jedem wärmstens empfehlen, so ein Studium muss niemanden quälen.“

Ob 2015 ein gutes Jahr war? Jochen Schratz war nicht ganz sicher. Er warf einen Blick auf das Weltgeschehen, auf die AfD und die Fußball-Skandale. Zur WM-Vergabe 2006 sagte er: „Wenn der Wolfram Ellenberg auf der JHV des VfL so einen Mist erzählt hätte, wie es Theo Zwanziger getan hat, den hätten wir mit der Eckfahne verdroschen.“ Zwischen all den Reden und Witzen schwangen die Gruppen der Kolpingsfamilie aber auch das Tanzbein und trieben so das Stimmungsbarometer nach oben. Die „Kolpingsternchen“, die Jüngsten im Verein, flogen in Uhu-Kostümen über die Bühne, der Elferrat selbst wurde zeitweilig vom Komitee der Frauengemeinschaft Sankta Maria ersetzt, um als „Elefantenballett“ einen Auftritt im Saloon hinzulegen, und eine Gruppe von Handwerkern machte Leitern zu Trommeln und beeindruckte die Gäste mit dem ungewohnten Klang. Ergänzend dazu tanzten die „Hipp de Bipps“ der Frauengemeinschaft.

Autobahn 49 bekommt einen Bratort

„Henkel und Larry“ erörterten die jüngsten Ereignisse der Stadt und kamen dabei diesmal, wie sie stolz konstatierten, ohne Witze über Momberg aus.

Die „Suppentanten“ um Pfarrerin Kerstin Kandziora eröffneten derweil die Würstchenbude „Bratort“ an einem künftigen Streckenabschnitt der A49. Autos fahren dort zwar noch nicht, aber: „Der frühe Vogel brät die Worscht“, erklärte Kandziora das Geschäftsmodell an der Autobahn.

von Yanik Schick

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